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50 Jahre Herztransplantation - "Nur eine primitive Pumpe"

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Heute vor 50 Jahren - am 3. Dezember 1967 - transplantierte der Herzchirurg Christiaan Barnard erstmals erfolgreich ein menschliches Herz. Inzwischen ist das Verfahren etabliert.

Archiv: v.l.n.r.: Herzchirurg Dr. Christiaan Barnard, Dr. Michael Debakey, Dr. Adrian Kantrowitz, aufgenommen am 24.12.1967 in Washington (USA)
Herzchirurg Christiaan Barnard, Dr. Michael Debakey und Dr. Adrian Kantrowitz (v.l.n.r.) nach der ersten Herztransplantation 1967. Quelle: ap

Es ist zwei Minuten vor sechs Uhr am Morgen, als Christiaan Barnard die Transplantation für beendet erklärt. Im Operationssaal A des Groote Schuur Hospitals im südafrikanischen Kapstadt hat ein 31-köpfiges Team unter seiner Leitung fünf Stunden lang Hand in Hand gearbeitet, um dem 54 Jahre alten Louis Washkansky das Herz der am Vorabend tödlich verunglückten 25-jährigen Denise Darvall einzupflanzen. Die Operation glückt, 18 Tage lang schlägt das Herz der jungen Frau in Washkanskys Körper. Dann stößt er das fremde Organ ab, Washkansky stirbt. Doch Christian Barnaard erlangt Weltruhm und hat mit dem riskanten Eingriff den Grundstein für ein Verfahren gelegt, das das Leben vieler schwer kranker Menschen verlängert hat. Berühmt geworden ist sein Satz "Das Herz ist doch nur eine primitive Pumpe".

Eine Herausforderung selbst für erfahrene Operateure

Auch wenn heute mehrere hundert Herzen pro Jahr in Deutschland transplantiert werden: Einen Routineeingriff würde Friedhelm Beyersdorf das nicht nennen. "Besser gesagt: nicht mehr", sagt der Ärztliche Direktor der Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie des Universitäts-Herzzentrums Freiburg - Bad Krozingen. Zwar wissen die Ärzte besser als je zuvor, wie das Herz in den neuen Körper eingebaut werden muss, damit es dort seine Arbeit aufnehmen kann. Doch die Patienten, die heutzutage ein Herz transplantiert bekommen, sind meist schon schwer krank und oft voroperiert worden. Sie haben Bypässe, Shunts oder ein Kunstherz und stehen als hochdringlich (High Urgency, HU) auf der Warteliste für ein Spenderorgan.

"Das kranke Herz aus diesen verwachsenen Strukturen zu befreien und dabei nichts zu beschädigen, ist selbst für erfahrene Operateure eine Herausforderung", sagt Beyersdorf. In 95 Prozent aller Herztransplantationen liegt der Empfänger bereits Monate vor der lebensrettenden Spende im Krankenhaus und ist entsprechend körperlich schwach. Nur wenige sind so fit, dass sie zu Hause ein halbwegs normales Leben führen und auf den erlösenden Anruf warten können, der ihnen mitteilt, dass ein passendes Spenderorgan gefunden worden ist.

Schuld an dieser Entwicklung ist auch der Organmangel in Deutschland. Vor zehn Jahren noch lag die Zahl der Herztransplantationen in Deutschland knapp über 400, vergangenes Jahr erhielten 297 Herzkranke ein neues Organ. "Dieses Jahr werden es nochmal weniger sein", sagt Beyersdorf. Die wenigen Herzen, die es zu verteilen gibt, gehen an die dringlichsten Fälle. Den einzigen Ausweg aus dieser Misere bietet das Kunstherz. Die heutigen Modelle sind sehr viel leistungsfähiger als vor 20 Jahren. "Die Achillessehne der Kunstherzen ist die Energieversorgung", sagt Beyersdorf. Bisher gibt es keine Batterie, die so viel Energie speichern kann, wie sie ein sogenanntes Herzunterstützungssystem braucht, um die Arbeit eines echten Herzens leisten zu können. Daher verläuft bei Kunstherzträgern immer ein Kabel aus dem Bauch, an das die Energiequelle angeschlossen wird. Das birgt ein hohes Risiko für Entzündungen.      

Eine Durchblutungsmaschine erleichtert den Organtransport

Damit eine Herztransplantation gelingt, muss das Spenderorgan so schnell wie möglich entnommen und wieder eingesetzt werden. Maximal drei Stunden dürfen vom Stopp der Durchblutung im Körper des Spenders bis zum Anschluss an die Durchblutung im Körper des Empfängers vergehen. "Jede Stunde, die das länger dauert, steigt die Sterblichkeit um zehn Prozent", sagt Beyersdorf. Das bedeutet enormen Stress für die Operateure und auch das Team, das das Spenderorgan transportiert. Doch hier ist Entspannung in Sicht: Wissenschaftler und Medizintechniker haben ein Organ Care System (OCS) entwickelt, eine Art kleine transportable Intensivstation, in der das Herz mit Hilfe einer Pumpe durchblutet werden kann. Erste Kliniken weltweit arbeiten bereits damit, das Universitäts-Herzzentrum Freiburg - Bad Krozingen gehört dazu. "Das OSC nimmt uns diesen wahnsinnigen Zeitdruck, wir können in Ruhe operieren", sagt Beyersdorf.

Gelingt die Herztransplantation, hat der Patient eine Chance von 90 Prozent, das erste Jahr mit dem neuen Organ zu überleben. Zehn Jahre nach der Transplantation leben noch 50 bis 60 Prozent der Empfänger, 20 Jahre danach sind es noch 20 Prozent.

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