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70 Jahre Gründung Israels - "Nakba": Ein Schlüssel als letzte Hoffnung

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Die Gründung des Staates Israel vor 70 Jahren nennen Palästinenser "Nakba": Katastrophe. Nach Flucht und Vertreibung bleibt vielen nur der Schlüssel zu ihren ehemaligen Häusern.

Die Gründung des Staates Israel vor 70 Jahren nennen Palästinenser "Nakba" - Katastrophe. Als Symbol für ihr Recht auf Rückkehr haben sie den Schlüssel auserkoren.

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"Der Schlüssel! Der Schlüssel ist die Vergangenheit und gleichzeitig die Zukunft. Es ist der Schlüssel zu unserer Rückkehr!" , sagt Mohamad Ali Hamdan Zboun. Seine Papiere bewahrt er in einer alten Blechdose auf, viel Platz hat er nicht in seinem Zimmer im Aida- Flüchtlingslager in Bethlehem. Den Schlüssel jedoch, so sagt er, habe er seit 70 Jahren immer greifbar.

Es ist der Schlüssel zum Haus seiner Eltern, das nur wenige Kilometer westlich von hier in einem arabisch besiedelten Dorf im heutigen Israel stand. In den Kämpfen vor und während des arabisch-jüdischen Kriegs wurde es komplett zerstört, die Bewohner getötet oder in die Flucht getrieben. Für Mohamad Ali Hamdan Zboun endete die Flucht in einem UNWRA-Flüchtlingslager. "Zuhause hatte ich knapp 150 Ziegen, wir waren reich! Und als wir hier ins Lager kamen, konnte ich mir nicht mal mehr ein kleines Hühnchen leisten!", berichtet er.

Vertreibungen aus Dörfern

So wie Mohamad Ali Hamdan Zboun verließen vor und während des arabisch-jüdischen Kriegs 1947-1949 mehr als 700.000 arabische Palästinenser ihre Häuser und Wohnungen. Sie flüchteten oder wurden von jüdischen Einheiten vertrieben und suchten Schutz in den Nachbarstaaten. Nur wenige Wochen sollten es sein, so glaubten sie, dann würden die arabischen Streitkräfte aus Syrien, Libanon, Ägypten, (Trans-) Jordanien und Irak die israelische Armee geschlagen und den gerade ausgerufenen Staat Israel noch in seiner Entstehungsphase vernichtet haben.

Nur eine kurze Zeit im Exil, so hofften sie, dann würde man die Häuser und Wohnungen wieder beziehen, die Ländereien weiter bewirtschaften. Nach drei Tagen schon wusste es Mohamad Ali Hamdan Zboun besser: "Als ich ins Dorf zurückkam, sah ich die Leichen und die Zerstörung. Da wusste ich, es ist vorbei." So wie für Mohamad Ali Hamdan Zboun sind für viele palästinensische Flüchtlinge die Dörfer ihrer Vorfahren heute zerstört oder unerreichbar geworden.

Nakba - die Katastrophe

Schlüssel, Dokumente und Jordanischer Pass von Mohamad Ali Hamdan Zboun
Papiere sind für Mohamad Ali Hamdan Zboun wertlos.
Quelle: ZDF

Nakba - die Katastrophe. So beschreiben die Palästinenser das, was die Staatsgründung Israels am 14. Mai 1948 für sie bedeutet. Ein eigener Staat, so wie im UN-Teilungsplan 1947 vorgesehen, ist nie Realität geworden. Die Erinnerung an Verlust, Flucht und Vertreibung hat sich über Generationen ins kollektive Gedächtnis eingebrannt. Die Trauer, die Wut, und auch der Hass brechen sich am sog. Nakba-Tag, jährlich am 15. Mai, bahn.

"Die Nakba, das war nicht 1948“, sagt Mohamad Ali Hamdan Zboun, "seit 1948 bis heute haben wir Nakba!" Sein jordanischer Pass, seine Geburtsurkunde, seine Flüchtlingsregistrierung, all das ist für Mohamad Ali Hamdan Zboun heute wertloses Papier. "Wir wurden schon von vielen offiziellen Stellen enttäuscht, von den Engländern, von  arabischen Staaten, von den Juden, von Israel … aber in diesem Schlüssel steckt unsere Geschichte! Sollte ich sie jemals vergessen, dann werden hunderte diesen Schlüssel weiter hochhalten, auch nach meinem Tod. Denn dieser Schlüssel ist das palästinensische Erbe und gleichzeitig die palästinensische Zukunft bis zu unserer Rückkehr!", ist er überzeugt.

Gehütet wie ein Schatz

Als realer Gegenstand wie ein Schatz gehütet, an Wände gemalt oder auf Mauern gesprüht - der Schlüssel ist ein allgegenwärtiges und unübersehbares Symbol im Flüchtlingslager Aida. Das gemeinsame Schicksal der Flucht und Vertreibung Ende der 1947-1949 und der Wunsch nach Rückkehr in die Dörfer ihrer Vorfahren haben sich über Generationen hinweg als identitätsstiftendes Element im Wesen der palästinensischen Flüchtlinge verankert. Der Schlüssel, mehr noch als alle offiziellen Dokumente, ist für sie ein Stück greifbare Geschichte und  gleichzeitig ein Gegenstand größtmöglicher Symbolik geworden.

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