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30 Jahre Dax - "Das Leitplankensystem der Börse"

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Er hatte viele Hoch- und Tiefpunkte, am Ende aber ging es immer bergauf. Der Dax ist nicht nur Maß für den Erfolg der deutschen Wirtschaft, sondern selbst eine Erfolgsgeschichte.

Börse
Quelle: dpa

Seit 30 Jahren hat das Auf und Ab an der Börse mit dem Deutschen Aktienindex (Dax) einen Namen. Anleger, die konsequent auf diesen Index gesetzt haben, können sich über 8,5 Prozent Gewinn pro Jahr freuen. Doch das Jubiläum kommt zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Finanzprofis richten sich auf ungemütliche Zeiten ein.

Handel auf Zuruf

Als vor 30 Jahren der Dax aus der Taufe gehoben wurde, war der Aktienhandel sehr viel lebhafter als heute. Kein Wunder: Computer gab es nicht. Aktien wurden auf Zuruf gehandelt. Das ist heute anders. Für den Handel mit Aktien genügt ein Knopfdruck. Das Gesamtgeschehen an den Finanzmärkten zeichnen aber immer noch die Börsenindizes nach.

Diese Idee, Aktien in einem Index zusammenzufassen, war auch vor 30 Jahren nicht neu. Schon im Jahr 1884 entwickelten die Gründer des Wall Street Journals, Charles Dow und Edward Jones, den Dow-Jones-Index für den amerikanischen Aktienmarkt. Eine Erfolgsgeschichte, die in Deutschland erst spät Nachahmer fand. Allerdings gab es viele andere Indizes, etwa den der Börsenzeitung oder den der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, außerdem die Indizes einzelner Banken.

Ein Wirrwarr an Indizes

Diese Vielfalt der Indizes hatte einen Nachteil: "Das war für die Zeitungen immer eine gewisse Überwindung, den Index, der von einer anderen Zeitung berechnet wurde, zu zitieren", sagt Franz-Josef Leven vom Deutschen Aktieninstitut. "Und da hat die deutsche Börse damals quasi ein Zeichen gesetzt und hat gesagt: Wir bauen für diesen Marktplatz einen Index, den alle akzeptieren und zitieren können."

Wie der Dow Jones, so zeichnet auch der Dax die Entwicklung 30 großer Unternehmen ab. Das ist aber auch schon die einzige Gemeinsamkeit. Bei der Dax-Berechnung werfen die Unternehmen unterschiedliche Gewichte in die Waagschale, je nach Größe und Anzahl der gehandelten Aktien. Das macht den Dax dynamischer als andere Indizes. "Der Dax ist ein Evergreen, er ist das Leitplankensystem der Börse", sagt Robert Halver, der bei der Baader Bank das Aktiengeschäft verantwortet. "Und er bleibt auch ewig jung, weil er regelmäßig angepasst wird."

Ständige Wechsel an der Spitze

Einmal im Jahr trifft sich der Arbeitskreis Indizes, um über die Dax-Mitglieder zu entscheiden. Handlungsspielraum gibt es dabei nicht. Über Auf- und Abstieg entscheiden ausschließlich harte Kriterien, also der Umsatz an der Börse und die Zahl der gehandelten Aktien (Marktkapitalisierung). Im Falle einer Fusion oder einer Konzernpleite kann auch ein schneller Ausschluss erfolgen. 

Und so galt der Deutsche Aktienindex mal als finanzlastig, weil er von Deutscher und Dresdner Bank, von der Commerzbank, der Bayerischen Hypotheken- und der Bayerischen Vereinsbank, von der Allianz und der Münchner Rück bevölkert wurde. Mal wurde dem Dax Technologielastigkeit vorgeworfen, weil sich neben Siemens der Chiphersteller Infineon und der Hersteller elektronischer Bauteile Epcos dort tummelten. Momentan gehören Immobilienunternehmen zu den Favoriten. Im Endeffekt spiegelte der Dax damit aber immer nur die Trends der Wirtschaft in Deutschland wider.

Langfristig immer im Plus

Am 1. Juli 1988 wurde der Dax offiziell aus der Taufe gehoben. Auf 1.000 Punkte wurde der Index rückwirkend zum 1. Januar 1988 zurückgerechnet. Den ersten Boom erlebte der Index mit der Wiedervereinigung. Es folgten steile Anstiege, die den Kurs zwischenzeitlich über 13.000 Punkte hievten. "Dazwischen lagen Asien- und Russlandkrise, die 'Technologie-Medien-Telekommunikations-Blase', der 11. September und die Pleite von Lehman Brothers im September 2008, welche den Ausbruch der US-Subprime-Krise und die darauf folgende Euro-Staatsschuldenkrise markierte", zählt Hansjörg Naumer auf, Kapitalmarkt-Stratege der Fondsgesellschaft Allianz Global Investors.

Trotz aller Wirrungen hat der Index im Schnitt jedes Jahr 8,5 Prozent Gewinn gemacht. Auch wenn der Blick in die Vergangenheit keine Garantie für die Zukunft ist, sehen Experten den Dax als ideales Anlageinstrument an. Dabei trübt sich die Stimmung an den Aktienmärkten derzeit ein. Handelskonflikte mit den USA und eine sich abschwächende Wirtschaft prägen das Bild. Für Oliver Roth von der Oddo Seydler Bank ist das kein grund zur Sorge. "Die Aktienmärkte haben bestimmte Rhythmen, drei bis fünf Jahre laufen sie, dann gehen sie drei Jahre runter", so Roth. "In der Phase, in der sie runtergehen, da muss man letztendlich einsteigen. Wenn man einen Sparplan über 20 Jahre hat, dann hat man mit Aktien ein wesentliches Instrument, um sich auch fürs Alter abzusichern", so der Anlage-Experte.

Der Dax: Erfolge und Abstürze

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