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20 Jahre Oder-Hochwasser - Die Angst vor dem Wasser bleibt

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Im Juli 1997 spielten sich an der Oder dramatische Szenen ab: Dutzende Menschen starben, als an mehr als 1.000 Stellen die Deiche brachen. Die Jahrhundertflut raubte tausenden Menschen die Existenz. Und noch 20 Jahre danach nimmt das Bangen für die Menschen an der Oder kein Ende.

Im Juli 1997 bricht der Damm und überflutet eine Siedlung an der Oder. Das Unglück ist nun schon 20 Jahre her, doch in den Köpfen der Anwohner ist es immer noch präsent: Betroffene erinnern sich.

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Wenn es über dem Riesengebirge stark regnet, werden die Menschen entlang der Oder unruhig. Tagelange Niederschläge über dem Gebirge in Tschechien haben vor 20 Jahren zum Jahrhunderthochwasser in Polen und Deutschland geführt.

Kaum jemand wollte den ersten Warnungen glauben

Am 13. Juli erreicht der Scheitel der Flutwelle Wroclaw. In Brandenburg ist bereits am 8. Juli vorsorglich eine Hochwasserwarnung ausgerufen worden. Doch bei allerschönstem Sommerwetter glaubt kaum jemand daran. Am 17. Juli wird es ernst: Die erste Flutwelle erreicht Ratzdorf am Zusammenfluss von Oder und Neiße.

Am 23. Juli rutscht südlich von Frankfurt (Oder) auf 70 Metern der erste Deich weg. Weitere Brüche folgen. Die Ziltendorfer Niederung läuft voll, 2.800 Menschen müssen evakuiert werden. Bilder der Verzweiflung rütteln die Fernsehzuschauer in ganz Deutschland auf. Menschen nehmen Urlaub, um den Betroffenen beizustehen. Auf die Flutwelle folgt eine Welle von selbstloser Hilfe und von Spenden.

Dramatische Tage im Oderbruch

Doch das ist erst der Anfang. Einige Kilometer nördlich leben 20.000 Menschen im Oderbruch, das unter dem Wasserspiegel der Oder liegt. Das Hochwasser schwappt bis zur Oberkante des Deiches, der bei Hohenwutzen wegzurutschen droht. Freiwillige laden mit Hubschraubern tonnenweise Sandsäcke und Betonteile in die Löcher im Deich. Das "Wunder von Hohenwutzen" verhindert, dass der Oderbruch vollläuft.

Ab dem 8. August sinkt der Wasserpegel endlich. Das große Aufräumen beginnt. Aber auch die Debatte, ob den Flüssen einfach wieder mehr Raum gegeben werden muss. Immerhin werden die Deiche saniert. Brandenburg investiert allein 300 Millionen Euro für 160 Kilometer Erneuerung. Fünf Jahre nach diesem Jahrhunderthochwasser kommt die nächste Jahrhundertflut - dieses Mal aber an der Elbe: Und das Sommerhochwasser 2002 sorgt auch für flächendeckende Überschwemmungen.

Streit um Überflutungsflächen

20 Jahre nach der Oderflut ist der Hochwasserschutz an der Oder noch immer unvollendet. Den Deich in Aurith um einige Meter landeinwärts zu verlegen, hatte zu langwierigen Prozessen geführt. Erst kürzlich bestimmte das Landesumweltministerium nun zwei Regionen an der Oder als mögliche Überflutungsflächen: Bei Neuzelle und in der Ziltendorfer Niederung werden 70 Quadratkilometer auf ihre Machbarkeit als Retentionsfläche geprüft. Eine Fläche so groß wie der Chiemsee. Zum Vergleich: 1997 wurden etwa 50 Quadratkilometer überschwemmt.

Von den Plänen erfuhren die Bewohner nicht durch die Behörden selbst, sondern durch eine Lokalzeitung. Die Ernst-Thälmann-Siedlung in der Ziltendorfer Niederung - sie stand 1997 vollständig unter Wasser - wird in keinem Fall überschwemmt, versicherte daraufhin eilig Kurt Augustin, zuständiger Abteilungsleiter, den alarmierten Menschen. Bauern würden Schadensersatz für die vernichtete Ernte auf ihren Felder bekommen. Doch wie soll das am Ende gehen: Ein Ringdeich um das Dorf? Und bleibt die Siedlung auch bei Hochwasser zugänglich? Allein das Nachdenken darüber ruft Entsetzen bei den Bewohnern hervor. Größer noch ist der Unmut über die mangelhafte Information.

Dankbarkeit, aber keine Feierstimmung

Nicht zuletzt deshalb hat der Bürgermeister von Ziltendorf auf eine fröhliche Feier verzichtet. Im Gemeindezentrum wird mit einem ruhigen Gottesdienst der Überschwemmung vor 20 Jahren gedacht. Zur präsent sind die Erinnerungen, zu groß die Sorge um die Zukunft.

Gefeiert wird dann trotzdem, allerdings in Eisenhüttenstadt: Mit Musik und Aktionen präsentieren sich Feuerwehren, Bundeswehr, Wasserschutzpolizei, Deutsches Rotes Kreuz, Johanniter Unfallhilfe und Technisches Hilfswerk und erinnern daran, was die Wochen vor 20 Jahren auch waren: eine Zeit des Zusammenhalts und der Solidarität, als zehntausende Helfer im Einsatz waren, um Deiche zu stabilisieren und Bewohner in Sicherheit zu bringen.

Wenig Sorge macht derzeit der Wasserstand der Oder. Er ist so niedrig wie in jedem Sommer, so wie auch Anfang Juli 1997.

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