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Abgastests an Affen - VW beurlaubt Cheflobbyist Steg

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Im Zusammenhang mit den Abgastests an Affen beurlaubt Volkswagen seinen Cheflobbyisten Thomas Steg. Er sagt, er wolle die "volle Verantwortung" für die Affäre übernehmen.

Archiv: Thomas Steg aufgenommen am 20.06.2011
VW-Cheflobbyist Thomas Steg Quelle: imago

Die Debatte um umstrittene Abgastests an Affen hat bei Volkswagen zu einer ersten personellen Konsequenz geführt. Der Generalbevollmächtigte Thomas Steg wurde beurlaubt, wie die Volkswagen AG in Wolfsburg mitteilte. Der Vorstand habe das entsprechende Angebot des Leiters der Konzern-Außenbeziehungen und Nachhaltigkeit angenommen.

Konzernchef Müller will "alle nötigen Konsequenzen" ziehen

Steg werde bis zur vollständigen Aufklärung der Vorgänge von seinen Aufgaben entbunden. "Wir sind dabei, die Arbeit der 2017 aufgelösten EUGT genau zu untersuchen und alle nötigen Konsequenzen daraus zu ziehen", sagte Konzernchef Matthias Müller. "Herr Steg hat erklärt, die volle Verantwortung zu übernehmen. Dies respektiere ich." Müller hatte die Versuche als inakzeptabel bezeichnet.

Der 57-jährige Steg arbeitet seit Anfang 2012 bei Volkswagen. Von 2002 bis 2009 war er stellvertretender Regierungssprecher, danach selbständiger Kommunikationsberater. Im Februar 2012 wurde er Cheflobbyist bei VW. Als Generalbevollmächtigter war er unter anderem für die Beziehungen des Unternehmens zu Regierungen in aller Welt verantwortlich.

VW will Vorgänge "mit Hochdruck" untersuchen

Die Autoindustrie hatte Wissenschaftler eingespannt, die mit der von BMW, Daimler, VW und Bosch gegründeten Lobbyorganisation EUGT - der "Europäischen Forschungsvereinigung für Umwelt und Gesundheit im Transportsektor" - Gesundheitsgefahren von Dieselabgasen verharmlost haben sollen. Dabei waren auch Affen mehreren Tests ausgesetzt. VW hat sich von den Versuchen distanziert und sich dafür entschuldigt. Darüber hinaus förderte die Initiative eine Studie der Universität Aachen zur Stickstoffdioxid-Belastung am Arbeitsplatz - Probanden waren 25 Menschen.

Die Untersuchungen der Vorgänge sollten weiter mit Hochdruck vorangetrieben werden, teilte Volkswagen mit. Die Aufgaben Stegs übernehme kommissarisch Jens Hanefeld, verantwortlich für internationale und europäische Politik.

Weil: Beurlaubung Stegs "unausweichlich"

Zuvor hatte Steg angekündigt, dass Volkswagen künftig auf Tierversuche verzichte. "Wir wollen Tierversuche für die Zukunft absolut ausschließen. Damit so etwas nicht noch einmal passiert", sagte er der "Bild"-Zeitung. Der Autobauer lasse prüfen, was nach den Versuchen mit den Affen geschehen sei, in welchem Zustand sie übergeben wurden und wie es ihnen heute gehe.

VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh forderte erneut vom Vorstand vollständige Aufklärung und personelle Konsequenzen - ohne Ansehen von Personen.

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil, der auch im VW-Aufsichtsrat sitzt, stellte "eine Welle der Empörung" nach den Meldungen über Tierversuche fest: "Es ist deswegen richtig, dass der VW-Vorstand im Zusammenhang mit der vollständigen Aufklärung der Vorgänge auch prüft, wer für die Beauftragung der Studie verantwortlich war." Vor diesem Hintergrund halte er die Beurlaubung Stegs für "folgerichtig und unausweichlich".

Greenpeace: Eigentliche Opfer sind Stadtbewohner

Greenpeace-Verkehrsexperte Tobias Austrup nannte Steg ein "Bauernopfer aus dem Handbuch der Krisen-PR. Die eigentlichen Opfer einer Autoindustrie, die alle ethischen Ansprüche beerdigt hat, sind Millionen Stadtbewohner an Hauptverkehrsstraßen." Die Verantwortung dafür gab er der "betrügerischen Autoindustrie und einer tatenlosen Bundesregierung".

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