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Gedenkstätte im Olympia-Park - Olympia 1972: Tod und Terror statt heitere Spiele

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Es sollten betont heitere Olympische Spiele in München werden. Deutschland wollte sich befreien von seiner Nazi-Vergangenheit, sein weltoffenes Gesicht zeigen. Doch dann überfielen Terroristen das Team Israels. Am 6. September - vor 45 Jahren - endete die Geiselnahme tödlich.

45 Jahre nach dem Terroranschlag bei den Olympischen Sommerspielen in München haben Bundespräsident Steinmeier und Israels Staatspräsident Rivlin – zusammen mit den Hinterbliebenen der Opfer – eine Gedenkstätte im Olympiapark eingeweiht.

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Vor allem die israelische Mannschaft wurde bei der Eröffnungsfeier besonders freundlich begrüßt, erinnert sich der ehemalige Münchener Oberbürgermeister Hans-Jochen Vogel, der die Spiele nach München geholt hatte: "Es war schon etwas, 27 Jahre nach Kriegsende israelische Sportler zu Gast zu haben. In einer Stadt, die während des NS-Gewaltregimes den Titel 'Hauptstadt der Bewegung' führte. Es war ein Fortschritt in unserer Geschichte, dass die Welt wieder in Deutschland, in München, zu Gast war."

Während der ersten zehn Tage zeigten die Sportler aus aller Welt herausragende Leistungen. Heide Rosendahl holte die erste deutsche Medaille, Publikumsliebling Olga Korbut aus der Sowjetunion überragte die Turnwettkämpfe, US-Schwimmer Mark Spitz sicherte sich bei sieben Starts unglaubliche sieben Goldmedaillen. Und niemand hätte gedacht, dass nach dem völlig unverhofften Sieg der damals 16-jährigen Ulrike Meyfahrt im Hochsprung am Abend des 4. September mit einem Schlag alle Leichtigkeit verloren sein würde.

Stunde Null für internationalen Terrorismus

In der Nacht zum 5. September drangen palästinensische Terroristen in das Quartier der isralischen Mannschaft im Olympiadorf ein und erschossen zwei ihrer Mitglieder. Sie forderten die Freilassung von mehr als 200 palästinensischen Geiseln aus israelischer Haft.

Ein Terrorakt mit einer ganz neuen Dimension, so die Einschätzung von ZDF-Terrorismusexperte Elmar Theveßen: "Dieses Attentat war eine Art Zeitenwende im Terrorismus, bei der es darum ging, regionale Ziele durch globales Agieren, durch internationale Terroranschläge zu erreichen."

Pannen bei überforderter Polizei

Über Stunden verhandelte ein eilig gebildeter Krisenstab unter dem damaligen Bundesinnenminister Hans-Dietrich Genscher mit den Terroristen. Ihnen gelingt es, die Ultimaten mehrfach hinauszuschieben. Doch es geschehen fatale Fehler: "Man hat keine Vorbereitungen getroffen für einen großangelegten Terroranschlag oder ein breit angelegtes Kidnapping - und das ist fahrlässig", erklärt Theveßen.

Darüber hinaus gibt es Kommunikationspannen: Eine Befreiungsaktion der Polizei wird live im Fernsehen übertragen, so dass die Terroristen sie mitverfolgen können. Auch in der Nacht am 30 Kilometer entfernten Militärflughafen in Fürstenfeldbruck, von wo aus die Terroristen mit ihren Geiseln nach Kairo ausgeflogen werden wollen, setzen sich die Pannen fort. Bei einem eineinhalbstündigen Schusswechsel zwischen Polizei und Terroristen kommen schließlich alle neun israelischen Geiseln, ein deutscher Polizist und fünf der acht Terroristen ums Leben.

"The games must go on"

Nach einer Trauerfeier und den berühmten Worten des damaligen IOC-Präsidenten Avery Brundage - "The games must go on" - wurden die Spiele fortgesetzt. Doch von da an war jegliche Heiterkeit verloren. Die israelische Mannschaft flog direkt nach der Trauerfeier geschlossen nach Israel zurück. Mit an Bord: die Särge ihrer getöteten Kameraden.

Für München und die Bundesrepublik Deutschland waren diese mit so großen Erwartungen versehenen Olympischen Spiele zum Desaster geworden. Allerdings: Die deutsch-israelischen Beziehungen haben unter dem Terroranschlag, so Vogel, nicht gelitten. "Dass - was man hätte befürchten können - ein neuer Riss in das sich langsam normalisierende Verhältnis zwischen Deutschland und Israel gekommen wäre, das ist Gott sei Dank nicht eingetroffen." Aber die Konsequenz der damaligen Bundesregierung war die Gründung der Grenzschutzgruppe GSG9, um bei etwaigen künftigen Terroranschlägen besser gerüstet zu sein als eben in München.

Ein neuer Erinnerungsort für die Opfer

Ab dem 6. September 2017, 45 Jahre nach dem Attentat von München, wird die Geschichte dieses Terroraktes im Olympia-Park neu aufgearbeitet. Mit einer öffentlich zugänglichen Erinnerungsstätte, die vor allem der insgesamt zwölf Opfer - elf israelischen Sportlern und einem deutschem Polizisten - gedenkt.

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