Sie sind hier:

Zweiter Weltkrieg - Eingekesselt bei minus 40 Grad

Datum:

Es war ein Wendepunkt des Zweiten Weltkrieges. Mehr als 600.000 Menschen verloren in Stalingrad ihr Leben. Wo heute Denkmäler stehen, tobte einst ein erbarmungsloser Kampf.

Mit einer Gedenkfeier wurde der 700.000 Menschen gedacht, die bei der Schlacht um Stalingrad ums Leben gekommen waren.

Beitragslänge:
1 min
Datum:

Schulklassen wallfahren zum "Teich der Tränen". Großmütter flanieren mit ihren Enkeln zur Heldenhalle von Wolgograd, wo eine marmorne Faust mit "ewiger Flamme" zum Himmel weist. Am Aufgang zum Mamajew-Hügel wachsen kantige Männergestalten mit Kalaschnikow-Gewehr aus den Felsen hervor. Steinerne deutsche Soldaten zeigen angstverzerrte Gesichter. Oben auf der Kuppe ragt die Figur der "Mutter Heimat" 80 Meter in den Himmel der südrussischen Stadt, die früher Stalingrad hieß. Kein freundliches Mütterchen Russland, sondern eine strenge Frau, die ihr Schwert wütend nach Westen reckt.

Die 1967 errichtete Statue erinnert an die Schlacht von Stalingrad, die am 2. Februar 1943, vor 75 Jahren, mit der Kapitulation der Sechsten Armee der Wehrmacht endete. Sie gilt als einer der psychologischen Wendepunkte des Zweiten Weltkriegs - ein Menetekel des totalen Zusammenbruchs Deutschlands.

Nur 6.000 deutsche Kriegsgefangene kehrten zurück

Im Kampf um die Stadt Stalins starben nach Schätzungen mehr als 500.000 Russen und 150.000 deutsche Soldaten. Von den mehr als 100.000 deutschen Kriegsgefangenen, in endlosen Kolonnen, teilweise in Strohschuhen und notdürftig vermummt in die Lager geführt, kehrten nur 6.000 zurück.

"Jeder Deutsche wird noch in 1.000 Jahren mit heiligem Schauer von diesem Kampf in Ehrfurcht sprechen", stimmte der zweite Mann des Dritten Reiches, Hermann Göring, die Deutschen am 30. Januar 1943 auf das Ende ein. Die in Stalingrad eingeschlossenen Soldaten sahen das vielfach anders: "Furchtbar ist der Krieg. Manchmal denke ich so: wenn doch die Welt untergehen wollte", schrieb der Gefreite Alois Müller aus dem Kessel an seine Frau.

Prestigeduell der Diktatoren

Nach dem Scheitern des Blitzkriegs gegen die Sowjetunion 1941 hatte Hitler 1942 einen neuen Anlauf unternommen, um den Vernichtungskrieg im Osten zu gewinnen. Am 23. Juli 1942 forderte er die gleichzeitige Offensive zu den Erdölgebieten im Kaukasus und gegen Stalingrad - und zersplitterte damit die Kräfte der Wehrmacht.

Zentrum des sowjetischen Maschinenbaus und der Schwerindustrie: Das an der Wolga gelegene Stalingrad war strategisch wichtig. Zugleich wurde die Stadt zum Schauplatz eines Prestigeduells der beiden Diktatoren. "Bei Stalingrad verteidigen wir unsere Mutter Russland", schrieb der Schriftsteller Ilja Ehrenburg mit Blick auf die Schlacht. "Unser Prestige hängt gleichwie das der Sowjetunion in stärkstem Maße von ihrem Ausgang ab", notierte Propagandaminister Joseph Goebbels.

Am 7. August 1942 begann die Sechste Armee unter Generalmajor Friedrich Paulus ihre Offensive. Am 13. September rückten die Spitzen der Sechste Armee in die Randbezirke Stalingrads ein. Bis Mitte November hatten die Deutschen 90 Prozent der Stadt erobert.

Zangenoperation gegen die Sechste Armee

Verbissene Kämpfe von Haus zu Haus: Trotz hoher Verluste gelang es den Deutschen nicht, Stalingrad vollständig einzunehmen. Die Russen behaupteten einen Brückenkopf am westlichen Ufer der Wolga. Während eine deutsche Division nach der anderen aufgerieben wurde, zog das sowjetische Oberkommando an den deutschen Flanken kampfstarke neue Kräfte heran.

Am 19. November begann die Zangenoperation: Heulende Stalinorgeln, über Schneefelder stürmende Rotarmisten. Drei Tage später war die Sechste Armee eingekesselt. Zehntausende Soldaten verhungerten und erfroren bei minus 40 Grad. Die deutsche Luftwaffe war zu schwach, um die Soldaten aus der Luft zu versorgen.

Paulus verweigerte sich Hitlers Befehl

Hitler untersagte Paulus mehrfach jeden Versuch, aus dem Kessel auszubrechen, und versprach, die Armee von außen freikämpfen zu lassen. Durchhalten bis zur letzten Patrone, so lautete die Anweisung. Doch als die Panzerarmee unter Generaloberst Hermann Hoth am 20. Dezember, 50 Kilometer von Stalingrad entfernt, liegen blieb, war das Schicksal der Sechsten Armee besiegelt.

Am 3. Februar ließ das Oberkommando der Wehrmacht im Großdeutschen Rundfunk eine Sondermeldung verlesen: Die Sechste Armee habe getreu ihrem Fahneneid "bis zum letzten Atemzug" gekämpft, sei aber einer "Übermacht" und "ungünstigen Verhältnissen erlegen". Paulus verweigerte sich Hitlers Befehl zum Suizid und ging mit seinem Stab in russische Gefangenschaft. Hitler tobte. Am 18. Februar 1943 rief Goebbels im Berliner Sportpalast zum totalen Krieg auf.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert

Die Website verwendet Cookies, um Ihnen ein bestmögliches Angebot zu präsentieren. Nähere Informationen und die Möglichkeit, die Verwendung von Cookies einzuschränken finden Sie hier.

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.