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Neuer Mobilfunkstandard - 5G - ein Netz, fest in chinesischer Hand?

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In zwei Jahren soll es in Betrieb gehen, das Mobilfunknetz der fünften Generation, kurz 5G. Doch die Angst geht um, 5G könnte unter Kontrolle der chinesischen Regierung gelangen.

Mobilfunkstandard 5G
5G - Der neue Mobilfunkstandard für das Internet der Dinge

Ging es um Sicherheit oder um Protektionismus, als US-Präsident Donald Trump Anfang März 2018 die Übernahme des US-amerikanischen Chipherstellers Qualcomm durch den Konkurrenten Broadcom aus Singapur untersagte? Hatte die US-Regierung Angst, dass das Wissen des weltgrößten Herstellers für Mobilgeräte-Prozessoren Qualcomm über Singapur nach China abwandern könnte? Oder wollte Trump Broadcom dazu zwingen, seinen Firmensitz wieder zurück in die USA zu verlagern? Bis zu 140 Milliarden Dollar wollte sich Broadcom die Übernahme von Qualcomm kosten lassen. Die beiden Unternehmen hätten sich perfekt ergänzt im Geschäft mit mobilen Endgeräten und beim Aufbau der 5G-Netze.

Aggressive Preispolitik

Doch ein Trend ist kaum noch zu stoppen: Asiatische Unternehmen, vor allem chinesische, dominieren den Markt für Mobilfunk-Technologie. Zwei große Netzwerkausrüster aus China mischen beim 5G-Netzaufbau kräftig mit und machen Preisdruck. Angesichts der Vision, dass 5G nicht nur Milliarden Menschen, sondern auch hunderte Milliarden von Geräten im Internet der Dinge miteinander verbinden soll, breitet sich unter Sicherheitspolitikern Angst aus.

Vor allem die beiden chinesischen Konzerne Huawei und ZTE gelten in Fachkreisen als wirtschaftliche Bedrohung und als potentielles Risiko. "Das begann schon Ende der 1990er Jahre", erinnert sich Dr. Thomas Plückebaum, Direktor am Wissenschaftlichen Institut für Infrastruktur und Kommunikationsdienste WIK in Bonn. In seiner Zeit als Cheftechniker bei einem Netzanbieter wurde den damals jungen chinesischen Unternehmen "Raubbau an Know-How und Möglichkeiten" vorgeworfen. Mit einer extrem aggressiven Preispolitik haben sich die beiden chinesischen Unternehmen in den Weltmarkt für Telekommunikationsnetze katapultiert.

Strategische Partner

Nahezu alle westlichen Mobilfunkbetreiber kaufen große Teile ihrer Netzwerktechnik bei Huawei und ZTE, bei 5G sind die chinesischen Konzerne wichtige strategische Partner. Sie teilen sich den Markt im Wesentlichen mit zwei europäischen Firmen, nämlich Nokia und Ericsson.

Diese Unternehmen stellen nicht nur die Technik für die Netze her, sondern sie managen auch deren Betrieb für die Mobilfunkfirmen. Plückebaum ist sich sicher, dass Huawei beispielsweise bei zwei Netzanbietern in Deutschland Teile der Infrastruktur wartet und managed, also die volle operative Kontrolle über diese Teile hat. Andere Experten berichten hinter vorgehaltener Hand sogar, dass auch die Abhörschnittstellen, die jeder Netzbetreiber diskret für gerichtlich erlaubte Überwachungen bereithalten muss, von diesen Firmen kontrolliert werden.

Volle Kontrolle?

Das wirft Fragen auf: Wie abhängig werden wir von chinesischer Technik und ihren Lieferanten? Haben die westlichen Staaten zur jeder Zeit die volle Kontrolle über ihre Netze und Komponenten? Oder haben die chinesischen Unternehmen im Auftrag Ihrer Regierung Schadsoftware zum Lauschen oder Hintertüren zur Fernkontrolle im Falle eines Cyberkrieges eingebaut? Huawei und ZTE bestreiten dies vehement.

Dr. Elmar Padilla betrachtet diese Fragen eher nüchtern. Der IT-Sicherheitsexperte des Fraunhofer-Institutes Kommunikation, Informationstechnik und Ergonomie in Bonn beschäftigt sich mit Hardware-Sicherheit von IT-Komponenten. Er weiß, dass Hintertüren oder geplante Fehlfunktionen systematisch nicht auszuschließen sind. "Ob ein Netzwerk-Router versteckte Funktionen hat, um Datenverkehr an auch an Dritte auszuspielen, das ist unter Umständen nur schwer zu erkennen", beschreibt Padilla das Problem. "Insbesondere wenn die Schadfunktionen nicht ständig aktiviert sind, können solche Hintertüren nur schwer entdeckt werden."

Ständige Zertifizierung

Padilla rät deshalb, dass kritische Netzwerkinfrastruktur wie die Mobilfunknetze, einer ständigen Sicherheits-Zertifizierung unterzogen werden sollten. Unabhängige Expertinnen und Experten sollten regelmäßig prüfen, ob tatsächlich nur die Komponenten verbaut wurden, die dort auch hingehören. Auch der Datenverkehr sollte Sicherheitsanalysen unterzogen werden, damit Anomalien schnell erkannt werden.

Doch selbst die ständige Beobachtung der Mobilfunknetze bringt keine vollständige Sicherheit. Das einzige was bleibt, auch beim Aufbau der neuen 5G-Technologie, ist Vertrauen. Vertrauen darauf, dass die chinesischen Firmen schon nichts einbauen werden, was uns schadet. Doch da, stellt Netzexperte Plückebaum vom WIK fest, "sind die Amerikaner nicht unbedingt ein gutes Vorbild".

Der Mobilfunkstandard 5G

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