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5. Deutscher Startup Monitor - "Gründer wünschen sich mehr Europa"

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Die deutsche Startup-Szene internationalisiert sich weiter und fordert von der Politik den Abbau von Barrieren in Europa, sagt Florian Nöll, Vorsitzender des Startup-Verbandes im heute.de-Interview zur Lage der Branche. Der Verband stellt heute den 5. Deutschen Startup Monitor vor.

Mehr als 1000 start-up-Unternehmen sollen in einer ehemaligen Eisenbahnhalle in Paris künftig Unterschlupf finden. Paris bemüht sich massiv darum, junge Unternehmen anzuziehen.

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heute.de: Gemeinsam mit Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) stellen Sie heute den 5. Deutschen Startup Monitor vor. Fühlt sich die deutsche Startup-Szene auch außerhalb solcher Events von der Politik ausreichend unterstützt?

Florian Nöll: Zuletzt haben wir da ein positives Zwischenfazit gezogen, weil die Bundesregierung in der letzten Legislaturperiode etwas für die Finanzierung der Startups verbessert hat. Zum Beispiel, dass die Kreditanstalt für Wiederaufbau wieder in Wagniskapitalfonds investiert und damit auch die Gründung solcher Fonds stimuliert. Nach der "New Economy"-Krise war der deutsche Wagniskapitalmarkt völlig am Boden. Startups haben darunter gelitten. Die jetzigen Verbesserungen können aber nur ein erster Schritt sein auf dem Weg, genauso wettbewerbsfähig zu werden wie unsere Vorbilder etwa in den USA.

heute.de: Welche Ziele verfolgen Sie mit dem Deutschen Startup Monitor?

Nöll: Wir müssen das Phänomen Startup fassbar machen und verstehen, wie diese Schnellboote unter den Unternehmensgründungen funktionieren. Welche Geschäftsmodelle haben sie, wie finanzieren sie sich, welche besonderen Herausforderungen haben sie zu meistern? Die Antworten auf diese Fragen bieten Entscheidungsträgern in Politik und Verwaltung eine Orientierungshilfe, um Deutschland als Gründerstandort zu stärken.

heute.de: Was sind für Sie die überraschendsten DSM-Ergebnisse?

Nöll: Wir sehen, dass die Branche immer internationaler wird. In Berlin kommt inzwischen fast jeder zweite Startup-Mitarbeiter aus dem Ausland. Wir sehen daran, was für ein Erfolgsfaktor die Zuwanderung von Fachkräften ist. Insgesamt stimmen auch fast zwei Drittel der Startups zu, dass die deutsche Startup-Landschaft durch die Zuwanderung von Menschen profitiert. Hinzu kommt, dass sich die Startups auch geschäftlich stark internationalisieren wollen, vor allem mit Blick auf den europäischen Markt. Von der Politik wünschen sich die Gründer deshalb auch mehr Europa und den weiteren Abbau von Barrieren.

heute.de: Wie stark bewegt das Thema "Fachkräfterekrutierung" die Startup-Szene?

Nöll: Das ist ein großes Thema, und wie gesagt schauen die deutschen Startups inzwischen immer stärker im Ausland nach geeigneten Mitarbeitern. Es gibt einfach fast keine verfügbaren Kandidaten mehr in Deutschland und sicherlich auch zu wenige Hochschulabsolventen in besonders gefragten Bereichen wie der Software-Entwicklung, der Daten-Analyse und dem Online-Marketing. In dem Zusammenhang beklagen viele Startups aber auch die bürokratischen Hürden etwa bei der Visa-Vergabe.

heute.de: Sie haben selbst mal gesagt: "Verbände verbindet man eher mit der alten Welt." Weshalb ist so ein Startup-Verband dennoch sinnvoll?

Nöll: Wir haben lange darüber diskutiert: Dürfen wir als neue Welt einen alten Verband gründen. (lacht) Aber wir haben uns doch dafür entschieden, weil Startup-Gründer in der Regel sehr lange Arbeitstage haben, den Fokus komplett auf Gründung und Aufbau des eigenen Unternehmens. Die Leute haben in der verbliebenen wenigen Freizeit vielleicht nicht mehr den Nerv und die Energie, der Politik zu erklären, was sie brauchen. Das muss aber doch jemand tun. Seit fünf Jahren tun wir das deshalb.

heute.de: Sie haben selbst bereits mehrere Startups gegründet. Ihr persönlicher Tipp an Startup-Gründer: In welcher Branche gibt’s die größten Erfolgsaussichten?

Nöll: Aus meiner Sicht bietet die Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft in allen Bereichen Gründungspotenziale, insbesondere auch, wenn es darum geht, bestehende Industrie zu digitalisieren.

Das Interview führte Marcel Burkhardt.

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