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1.000 Jahre Wormser Dom - Zeuge dramatischer Ereignisse

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Die "Basilica minor" in Worms hat schon einiges mitgemacht. Doch trotz Bauschäden und einem Brand kann sie heute prachtvoll ihr Jubiläum feiern.

Archiv: Hochaltar im Wormser Dom St. Peter, aufgenommen am 16.10.2011
Quelle: imago

Bedächtig steigt Tobias Schäfer die Stufen zum Altarbereich im Ostchor des Wormser Doms hinauf. Sein Blick schweift in die Tiefe des Kirchenschiffs, vorbei am Chorgestühl, an alten Heiligenfiguren, vorbei am abwechslungsreichen Lichtspiel, das die vielfarbigen Fenster der Seitenschiffe in den Raum werfen. Zufrieden sagt er: "Diese unglaubliche Raumwirkung! Je nachdem, zu welcher Tageszeit man hereinschaut, ist das ganz verschieden!"

Schäfer ist Propst und damit Hausherr über den Wormser Dom Sankt Peter. Der 52-Jährige, ein freundlich-zurückhaltend auftretender Geistlicher, hat 2017 silbernes Priesterjubiläum gefeiert. Nun steht er vor dem nächsten, viel runderen Jubiläum: Die Wormser feiern die Weihe ihres Doms vor 1.000 Jahren. Zum Auftakt leitet der katholische Bischof Peter Kohlgraf aus Mainz am Sonntag einen vom ZDF übertragenen Festgottesdienst.

Dasselbe Fundament seit 1018

Im Mittelalter gab es noch ein Bistum Worms mit eigenem Bischof. Im Jahr 1000 wurde Burchard zum Wormser Bischof geweiht. Die bestehende Kirche aus dem siebten Jahrhundert war ihm zu klein, weshalb er sie niederreißen und binnen 15 Jahren eine Kathedrale aufbauen ließ. Am 9. Juni 1018 weihte Burchard, an den heute eine Bronzestatue vor dem Dom erinnert, den romanischen Bau. Doch schon nach wenigen Jahren kam es zu einem ersten Teileinsturz, es gab Bauschäden. Zwischen 1130 und 1181 wurde Burchards Gotteshaus daher abgerissen und neu aufgebaut - aber wieder im romanischen Stil und weitgehend den Maßen aus der Zeit Burchards entsprechend.

Archiv: Der Dom St. Peter zu Worms, aufgenommen am 14.10.2010
Quelle: imago

"Vom Grundriss entspricht das damals entstandene Gotteshaus dem jetzigen Dom mit den vier runden Flankentürmen", sagt Schäfer. Dem neuen Dom kamen die Fortschritte der Technik zugute: Jetzt konnten die Baumeister eine gewölbte statt einer flachen Decke einziehen. In den folgenden Jahrhunderten wurde die Kirche mehrfach beschädigt, zuletzt im Zweiten Weltkrieg, als der hölzerne Dachstuhl abbrannte und durch ein Stahlkonstrukt ersetzt wurde.

Katholische Kirche mit Luther-Fenster

Mit der Auflösung des Bistums Worms nach der Französischen Revolution 1800 verlor der Dom seine Bedeutung als Bischofssitz. Er ist heute eine Pfarrkirche des Bistums Mainz, die aber 1925 den päpstlichen Ehrentitel "Basilica minor" erhielt. Schäfer ist daher ein ganz "normaler" Pfarrer von rund 4.500 Gläubigen. Seit 2014 arbeitet er in der Dompfarrei; der Bau ist ihm schnell ans Herz gewachsen: "Das war Liebe auf den ersten Blick." Wer mit ihm einen Rundgang durch die Kathedrale macht, erfährt zahlreiche historische Details.

Archiv: Die Südfassade des Doms St. Peter zu Worms, aufgenommen am 18.10.2012
Quelle: imago

Etwa, dass in einem farbenprächtigen Fenster, das der Glaskünstler Heinz Hindorf in den 1980ern entworfen hat, auch Luther abgebildet ist - äußerst ungewöhnlich für eine katholische Kirche. 1521 musste sich Luther vor dem Reichstag zu Worms rechtfertigen. Dabei weigerte er sich, seine reformatorischen Lehren zurückzunehmen, weshalb er geächtet wurde. Den Dom durfte er als exkommunizierter Ex-Mönch nicht besuchen. "Ob er sich trotzdem mal in den Dom geschlichen hat, wissen wir nicht", sagt Schäfer.

Ein Papst aus Worms

Für Erstaunen sorgt laut Propst bei vielen Besuchern des Doms, wenn er ihnen verrate: "Der erste deutsche Papst war ein Wormser." Es war der 972 geborene Bruno von Kärnten, der an der Wormser Domschule erzogen wurde und auf Betreiben des deutschen Kaisers Otto III. bereits im Jahr 996 Papst wurde.

"Die Vorstellung, dass einer im Alter von 24 Papst ist und von einem Kaiser eingesetzt wird, der 17 ist - beides fromme Männer, die die Welt verändern wollten - solche Dinge faszinieren mich", sagt Schäfer.

Die Geschichte des Wormser Doms

Umfangreiches Jubiläumsprogramm

2018 aber steht keine Person, sondern der Dom als Gebäude im Mittelpunkt. Das Jubiläumsprogramm reicht von der Weihe neuer Glocken bis zur großen Festwoche im Sommer. Auch die Nibelungenfestspiele finden im Sommer traditionell auf einer Freilichtbühne vor dem Dom statt, wo sich der Sage nach die Königinnen Brünhild und Kriemhild um die Frage stritten, welche den höheren Rang hat und daher zuerst in die Kathedrale eintreten darf.

Schäfer ist sich sicher, dass das Jubiläum die ganze Stadt bewegen wird: "Die Wormser identifizieren sich mit ihrem Dom, egal ob katholisch, evangelisch oder ob sie nichts mit Kirche am Hut haben."

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