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50. Todestag des Malers - Magritte schuf "Träume, die aufwecken wollen"

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Vor einem halben Jahrhundert verstarb die Surrealismus-Ikone René Magritte. Der Belgier liebte es, die Wirklichkeit mit dem Traum zu vermischen. Doch seine Träume sollten nicht einschläfern, sondern aufwecken.

Stephan Kurt Müller ist Künstler. Seit seiner Geburt verfügt er über eine Sehfähigkeit von 0,02 Prozent. Seine Skulpturen regen Menschen an, die Welt aus einer neuen Perspektive zu erleben.

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Fast jeder kennt es: das Bild der großen braunen Pfeife mit dem elegant geschwungenen Holm, unter der geschrieben steht: "Dies ist keine Pfeife." Es ist eines der berühmtesten Bilder des Surrealisten Rene Magritte (1898-1967) aus Belgien. Heute hängt es im Los Angeles County Museum of Art. Magritte wollte mit dem Bild verdeutlichen, dass es sich nicht um das wirkliche Objekt der Pfeife handelt und dass auch das Wort nur eine Bezeichnung für das Objekt ist. Zwischen 1928 und 1966 entstanden zahlreiche Bilder mit diesem Thema.

Mit Werbeplakaten fing alles an

Geboren wurde der Maler 1898 als Sohn eines Schneiders und einer Hutmacherin in der wallonischen Provinz Hennegau. Mit zwölf Jahren beginnt Magritte zu malen und zu zeichnen. Sechs Jahre später fängt er an der königlichen Kunstakademie in Brüssel an. Dort beschäftigt er sich mit dem Kubismus und dem Futurismus. In den 1920er Jahren heiratet er seine Frau Georgette Berger und arbeitet zunächst als Zeichner von Werbeplakaten.

Zu dieser Zeit trifft Magritte auch Edouard Leon Theodore Mesens, einen belgischen Kunsthändler. Er führt den jungen Künstler in die dadaistische Bewegung ein. Magritte beginnt seinen eigenen Stil zu entwickeln und wird 1926 Mitglied der Gesellschaft des Mysteriums, einer Gruppe von belgischen Surrealisten. Ein Jahr später findet seine erste Ausstellung in Brüssel statt.

Mit herkömmlichen Denkgewohnheiten brechen

Anschließend zieht er mit seiner Frau nach Paris. Dort entstehen die ersten Bilder mit Wörtern oder Sätzen wie etwa "Dies ist keine Pfeife". Er sagte dazu, dass ein Bild nicht zu verwechseln sei mit einer Sache, die man berühren könne. "Können Sie meine Pfeife stopfen? Natürlich nicht! Sie ist nur eine Darstellung. Hätte ich auf mein Bild geschrieben, dies ist eine Pfeife, so hätte ich gelogen. Das Abbild einer Marmeladenschnitte ist ganz gewiss nichts Essbares", so Magritte.

In Paris schließt sich Magritte dem Künstlerkreis um Andre Breton an, einem der wichtigsten Theoretiker des Surrealismus. Breton beschreibt Surrealismus als "Kuckucksei, das unter Mitwissen von René Magritte ins Nest gelegt wird". Ziel der Surrealisten war es, mit herkömmlichen Erfahrungs-, Denk- und Sehgewohnheiten zu brechen und die Wirklichkeit mit dem Traum zu verbinden.

Durchbruch in Brüssel

Magritte nutzte dazu naturalistische Darstellungen von Gegenständen, die er in einen ungewöhnlichen Zusammenhang stellte - wie etwa Wolken in einem Auge oder einen nackten Frauenkörper als Gesicht. Im Laufe seines Lebens perfektionierte er diese Kombination. Dafür malte er immer wieder ähnliche Objekte wie einen Apfel, die Pfeife, eine Taube oder den blauen Himmel mit weißen Wolken.

In Paris freundete sich Margritte mit den Künstlern Max Ernst, Paul Eluard, Joan Miro, Hans Arp und Salvador Dalí an. 1930 kehrte er mit seiner Frau nach Brüssel zurück. Dann kommt sein Durchbruch. Zum ersten Mal stellt er im Palast der Schönen Künste in Brüssel aus. Danach nimmt er an zahlreichen anderen Ausstellungen teil, unter anderem in New York, Paris und Italien. Magritte blieb zeitlebens ein einfacher Mann ohne Attitüden. Er hatte kein eigenes Atelier, sondern malte in seinem Haus. Einer seiner liebgewonnenen Begleiter war sein Hund.

Guggenheim-Preis 1956

Nach 1950 entstehen die bekanntesten Werke von Magritte wie "Die Herrschaft des Lichts", das ein Haus im Dunkeln und einen blauen Himmel zeigt oder der "Himmelsvogel". 1954 findet eine große Retrospektive in Brüssel statt mit seinen letzten Werken, unter anderem Golconda - das einen aufrechtstehenden Mann im schwarzen Mantel in vielfacher Ausführung im Himmel vor einer Häuserwand zeigt.

1956 wird Magritte mit dem Guggenheim-Preis ausgezeichnet. Drei Jahre später nimmt er an der documenta II in Kassel teil. 1965 zeigt das Museum of Mondern Art (MoMA) in New York eine Retroperspektive von Magritte. Zwei Jahre später stirbt er in Brüssel im Alter von 69 Jahren.

Magritte wollte die Wirklichkeit verdeutlichen. Er sah sich nicht als Künstler, sondern als denkender Mensch, der seine Gedanken durch die Malerei vermittele. Das Wort "Traum" ist laut Magritte im Hinblick auf seine Malerei oft missverständlich gebraucht worden. "Meine Werke gehören nicht der Traumwelt an, im Gegenteil", so Magritte. Wenn es sich in diesem Zusammenhang um Träume handele, seien diese sehr verschieden von jenen, die man im Schlaf habe. Es seien eher selbstgewollte Träume, in denen nichts so vage sei wie die Gefühle, die man habe, wenn man sich in den Schlaf flüchte. "Träume, die nicht einschläfern, sondern aufwecken wollen", so der Künstler.

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