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Ökumenische Kampagne - Kirchenglocken verbinden Himmel und Erde

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Nordirische Wandermönche brachten Kirchenglocken nach Deutschland - 1.300 Jahre ist das her. Ihr Läuten sollte zu religiösen Treffen rufen - und so ist es bis heute geblieben.

Kirchenglocken
Kirchenglocken Quelle: dpa

Alle Kirchenglocken der Innenstadt läuteten, als am Freitagabend vor dem Karlsruher Schloss die bundesweite, ökumenische Kampagne "Hörst Du nicht die Glocken" eröffnet wurde. Mit der Aktion soll an die religiöse und kulturelle Bedeutung von Glocken erinnert werden. "Unsere Glocken sind Schätze", sagt der emeritierte Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch. "Sie prägen unsere Kultur, laden ein zu Gottesdienst und Gebet."

Läuten als Zeichen der Besinnung

Kirchenglocken - ein Kommunikationsmittel mit liturgischem Charakter. Sie rufen zum Gottesdienst, zur Zwiesprache mit Gott, zum Innehalten. Glocken sollen Gebete und Botschaften zum Himmel tragen und dann durch ihr Erklingen auch die Antwort auf Erden verkünden. Dabei kommt es nicht auf die perfekte Technik und Form an. "Glocken müssen Menschen berühren", sagt Martin Kares, Leiter des Orgel- und Glockenprüfungsamtes der Landeskirche Baden. "Sie sind wie individuelle Persönlichkeiten."

Katholische und evangelische Glocken unterscheiden sich dabei nicht in ihrem Aussehen, wohl aber in ihren Inschriften: Während sie in der katholischen Kirche oft Heiligen gewidmet sind oder sogar gesalbt werden, verbinden die Protestanten damit meist gesellschaftliche Botschaften: Gottes Wort ist auch hier im Vordergrund.

Glocken in Kriegszeiten

Was Zeichen des Friedens und des Miteinanders ist, wurde in Kriegszeiten zu Kanonen. 70 Prozent aller Glocken in Deutschland wurden im Dritten Reich abgehängt und wanderten auf den sogenannten "Glockenfriedhof" in Hamburg. Mehr als die Hälfte von ihnen wurde zerstört und zu Kanonen gegossen. "Am Ende", so erzählt Martin Kares von der Landeskirche Baden, "sollten nur noch zwölf Glocken auf dem Reichsparteigelände in Nürnberg hängen. Dazu kam es nicht mehr."

Viele der nicht zerstörten Glocken wurden den Kirchen nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wieder zurückgegeben. Und die, die zerstört waren, wurden durch günstigere Stahlglocken ersetzt. Es waren Notzeiten, für Bronze gab es kein Geld.

Glocken als Forschungsobjekt

Mit der Langlebigkeit von Glocken, mit dem, was sie anfällig macht und wie Schäden vermieden werden können, beschäftigt sich das Europäische Kompetenzzentrum für Glocken an der Hochschule in Kempten. Geschäftsführer Michael Plitzner und sein Team haben ein Verfahren entwickelt, mit dem Risse vermieden werden können. Mit 15 Versuchsglocken hat alles angefangen. "Teilweise läuteten die Tag und Nacht", erinnert sich der studierte Theologe und Maschinenbauer. "Die längste Versuchsdauer bei einer Glocke waren 3.000 Stunden. Wenn man davon ausgeht, dass eine Glocke durchschnittlich 30 Stunden im Jahr läutet, waren das 100 Jahre." Zum Glück für die Kemptner ist das Versuchslabor schallgeschützt, so dass nichts nach außen dringen kann. 

Hat eine Glocke erst einmal Risse, dann beschädigt das ihren Klang. Aber: Man kann sie wieder schweißen. Dafür allerdings muss der Riss zunächst vergrößert werden, die Glocke wird einer Temperatur von 500 Grad Celsius ausgesetzt, und das wiederum kann Inschriften zerstören und Folgeschäden hervorrufen.    

Um den unverwechselbaren Klang von Glocken möglichst lange zu bewahren, nehmen die Forscher den "musikalischen Fingerabdruck". Sie bestimmen den Winkel des Klöppelanschlages, die Metalldichte der Glocke, Tonstärke und Gusstemperatur. So kann man anhand des Klangs feststellen, ob die Glocke kaputt ist und wo der Schaden liegt. "Denn wenn man erst einmal hört, dass eine Glocke kaputt ist," so Plitzner, "dann kann man nichts mehr tun".

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