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50 Jahre Geldautomat - Ein Abgesang zum Geburtstag

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Für Bankkunden nicht wegzudenken: der Geldautomat an jeder Straßenecke. Vor 50 Jahren trat er seinen Siegeszug an. Aber es werden weniger, Experten sagen gar sein Sterben voraus.

Geldautomat
Quelle: dpa

Wer in den Anfangsjahren des Bankautomaten Geld abheben wollte, brauchte einen Doppelbartschlüssel für den Tresor, eine Identifikationskarte aus Plastik, einen Scheck, Lochkarten als Auszahlungsbeleg und vermutlich jede Menge Geduld. Vor 50 Jahren, am 27. Mai 1968, stellte die Kreissparkasse Tübingen den ersten Geldautomaten in Deutschland auf. Das Gerät sollte das Bankwesen revolutionieren.

Eine Lochkarte und ein Schlüssel
Diese Lochkarte brauchte man anfangs, um Geld abzuheben.
Quelle: dpa

Anfangs sah es allerdings nicht danach aus. Die ersten Automaten durften nur ausgewählte Kunden benutzen und das auch nur während der Öffnungszeiten der Bank. Den Durchbruch brachten die EC-Karte, die vierstellige Pin-Nummer und natürlich der Siegeszug des Computers. Eine Schlüsselrolle übernahm damals der in Paderborn ansässige Nixdorf-Konzern (heute Diebold-Nixdorf), der unter anderem Geräte entwickelte, die im Außenbereich die Kunden mit Bargeld versorgten.

Das große Automatensterben

Heutzutage sind Selbstbedienungs-Terminals aus Bankfilialen nicht mehr wegzudenken. Bankkunden heben Geld nicht nur ab, sie zahlen auch ein, drucken ihre Kontoauszüge aus und tätigen Überweisungen. Dennoch hat die Zahl der Bankautomaten in den letzten Jahren abgenommen: Im Jahr 2015 gab es etwa 61.000 Geräte in Deutschland, aktuell sind es laut der Deutschen Kreditwirtschaft noch 54.000. Was ist geschehen? Jedenfalls haben die Deutschen nicht den Filialmitarbeiter wieder für sich entdeckt. Auch die Zahl der Bankfilialen ist seit der Jahrtausendwende um ein Viertel geschrumpft.

"Der Rückgang der Automatenzahl zeigt, dass der Zahlungsverkehr jetzt, 50 Jahre später, tatsächlich von Innovationen fundamental verändert wird", sagt Hartmut Giesen, der für Fintech-Technologie bei der Hamburger Sutor Baunlichank zuständig ist. Fintechs sind kleine Finanzunternehmen, die Bankdienstleistungen anbieten, ohne selbst eine Bank zu sein.

Der Kunde bestimmt, was läuft

Noch fristen Fintechs ein Nischendasein. Doch auch so wendet sich der Verbraucher von seiner Bankfiliale ab. Ein Großteil der Deutschen erledigt Bankgeschäfte mittlerweile im Internet. Wenn es darum geht, online Rechnungen zu begleichen und dabei Dienste wie Paypal in Anspruch zu nehmen, stehen die Deutschen mit einer Quote von 80 Prozent sogar auf einer europäischen Spitzenposition. Erstaunlich an dieser Entwicklung ist vor allem, dass sich der Wandel nicht auf die junge Generation beschränkt. Drei Viertel aller Menschen in Deutschland im Alter zwischen 50 und  75 Jahren gehen ins Internet, um Bankgeschäfte zu erledigen. "Online-Banking erleichtert ihren Alltag sehr", konstatiert das Schweizer Digitalisierungsunternehmen ti&m, das die entsprechende Studie in Auftrag gegeben hatte.

Bargeld auf dem Rückzug

Durch die Digitalisierung bekommen klassische Bankfilialen immer mehr Konkurrenz. Da die Deutschen ihr Bargeld lieben, sind es aber nicht die kleinen Fintechs, die die Entwicklung vorantreiben, sondern es ist vielmehr der Onlinehandel. Wer bei Amazon, Zalando und Co. bestellt, muss auch auf elektronischem Wege zahlen. "Außerdem gibt es die Möglichkeit, sich an der Supermarktkasse mit Geld zu versorgen", sagt Hartmut Giesen. Das alles mache Geldautomaten zunehmend überflüssig. Giesen geht davon aus, dass diese über kurz oder lang das Schicksal der Telefonzelle teilen könnten, die ja fast komplett aus dem Stadtbild verschwunden sind.

Gerade die jüngere Generation geht relativ ungezwungen mit neuen Angeboten um. Geldgeschäfte mit dem Smartphone zu erledigen, dürfte deshalb bald selbstverständlich sein. Neue Technologien wie Blockchain, die hinter den meisten Kryptowährungen steht, oder das "Internet der Dinge" sorgen zudem dafür, dass Geldströme komplett automatisiert werden.

Banken müssen sich anstrengen

Überflüssig werden Banken dennoch nicht werden, sagt Hartmut Giesen: "Bei Zahlungsprozessen spielt Vertrauen eine wesentliche Rolle." Banken könnten von ihrer Marke und Bekanntheit profitieren, müssten ihre Angebote aber anpassen. "Böse Zungen sagen ja, der Geldautomat sei die letzte große Innovation der Finanzindustrie gewesen", so Giesen.

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