Sie sind hier:

60 Jahre Notenbank - Macht und Ohnmacht der Bundesbank

Datum:

Die Bundesbank war einmal einflussreichste Notenbank Europas. Mit ihrer Geldpolitik hielt sie die Deutsche Mark über Jahrzehnte stark und stabil. Verpflichtet ist und war sie einzig und allein der Preisstabilität. Das ist im Prinzip noch heute so. Nur hat sie kaum noch was zu sagen.

"Nicht alle Deutschen glauben an Gott, aber alle an die Bundesbank", ist ein vielzitierter Satz von Jaques Delors, dem ehemaligen EU-Kommissionspräsidenten. Er beschrieb damit sehr genau, wie viel Vertrauen die Deutschen in die Bundesbank haben. Es lebt immer noch eine Generation unter uns, die den totalen Wertverlust des Geldes nach dem Zweiten Weltkrieg miterlebt hat. Manche der ganz Alten haben das sogar zweimal erfahren müssen, das erste Mal in der Weimarer Republik. Eine stabile Währung ist ein Segen. Und die Bundesbank war ihr Garant und damit maßgeblich mitverantwortlich für die wirtschaftliche Erfolgsgeschichte der Bundesrepublik.

Seit 1999 ist der Einfluss der Bundesbank geschrumpft. Damals übernahm die Europäische Zentralbank die Geldpolitik für den neu geschaffenen Euro. Sie wurde nach dem Vorbild der Bundesbank geschaffen: unabhängig von der Politik, der Preisstabilität verpflichtet, Staatsfinanzierung verboten. Im EZB-Rat entscheiden die Notenbank-Chefs der 19 Euroländer zusammen mit einem sechsköpfigen Direktorium über die Maßnahmen der Geldpolitik. Die Mehrheit entscheidet. Das lief jahrelang harmonisch ab, meist wurden Entscheidungen einstimmig getroffen - bis 2008, bis zur Lehman-Pleite, bis zur Finanzkrise.

Seit der Finanzkrise ist das Vertrauen in die Notenbanken erschüttert

Seitdem ist vieles anders. Das Vertrauen in die Notenbanken wird seit Jahren auf eine harte Probe gestellt. Immer mal wieder ergeben Umfragen, dass eine Mehrheit der Deutschen die D-Mark gerne zurück hätte - oder sich gar nicht erst von ihr trennen wollte. Wenn man kaum noch Zinsen für sein Erspartes bekommt, die Altersvorsorge dahinschmilzt und Immobilienpreise explodieren, kommt wenig Verständnis auf für die ultralockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank. Wo ist denn da die Stabilität?

Immer noch sind fast 13 Milliarden D-Mark irgendwo im Umlauf. Manches mag im Laufe der Zeit vernichtet worden oder unwiederbringlich verloren gegangen sein. Doch in die Filialen der Bundesbank kommen täglich zahlreiche Bürger, um alte DM-Scheine und -Münzen in Euro umzutauschen.

Bündelweise "altes" Geld

Geldbündel, die bei Haushaltsauflösungen entdeckt wurden, die irgendwann vermeintlich sicher versteckt und vergessen wurden. Oder die einfach aufgehoben wurden, sei es aus sentimentalen Gründen oder Bequemlichkeit. Jörg Kaufmann ist einer der Bürgervon ihnen. Rund 1.500 D-Mark tauscht er um in nagelneue Euroscheine. Und ist dabei ein bisschen wehmütig. "Früher konnte man mit 50 Mark einen Einkaufswagen voll machen, heute ist er mit 100 Euro halb leer", sagt er.

So spürt jeder Verbraucher ganz konkret die Auswirkungen von Geldpolitik. Und welche Rolle spielt die Bundesbank? Jedenfalls keine Hauptrolle mehr. Sie ist nur noch eine von vielen. Das zeigte sich überdeutlich, als die EZB beschloss, Staatsanleihen zu kaufen. Für viele ein Tabubruch, Staatsfinanzierung, die den kränkelnden Staaten Südeuropas hilft, sich noch billiger zu verschulden - anstatt längst fällige Reformen beherzt umzusetzen. Der damalige Bundesbank-Präsident Axel Weber war klar dagegen. Er konnte sich nicht durchsetzen und schmiss hin. Der ehemalige Bundesbanker und damalige EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark tat es ihm kurze Zeit später nach.

Der deutsche Einfluss schwindet

Auf Weber folgte Jens Weidmann als Bundesbank-Präsident. Er folgt derselben Tradition wie seine Vorgänger, sieht viele Maßnahmen der EZB kritisch, tritt regelmäßig als Warner und Mahner in Erscheinung. Eine expansive Geldpolitik befürwortet er angesichts der immer noch nicht ausgestandenen Krise.

Aber das, was die EZB in den vergangenen Jahren beschlossen hat, geht auch ihm eindeutig zu weit. Aber was kann er schon tun? Ihm bleiben nur Worte und Argumente, um die anderen Notenbanker zu überzeugen. Gegen die vom EZB-Präsidenten Mario Draghi geführte Phalanx kann er sich nicht durchsetzen. Bestenfalls kann er das Schlimmste verhindern. Aber ist das genug?

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.