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Der Mann, der das "weiße Gold" schuf

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Johann Friedrich Böttger - Der Mann, der das "weiße Gold" schuf

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Zwei Schwerter, die jeder kennt. Der Schöpfer des Meißner Porzellans Johann Friedrich Böttger starb heute vor 300 Jahren. In der letzten Zeit hatte die Branche stark zu kämpfen.

Meißner Porzellan Logo Geschichte
Die zwei gekreuzten Schwerter sind das Logo des Meißner Porzellans.
Quelle: Matthias Rietschel, AP

Eigentlich war sein Ziel ein ganz anderes. Johann Friedrich Böttger wollte das, was alle Alchemisten seiner Zeit wollten: einen Weg finden, um aus wertlosen Materialien Gold herzustellen. Das gelang ihm nie. Stattdessen schuf er zusammen mit dem Forscher Walther von Tschirnhaus das Meißner Porzellan.

Böttger kam 1682 in Dresden zur Welt. Damals war Porzellan bereits seit mehreren Jahrhunderten in Europa bekannt. Marco Polo hatte es von seinen Reisen durch Asien im Jahr 1298 mitgebracht. Wie man Porzellan herstellt, wussten die Europäer allerdings nicht. Sie mussten es für viel Geld aus Asien importieren.

Gründung der Meißner Manufaktur 1710

Zusammen mit von Tschirnhaus fand Johann Friedrich Böttger schließlich 1708 heraus, wie das "weiße Gold" hergestellt wird. 1709 vermeldete Böttger ihren Erfolg dem sächsischen König, August der Starke. Der König gründete im darauffolgenden Jahr die erste europäische Porzellanmanufaktur in Meißen. Es folgten weitere Manufakturen in Wien, Venedig, Capodimonte und Nymphenburg. Seit 1722 trägt echtes Meißner Porzellan das berühmte Logo mit den beiden gekreuzten Schwertern. Sein Erfinder war damals bereits tot. Böttger starb drei Jahre zuvor in Dresden. Er wurde nur 37 Jahre alt.

Figuren aus Meißner Porzellan
Figuren aus Meißner Porzellan
Quelle: ZDF

Porzellan erfreute sich als Statussymbol langezeit großer Beliebtheit. Doch heutzutage steckt die Branche in einer Krise. Diese begann schon in den 1990er-Jahren. Billige Importe aus Asien machten den europäischen Herstellern Konkurrenz. Außerdem kämpfen die Porzellanhersteller damit, dass es immer weniger Haushaltswaren-Einzelgeschäfte und Fachhändler gibt. Als Folge gingen die Absätze stark zurück. Viele Arbeitsplätze wurden gestrichen. Der größte deutsche Porzellanhersteller Rosenthal musste 2009 Insolvenz anmelden. Im selben Jahr hatte die Meißner Manufaktur einen Kurswechsel angekündigt. Der damalige Geschäftsführer Christian Kurtzke wollte die Manufaktur zu einer Luxusmarke ausbauen, die auch Kleidung, Schmuck und Möbel herstellt. Die Strategie scheiterte. Seit mehreren Jahren schreibt die Manufaktur rote Zahlen. 2016 machte das Unternehmen einen Verlust von 17,4 Millionen Euro. Allerdings zeichnete sich 2017 eine Trendwende ab. In diesem Jahr hatte das Unternehmen einen deutlich geringeren Fehlbetrag von 5,2 Millionen Euro.

Fokus auf die Umwelt

Die neuen Geschäftsführer der Meißner Manufaktur, Georg Nussdorfer und Tillmann Blaschke, leiteten 2017 erneut eine Kehrtwende ein. Die Produktion soll sich wieder auf die Kernkompetenz konzentrieren: die Herstellung von Porzellan. Bis 2021 will das Unternehmen schwarze Zahlen schreiben. Ab diesem Zeitpunkt soll auch das Darlehen der Manufaktur an das Land Sachsen zurückgezahlt werden. Über 10 Jahre muss das Unternehmen 22 Millionen Euro aufbringen.

"Das Thema Nachhaltigkeit wird seit einigen Jahren immer wichtiger" erzählt Wilhelm Siemen, Direktor des staatlichen Porzellanmuseums "Porzellanikon". In der Keramikbranche wollen Hersteller in Zukunft auf das Thema Umweltschutz setzen. Es ist das Ziel, Porzellan unter anderem als Ersatz für To-Go-Becher oder Pappteller zu etablieren.

Neue Märkte und Probleme

Außerdem sollen auch neue internationale Märkte erschlossen werden. In Tawain und Japan wird Meißner Porzellan stark nachgefragt. "Meißner Porzellan ist eine Luxusware. Und als Luxusware kauft man es in diesen Ländern sehr gerne, weil die Identifikation der zwei Schwerter, das Verkörpern dieser Tradition, auch in den Produkten zur Geltung kommt", so Wilhelm Siemen. "Man kauft Meißen, weil man weiß: Das ist echte Tradition, das ist ein echtes europäisches Kulturerbe."

Eine große Herausforderung für die Keramikbranche ist der Brexit. Durch ihn könnten in Zukunft einige Märkte verloren gehen.

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