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Ein überholtes Konzept? - 25 Jahre Grünpfeil - und noch immer umstritten

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Rechts abbiegen, obwohl die Ampel auf Rot steht: Nach dem DDR-Vorbild ermöglicht dies seit 25 Jahren der Grünpfeil in ganz Deutschland. Ein bis heute umstrittenes Verkehrszeichen.

Archiv: Grünpfeil für Fahrradfahrer
Grünpfeil für Fahrradfahrer
Quelle: dpa

Als die DDR im Jahr 1978 den Grünpfeil installierte, war dies im Grunde eine Verschärfung der Verkehrsordnung. Bis zu diesem Zeitpunkt nämlich durfte man in der Deutschen Demokratischen Republik generell auch bei einer roten Ampel rechts abbiegen, wenn es der Verkehr zugelassen hat. Aber welcher Verkehr eigentlich? Genau, seit damals hat sich die Verkehrsdichte erheblich geändert. Im Osten der Republik ebenso wie im Westen, wo der Grünpfeil am 1. März 1994 Bestandteil der bundesdeutschen Straßenverkehrsordnung wurde.

Neue Verkehrsregeln verlangen eine Menge Aufklärung

"Wenn neue Verkehrsregeln eingeführt werden, braucht man eine Menge Aufklärung", weiß Gerd Lottsiepen, verkehrspolitischer Sprecher beim Verkehrsclub Deutschland (VCD). Wie es aussieht, hat das in den vergangenen 25 Jahren in den westlichen Bundesländern nicht unbedingt gut funktioniert. So haben zum Beispiel Verkehrsbeobachtungen vor einigen Jahren ergeben, dass nur rund ein Viertel der Autofahrer beim Grünpfeil auch tatsächlich anhalten, wie es das Verkehrszeichen vorschreibt. Bis zu 180 Euro Geldbuße fürs Durchfahren? Auch das wissen vermutlich bis heute nur wenige Fahrer.

Fußgänger überqueren einen Zebrastreifen
Fußgänger überqueren einen Zebrastreifen
Quelle: ap

"Als der Grünpfeil in ganz Deutschland eingeführt wurde, gab es zunächst eine regelrechte Euphorie, die dann aber auch recht schnell wieder abgeebbt ist", so Lottsiepen. Mittlerweile sei der Grünpfeil wohl eher auf dem Rückzug: "Wegen des ständig wachsenden Verkehrs wurden in den vergangenen Jahren viele Kreuzungen umgebaut. Entsprechend fiel der Grünpfeil weg, weil die recht engen Richtlinien, um das Verkehrszeichen überhaupt installieren zu können, nicht mehr erfüllt wurden."

"Chronische und brandgefährliche Unfallstellen"

Was wiederum Kritiker wie den Fachverband Fußverkehr Deutschland (FUSS e.V.) freuen dürfte, dessen Vorsitzender Arndt Schwab resümiert: "Es gibt keine sicheren und sinnvollen Grünpfeile. Mindestens bei Fuß- und Radwegen müssen sie allesamt verschwinden. Drei Viertel der Pfeile dürfte nach den Vorschriften zu ihrem Anbringen gar nicht hängen. Und drei Viertel der Autofahrer brechen am Grünpfeil die Sicherheitsregeln. Das macht Grünpfeil-Ampeln zu chronischen und brandgefährlichen Unfallstellen."

Nicht ganz so hart fällt das Urteil bei der Unfallforschung der Versicherer (UDV) aus. Allerdings, so UDV-Leiter Siegfried Brockmann: "Untersuchungen haben gezeigt, dass es keine größeren Probleme gibt, wenn sich Kommunen bei der Einrichtung des Grünpfeils an die Richtlinien halten. Nur halten sich eben viele nicht daran." In einer Untersuchung aus dem Jahr 2015 war die UDV zu dem Schluss gelangt, dass "der Grünpfeil unterm Strich zu keinen nennenswerten Vorteilen im Verkehrsablauf beiträgt, jedoch zur Behinderung von Fußgängern und Radfahrern führen kann".

Grünpfeil für Radfahrer jetzt im Pilotversuch

Rein objektiv sei der Grünpfeil ein überflüssiges Verkehrszeichen. Er widerspreche den Bemühungen von Städten den Fuß- und Radverkehr zu fördern und die Straßen barrierefrei zu gestalten, so die Unfallforschung der Versicherer. Ähnlich der Standpunkt beim ADAC: Zwar könnten durch den Einsatz des Grünpfeils in geringem Maße zusätzliche Kapazitäten geschaffen werden. Aber: "Bei der Auswahl der Standorte ist darauf zu achten, dass die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer stets gewährleistet bleibt, zum Beispiel die Sicherheit querender Fußgänger und Radfahrer."

"Ich bin mir ziemlich sicher, dass der Grünpfeil für Autos bei der heutigen Verkehrsdichte nicht mehr eingeführt würde", sagt Gerd Lottsiepen vom VCD. Und dennoch scheint der Grünpfeil eine Renaissance zu erleben - diesmal für Radfahrer. Anfang Januar nämlich hat die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) in Zusammenarbeit mit neun Kommunen (Bamberg, Darmstadt, Düsseldorf, Köln, Leipzig, München, Münster, Reutlingen und Stuttgart) einen Pilotversuch gestartet um zu untersuchen, "ob es unter Aspekten der Verkehrssicherheit sinnvoll ist, die Grünpfeilregelung in ausgewählten Fällen auf den Radverkehr zu beschränken". Auch an solchen besonders für Radfahrer beschilderten Stellen gilt übrigens: Erst anhalten, dann gegebenenfalls auch bei Rot rechts abbiegen. Der Grünpfeil ist nun einmal keine grüne Ampel.

Radfahrer haben auf Deutschlands Straßen wenig Platz und oft auch wenig Schutz. 254 kamen 2017 innerorts ums Leben, 11.700 wurden schwer verletzt. Muss Radfahren so gefährlich sein? Die Kollegen von ZDFzoom haben den Test gemacht:

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29 min
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