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50 Jahre Asean - Südostasien: Viel Potenzial und viele Schwächen

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Zehn Länder, 625 Millionen Menschen, eine kontinuierlich wachsende Wirtschaft: Das Staatenbündnis Asean ist größer als die EU - und doch ganz anders strukturiert. Seit 50 Jahren ringen die südostasiatischen Länder um die Zukunft der Region - mit wechselndem Erfolg. 

Seit Jahren wird die muslimische Minderheit der Rohingya im buddhistischen Myanmar diskriminiert und vom Militär bekämpft. Vertrieben aus den Dörfern und Städten leben die Rohingyas nun in engen Flüchtlingslagern.

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Auch in diesem Jahr werden sich die Asean-Minister wieder an den Händen fassen, um so die Einigkeit Südostasiens für die Fotografen zu demonstrieren. Der EU reicht das nicht. Zum 50. Geburtstag des asiatischen Staatenbündnisses will Brüssel mehr: "Wir würden uns für die Zukunft eine breitere Kooperation mit Asean wünschen, die neben Wirtschaftsthemen auch Verteidigungs- und Sicherheitspolitik sowie Klimawandel und Energiefragen einbezieht“, sagt Francisco Fontan, EU-Botschafter bei Asean.

Wichtige Lage, riesiger Markt

Asean nämlich könnte ein wahrer Global Player sein: Mehr Einwohner als die EU, die Hälfte von ihnen ist unter 30 Jahren alt. Die Wirtschaft wächst jährlich um rund fünf Prozent. Asean ist der größte Produzent von Palmöl und Gummi weltweit, der am schnellsten wachsende Internetmarkt und die sechstgrößte Volkswirtschaft überhaupt. Ein Riesen-Markt in geostrategisch wichtiger Lage zwischen Pazifik und Indischem Ozean, China und Indien.

Doch die Integration gestalte sich "fürchterlich langsam", heißt es im Westen in diplomatischen Kreisen  hinter vorgehaltener Hand. Für ein schnelleres Zusammenwachsen fehlten der politische Wille sowie die Budgets. Und den Binnenmarkt, der angeblich 2015 eingeführt wurde, behinderten noch immer nationale Handelsbarrieren.

Muslime, Christen und Buddhisten

Denn Asean unterhält keine Strukturen wie die Europäische Union, sondern ist eine Vereinigung von zehn Ländern mit rund 630 Millionen Einwohnern, die unterschiedlicher kaum sein könnten: Das bevölkerungsreichste muslimische Land der Welt, Indonesien, gehört dazu, ebenso wie der winzige, aber wohlhabende Stadtstaat Singapur und das kommunistische Vietnam. In Thailand und Malaysia regieren offiziell Könige, in Brunei ein Sultan. Viele Länder, wie Kambodscha oder Myanmar, sind buddhistisch geprägt, die Philippinen katholisch. Das Bruttoinlandsprodukt von Indonesien ist rund 68 mal so hoch wie das von Laos.

All diese unterschiedlichen Länder müssen bei Asean einstimmig entscheiden. Daraus folgt politisch selten der große Wurf, häufig kommst es zur Einigung auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner. So vermag Asean kaum die Sicherheitsarchitektur in der Region in seinem Sinne zu gestalten und wirkt im Streit um Fische und Atolle im Südchinesischen Meer ebenso ohnmächtig wie im Kampf gegen den Terror auf den Philippinen.

Menschenrechte? Kein Thema

Auch Menschenrechtsverletzungen bleiben ungesühnt, da die Asean-Staaten sich nicht in die inneren Angelegenheiten anderer einmischen. "Die muslimischen Rohingya in Myanmar sind laut UN die am meisten unterdrückteste Minderheit der Welt. Dennoch findet Asean noch nicht einmal den Zusammenhalt, diese Situation auch nur zu kommentieren, geschweige denn zu ändern", klagt Frederick Kliem von der Konrad-Adenauer-Stiftung in Singapur. Kein Wunder, dass Kritiker spotten, die Kosten der jährlichen Zusammenkünfte seien höher als der Nutzen.

Das will Botschafter Karsten Warnecke, Exekutivdirektor der Asien-Europa-Stiftung (ASEF) in Singapur, so nicht stehen lassen: "Ich würde davor warnen, Asean gegenüber die Latte zu hoch zu hängen. Man sollte schauen, was vor 50 Jahren intendiert und was schon erreicht wurde."

Gegründet wurde Asean im Kalten Krieg, als der "Bambus-Vorhang" Asien durchzog -  ähnlich wie einst der Eiserne Vorhang Europa. Damals fanden sich Singapur, Indonesien, Malaysia, die Philippinen und Thailand zu einem antikommunistischen Bündnis zusammen. Erst als das rote Vietnam sowie weitere Länder hinzukamen, bemühte sich Asean um konstruktive Beziehungen auch mit China. Es folgten stabile Jahre.

Botschafter: Asean solider Partner

Heute verändern das erstarkende China und der Rückzug der USA wieder die Machtbalance in der Region. "Wenn man sich die globale Situation anschaut, dann ist es gut, wenn man in der Region einen relativ soliden Partner hat", sagt Botschafter Warnecke.

Zum 50. Geburtstag erhoffen sich viele, in Südostasien wie auch im Westen, dass von den Asean-Gipfeln in Zukunft mehr bleibt als Fotos von Staatschefs, die sich an den Händen halten.

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