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40 Jahre "1, 2 oder 3" - "Vergesst mir die Kinderseele nicht"

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Ein Plopp und kein Stopp: "1, 2 oder 3" hat doppelt Grund zu feiern. Die Quizsendung für Kinder ging vor 40 Jahren im ZDF auf Sendung und feiert heute die 1.000. Folge mit einer  Jubiläums-Show. Michael Schanze war ihr erster Moderator. Dabei wollte er Lateinlehrer werden, erzählt er im heute.de-Interview.

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heute.de: Seit 40 Jahren gibt es "1, 2 oder 3". Sind Sie ein bisschen stolz, Teil dieser Fernseh-Erfolgsgeschichte zu sein?

Michael Schanze: Aber natürlich! Es war für mich eine ganz tolle Zeit. Ich hatte damals ja schon eine Karriere als TV-Entertainer, aber eigentlich wollte ich meinen Fernsehjob an den Nagel hängen und stattdessen Latein- und Sportlehrer werden. Tatsächlich war es nur ein paar Tage später, dass ich gefragt wurde, ob ich "1, 2 oder 3" machen möchte. Das war dann etwas ganz anderes als das, was ich vorher im Fernsehen gemacht hatte.

heute.de: "1, 2 oder 3" hat Sie also gewissermaßen vor einer Karriere als Lateinlehrer bewahrt?

Schanze: Oder es hat den Kindern mich als Lateinlehrer erspart. Ich glaube zwar, ich wäre ein ganz guter Lehrer gewesen, denke aber nicht, dass ich mein ganzes Leben lang die Geduld dafür gehabt hätte.

heute.de: Warum ist die Sendung zu einem solchen Dauerbrenner geworden? Gibt es ein Erfolgsrezept?

Schanze: Das ist schwer zu beantworten. Ich glaube, es hat der Kinderseele sehr entsprochen, dass man in dieser Sendung einfach erstmal lossausen durfte. Und das ist heute noch so. Außerdem haben wir immer wieder neue Sachen ausprobiert, die ein bisschen ausgefallener waren. Wir haben zum Beispiel einen kurzen Filmausschnitt gezeigt und so getan, als hätten wir eine Bildstörung. Die Kinder haben nur den Ton gehört und sollten dann raten, was in dem Ausschnitt zu sehen ist. Oder die Kinderkamera: Als ich mit der Idee kam, haben die Kollegen an den Kameras gesagt: Moment mal, da wird uns aber ganz schön am Zeug geflickt. Und die Bildmischerin wollte nur gute Bilder schneiden. Ich habe gesagt: Wenn das Kamerakind dran ist, dann drück‘ drauf, das ist doch gerade schön.

heute.de: Haben Sie sofort zugesagt, als Sie als Moderator angefragt wurden?

Schanze: Ich wurde zuerst gefragt, ob ich ein Quiz machen möchte. Ich habe gesagt, nein, ein Quiz nicht, das erinnert mich zu sehr an Schule. Wenn man in der Schule etwas gefragt wurde, musste man aufstehen und stand da, wie am Boden angenagelt. Wenn man die Antwort nicht wusste, war der Tag schon im Eimer. Das will ich nicht. Aber als ich dem Redakteur im selben Telefonat von der Sendung Runaround erzählen wollte, die ich im britischen Fernsehen gesehen hatte, fragte er mich, ob ich ihn veräppeln wollte. Das war nämlich genau die Sendung, die er mir anbieten wollte.

heute.de: "1, 2 oder 3" war die erste Sendung, die Kinder in diesem Umfang auf den Schirm gebracht hat. Gab es im Vorfeld auch Bedenken?

Schanze: Es wurde sogar aus ziemlich vielen Rohren geschossen, auch von großen Sendern. Die sagten, sie hätten doch ihre traditionellen und erfolgreichen Bemühungen, Wissen an die Kinder weiterzugeben. Aber es hat sich schnell herausgestellt, dass die Kombination spielend lernen, vor allem dass der Schanze im Zusammenspiel mit vielen Kindern, funktioniert.

heute.de: Was ist das Besondere daran, mit Kindern Fernsehen zu machen?

Schanze: Es gibt im Showgeschäft unter anderem die Grundregel: Die Pointe muss bei mir sein. Aber wenn man diese Eitelkeiten als Showkünstler nicht ablegt, sollte man nie mit Kindern arbeiten. Wenn Kinder etwas machen, dann ist das schon die Pointe, dann kann man nicht immer noch einen draufsetzen. Ich glaube, dass mir vom lieben Gott vielleicht etwas mitgegeben wurde - ob es die Körpersprache, oder die Stimme war, keine Ahnung. Jedenfalls haben die Kinder "ja" gesagt, während sie das bei anderen eben nicht getan haben. So oder so, war das alles für mich ein Riesen-Geschenk.

heute.de: Die Welt hat sich heute sehr verändert, "1, 2 oder 3" gibt es aber immer noch. Ist die Kombination aus Spaß und Lernen zeitlos?

Schanze: Das ist genau richtig – wenn du ohne Spaß versuchst, etwas in dein Hirn zu bekommen, ist es grausam. Allerdings möchte ich manchmal schon den Finger heben und sagen: Wir dürfen die Kinder bitte nicht benutzen, sondern müssen uns bemühen, das Beste in ihnen zum Klingen bringen. Man darf nicht vergessen, diese Kinder werden zuhause in ihrer Schule ausgesucht. Die Familien drehen manchmal förmlich durch, weil ihre Kinder im Fernsehen zu sehen sind. Wenn so ein kleines Mädchen, oder ein Junge dann bei einer Frage "versagt", ist das für die TV-Macher halt eine von was weiß ich 90.000 Fragen. Für das Kind bedeutet das aber sehr viel mehr. Es kommt nachhause, in seine Schule zurück, trägt womöglich die Schuld, dass die Klasse nicht Sieger wurde ...

Deshalb mein Appell: Vergesst mir die Kinderseele nicht. Es klingt etwas blöd von jemandem, der mal mit Kindern Fernsehen gemacht hat. Aber es ist mir wirklich sehr ernst damit. Wenn wir Kinder wie kleine Erwachsene behandeln, wenn wir von ihnen erwarten, dass sie wie Erwachsene zu funktionieren haben, werden wir ihnen nicht gerecht. Wir Großen, mit unseren Erfahrungen, sind nicht mehr himmelhoch jauchzend zu Tode betrübt, aber unsere Kleinen sind es noch, dürfen und sollen es sogar sein. Ein kleines Wort, wenn mal was in die Hose gegangen ist, fänd‘ ich schön. Wie gesagt: Vergesst die Kinderseele nicht.

Das Interview führte André Madaus.

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