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Huawei aussperren? Warum das teuer würde

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Umstrittener Telekom-Ausrüster - Huawei aussperren? Warum das teuer würde

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Huawei ist umstritten. Die USA wollen, dass Deutschland das chinesische Unternehmen beim Aufbau des 5G-Netzes ausschließt. Doch das wäre teuer - und zeitlich schwer zu machen.

Das Logo des chinesischen Smartphone-Herstellers Huawei
Huawei spielt eine wichtige Rolle beim Aufbau von 5G-Netzen in Deutschland.
Quelle: dpa

Huawei ist erfindungsreich. Wie sehr, das lässt sich aus der jüngsten Statistik des Europäischen Patentamts in München ablesen: Knapp hinter Siemens ist der chinesische Konzern das Unternehmen mit den meisten Patent-Anmeldungen im vergangenen Jahr.

USA werfen Huawei Spionage vor

Gerade bei 5G ist Huawei einer der Technologietreiber.
Jürgen Grützner, VATM-Geschäftsführer

Unbestritten aber spielt das chinesische Unternehmen eine entscheidende Rolle beim Aufbau und der Wartung moderner Datennetze. "Gerade bei 5G ist Huawei einer der Technologietreiber", sagt Jürgen Grützner. Er ist Geschäftsführer des Verbandes der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten (VATM). Gerade auf diese Firma beim Aufbau der 5. Generation des Datennetzes zu verzichten, hält Grützner deswegen für keine gute Idee. "Man sollte vielleicht lieber mal darauf schauen, dass man alle Sicherheitsrisiken möglichst weit in den Griff bekommt".

Hintergrund der Diskussion um Huawei ist der Vorwurf der USA, die Regierung in Peking nutze den Konzern, um durch Hintertüren in dessen Technik Spionage oder Wirtschaftsspionage zu betreiben. Die US-Regierung hatte am Montag der Bundesregierung mit eingeschränkter Geheimdienst-Zusammenarbeit gedroht, sollte sie Huawei nicht ausschließen.

Ohne Huawei würde 5G teurer

Die deutsche Wirtschaft und Verbände wie VATM fürchten sich vor einem Verbot, denn das könnte teuer und kompliziert werden. Die Deutsche Telekom beispielsweise müsste dann auf die leistungsfähige und preiswerte Huawei-Technik aus China beim Ausbau von 5G verzichten - das würde die Kosten des Konzerns in die Höhe treiben. Auch Autohersteller und andere Unternehmen nutzen Huawei-Technologie. Aus der Bundesnetzagentur schließlich heißt es, dass es nicht ohne weiteres möglich sei, auf Huawei zu verzichten. Auch Innenminister Horst Seehofer wandte sich gegen einen Ausschluss - in Sicherheitsfragen müsse es eine "technologische Antwort" geben.

Huawei gehört zu den weltweit führenden Telekom-Ausrüstern im Bereich moderner Datennetze und vor allem beim Aufbau von 5G-Mobilfunknetzen. "Für einige Komponenten könnte man relativ zügig Ersatz schaffen, für andere Komponenten wäre das sehr, sehr schwierig. Auch finanziell würde das eine sehr große Belastung bedeuten", so Jürgen Grützner vom Verband VATM.

Steuerzahler und Verbraucher müssten mehr bezahlen

Huawei ist nicht nur Technologietreiber im Bereich Mobilfunk - der Konzern produziert auch global. Deswegen können die Chinesen ihre Technik vergleichsweise preiswert anbieten.

Teurer könnte der Ausbau der 5. Generation der mobilen Datennetze auch schlicht deshalb werden, weil sich die Zahl der Wettbewerber um einen großen und preiswerten Mitspieler reduzieren würde. "Überall dort, wo sie Marktzutritt für bestimmte Wettbewerber beschränken oder sogar ganz ausschließen, steigen die Preise", bringt das der Geschäftsführer der Wettbewerbszentrale, Reiner Münker, auf den Punkt. Letztlich ginge das dann auf Kosten von Steuerzahlern und Verbrauchern.

Chinesen bieten Anti-Spionage-Abkommen

Zwar könnten auch andere den 5G-Ausbau übernehmen - etwa die beiden europäischen Ausrüster Ericsson und Nokia. Nur hätten beide Unternehmen gar nicht genug Kapazität, heißt es in der Branche. Auch hierfür sei also mindestens die ergänzende Unterstützung durch Huawei nötig. Ericsson beispielsweise konzentriert sich in seinen Aktivitäten vornehmlich auf den US-Markt. Dort ist das Unternehmen gefragt, seit Huawei de facto nicht mehr am Netz-Aufbau oder Ausbau beteiligt ist. Sollte Huawei tatsächlich hierzulande außen vor bleiben, würde sich der 5G-Ausbau auch zeitlich verzögern.

Schließlich heißt es hinter vorgehaltener Hand bei Mobilfunkbetreibern, dass Huawei einen weitaus besseren und schnelleren Service biete als die Konkurrenz, wenn einmal Probleme im Netz auftreten. Deswegen hat sich vor wenigen Wochen bereits der Weltverband von Mobilfunkbetreibern und Mobilfunkausrüstern an die europäische Politik gewandt und gefordert, bei ihren Entscheidungen zum Netzausbau Augenmaß zu bewahren und den Blick nicht zu verengen. Ein Angebot schließlich gibt es mittlerweile von den Chinesen. In einem Interview mit dem "Handelsblatt" sagte Huaweis Westeuropachef Vincent Pang vor kurzem, sein Konzern sei bereit, mit der Bundesregierung ein Abkommen zu schließen. Darin würden die Chinesen garantieren, keine Spionage zu betreiben.

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