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500 Jahre Reformation - Feiern, Drängeln und Protest am Ursprungsort

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Von Wittenberg aus veränderte Martin Luther vor 500 Jahren die Welt. Dort, wo er mutig seine 95 Thesen an die Kirche schlug, feiern Menschen aus aller Welt. Es gibt auch Unmut.

500. Reformationsjubiläum: Zehntausende Besucher aus aller Welt sind zu den Feierlichkeiten angereist.

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Himmel und Menschen in Wittenberg, dem Ursprungsort der Reformation: Es herrscht höchste Sicherheitsstufe in der Lutherstadt. Zehntausende Besucher aus der ganzen Welt wollen am Dienstag hautnah dabei sein, als sich der überlieferte Thesenanschlag des Theologen Martin Luther (1483-1546) an die Tür der Schlosskirche auf den Tag genau zum 500. Mal jährt.

Rund 1000 Polizisten sichern die Feierlichkeiten ab, Hubschrauber kreisen über der Stadt mit rund 50.000 Einwohnern. Mit festlichen Gottesdiensten, Kultur und Mittelaltermarkt wird der Abschluss des Festjahres "500 Jahre Reformation 2017" gefeiert. "Das erlebt man aber nicht noch einmal", sagt eine Besucherin aus Berlin, die sich an dem - einmalig bundesweiten - Feiertag auf den Weg in die Kleinstadt gemacht hat. "Und wegen der Prominenten, die man sonst nur aus dem Fernsehen kennt", pflichtet ihr ein älterer Mann bei. Eine Gruppe junger Leute kam sogar zu Fuß aus dem fernen Minden an den Ursprungsort der Reformation.

Hohe Sicherheitsvorkehrungen

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Bundespräsident Wolfgang Schäuble, Bundesinnenminister Thomas de Maiziére (CDU), Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) und internationale Gäste nehmen am Festgottesdienst in der Schlosskirche und später am Festakt teil. Auf Abstand vom Volk, das sich hinter den Absperrgittern drängt, winken Steinmeier und Merkel den Menschen vor der Thesentür den Menschen zu. Neben Beifall für die Kanzlerin gibt es Sprechchöre mit "Merkel muss weg" und Buh-Rufe, übertönt vom Geläut der Kirchenglocken. Für Unmut und Drängeleien sorgen indes bei Hunderten Schaulustigen vor allem Absperrgitter und weiträumige Umleitungen - trotz des Verständnisses für die Sicherheitsvorkehrungen angesichts der Festnahme eines Terrorverdächtigen am selben Tag in Schwerin.

In der Schlosskirche bekennt der Schauspieler und Luther-Darsteller Devid Striesow zu Beginn des Festgottesdienstes: "Ich konnte den rechten Gott einfach nicht lieben, der straft die Sünder. Gott lieben? Nein, ich hasste ihn. Ich hasste ihn wirklich." Nachdem der Reformator Luther aus Sicht von Kritikern die Kirche gespalten hatte, setzten Kirchenvertreter 2017 Zeichen der Ökumene. Heinrich Bedford-Strohm als Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) betont, man habe die Reformation nicht als Abgrenzung gefeiert, sondern im Zeichen der Versöhnung. Die Reformation sei ein "Akt der Befreiung" für Luther selbst, die Kirche und die Welt gewesen.

Ein Jahr lang hat Deutschland Luther und seine Bedeutung für die Kirche, das eigene Land und die Welt gefeiert. Stimmen und Stimmungen an der Kirchenbasis.

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Aufruf zu mehr Solidarität

"Wir haben nicht gegeneinander gefeiert, sondern miteinander", betont auch die Luther-Botschafterin der EKD für das Reformationsjubiläum, Margot Käßmann. Gemeinsam mit dem obersten deutschen Katholiken Reinhard Marx übergibt Bedford-Strohm im Festgottesdienst ein Kreuz an Bundespräsident Steinmeier. Es sei das Versprechen, sich als Christen einzubringen in die Gesellschaft und mitzuhelfen, dass Friede, Versöhnung und Gerechtigkeit da seien, sagt Marx.

Am anderen Ende der Stadt, wo Luther Jahrzehnte gewohnt und als Universitätsprofessor gelehrt hat, gibt es bei nasskaltem Wetter unter freiem Himmel "den Gottesdienst für die richtigen Christen", wie Pfarrerin Kathrin Oxen unter dem Beifall Hunderter Besucher sagt. Der Theologe und Friedenspreisträger Friedrich Schorlemmer sagt: "Luther wollte die Macht der Argumente und nicht die Argumente der Macht." Der Ex-DDR-Bürgerrechtler ruft die Menschen dazu auf, mehr füreinander einzustehen und keine faulen Kompromisse einzugehen.

Einmalig bundesweiter Feiertag

Bund, Land und Kirche hatten für das Reformationsjubiläum, das zehn Jahre vorbereitet wurde, Millionenbeträge ausgegeben, für die Sanierung der Lutherstätten und -städte, Ausstellungen. Auf der Wartburg in Eisenach widmete sich die Ausstellung "Luther und die Deutschen" anhand von 300 Exponaten der bis heute spannungsgeladenen Auseinandersetzungen mit dem Mönch, Reformator und Kirchenspalter, dem Sprachschöpfer, Judenfeind und Nationalhelden Luther. Auf der Wartburg übersetzte er 1521/22 das Neue Testament ins Deutsche.

Dennoch: Ostdeutschland und Wittenberg gelten heute als die Regionen mit den wenigsten Kirchenmitgliedern in Deutschland. Einmalig ist der Reformationstag im Jubiläumsjahr bundesweit ein Feiertag. In Wittenberg nutzen ihn viele Menschen auch zum Shoppen. Manch einer nimmt sich seinen Reformator mit nach Hause - in Form von Bier mit Luther-Etikett, Socken mit Luther-Konterfei oder Luther-Figuren aus Plastik.

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