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50 Jahre Monty Python - "Hier kommt die Volksfront von Judäa!"

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Ein toter Bischof auf der Veranda, ein Abendmahl mit Kängurus und Mariachi-Band oder das Leben Jesu: Heute vor 50 Jahren lief Monty Python zum ersten Mal im Fernsehen.

Archiv: John Cleese in der Comedy-Show: Monty Python's Flying Circus
John Cleese im "Flying Circus": Vor 50 Jahren starteten Monty Python in der BBC.
Quelle: picture alliance/Mary Evans Picture Library

Sowas hatte man selbst in England noch nicht gesehen, der ewigen Heimstatt des Skurrilen: ein Besuch im Ministerium für alberne Gangarten; Marx, Mao und Lenin beim Fußballquiz; gefährliche Horden von Linksabbiegen-Schildern und britische Rekruten, die mit frischem Obst angegriffen werden. Die Albernheit, mit der Monty Python zu Werke gingen, stand ihrer Angriffslust auf das bildungsbürgerliche Kulturerbe in nichts nach. Verhohnepiepeln um jeden Preis war das Motto, als die TV-Show "Monty Python's Flying Circus" vor 50 Jahren, am 5. Oktober 1969, in der BBC an den Start ging.

Den Pythons war nichts heilig, im Gegenteil

Archiv: Szene aus "Die Ritter der Kokosnuss"
Der erste Monty-Python-Kinofilm: "Die Ritter der Kokosnuss" von 1975.
Quelle: picture alliance/Mary Evans Picture Library

Intellektuell waren die sechs Mitglieder der Nonsens-Truppe denkbar gut gewappnet: Drei von ihnen studierten in Cambridge, zwei in Oxford. Bereichert wurden sie von einem US-Amerikaner mit irrer Begabung, Terry Gilliam. Ihr Bildersturm galt allem, was den Menschen damals wichtig war: Seriosität in jeder Form; Polizei und Armee - die hier als Witzfiguren höchstens noch dazu dienten, allzu bizarre Sketche kurzerhand zu verbieten und abzubrechen; aber auch linken Ikonen wie Che Guevara oder Friedrich Engels.

Ein Lieblingsobjekt des Spotts - neben den Deutschen natürlich - war die Kirche. Sei es die papistische in ihrer irisch-armen oder römisch-reichen Spielart oder der eher prüde Tasse-Tee-Staatsanglikanismus. Verhütung, religiöse Kunst oder Sektierertum, die plötzlich in die Szene knallende Spanische Inquisition oder schon wieder ein toter Bischof auf der Veranda: Den Pythons war nichts heilig, im Gegenteil.

"Leben des Brian" wurde zur Pflicht für liberale Theologiestudenten

Archiv: Szene aus "Das Leben des Brian"
"Das Leben des Brian" nahm Jesus aufs Korn.
Quelle: picture alliance/Mary Evans Picture Library

Hatte schon der erste eigenständige Kinofilm "Ritter der Kokosnuss" (1975) die fromme Suche nach dem Heiligen Gral gnadenlos durch den Kakao respektive den Schlamm des frühen Mittelalters gezogen, ritten die Pythons vier Jahre später eine noch viel verwegenere Attacke.

"Das Leben des Brian" (1979) nahm das Leben Jesu Christi aufs Korn - indem Jesus einfach durch einen hilflosen Tropf namens Brian von Nazareth und Maria durch eine brachiale Matrone ersetzt wurden, die unversehens in eine Verschwörung der "Volksfront von Judäa" gegen die römischen Besatzer gerieten.

Während manche Kirchenobere und konservative Christen vor Zorn bebten, wurde der Film schnell zum Pflichtprogramm liberaler Theologiestudenten. Bis heute sind viele der Zitate sprichwörtlich: "Gesegnet seien die Skifahrer", "Der Pursche ist ein Widerporst" oder "jeder nur ein Kreuz".

Heute gehen die Mitglieder ihren Solo-Projekten nach

Archiv: John Cleese und Terry Jones in "Der Sinn des Lebens"
Der letzte Kinofilm: John Cleese und Terry Jones in "Der Sinn des Lebens"
Quelle: picture alliance/Mary Evans Picture Library

Nachdem die Truppe 1983 in einem letzten Kinofilm gewohnt anarchisch dem "Sinn des Lebens" nachgespürt hatte, gingen die Mitglieder endgültig ihrer Wege. Der multilaterale Genius hatte sich verbraucht, die Kauzigkeiten und Probleme der einzelnen Protagonisten die Oberhand gewonnen. Mit unterschiedlichem Erfolg verfolgten sie nun ihre Solo-Projekte. Michael Palin schaffte es als BBC-Dokumentarfilmer tatsächlich noch zum Ritter Ihrer Majestät und zum Präsidenten der Royal Geographical Society.

Immer wieder gab es gemeinsame Filmprojekte mehrerer Pythons - so etwa 1985 "Brazil" mit Gilliam und Palin oder 1988 "Ein Fisch namens Wanda" mit John Cleese und Palin. Doch zur Reunion kam es erst im Juli 2014 mit der Bühnenshow "Monty Python Live (mostly)" samt klassischen Sketchen und Einspielern. Die Karten für die zehn Abende in der Londoner O2-Arena waren binnen Minuten ausverkauft.

Graham Chapman starb bereits vor 30 Jahren

Einer fehlte damals schon geraume Zeit. Graham Chapman, der vielleicht beste Schauspieler der Truppe, starb vor 30 Jahren an Krebs; am 4. Oktober 1989, dem Vorabend des 20. Geburtstags der Pythons. Typisch die Reaktion bei der Grabrede für den "Brian" und den "König Artus" der Kinofilme. Statt hehrer Worte bezeichnete Cleese den Verstorbenen als "party pooper" (Spielverderber).

In Abwandlung des berühmten "Toter Papagei"-Sketches stellte er lakonisch fest: "Er ist nicht mehr, ruht in Frieden, gab den Löffel ab, ging über den Jordan, biss ins Gras, nahm seinen letzten Atemzug. Er ging, um den Hauptabteilungsleiter für leichte Unterhaltung im Himmel zu treffen. Er ist ein Ex-Chapman." Ganz sicher: Der Tote selbst hätte seinen Spaß an der Szene gehabt.

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