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Abitur und dann? - Füße hoch - aber nicht zu lange!

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Bald hat Deutschland gut 300.000 Abiturienten mehr. Gleich weiter in die Ausbildung oder ins Studium oder doch eine Auszeit? Beides ist okay, sagt Berufsberater Andreas Rosin.

Abiturprüfung
Quelle: dpa

heute.de: Hunderttausende Schüler sind in Deutschland gerade im Endspurt zum Abitur. Aber wie geht’s weiter - bleibt erst mal Zeit zum Durchatmen oder kommt direkt der Sprung in den Alltag mit Terminen und Pflichten?

Andreas Rosin: Das ist sehr unterschiedlich. Es gibt manche Abiturienten, die danach einfach Zeit brauchen, um sich zu orientieren, bevor sie mit einer Berufsausbildung oder einem Studium beginnen. Das ist ja auch verständlich, gerade bei denen, die jetzt nach zwölf Jahren Schulzeit das Abitur machen. Man sagt ja nicht ohne Grund auch Reifeprüfung. Aber auch wer ein Übergangsjahr plant, muss eben einen Plan haben. Es geht ja dabei nicht darum, ein Jahr mal nichts zu machen.

heute.de: Heißt also, wer gerade Abi macht und keinen Plan hat, ist etwas spät dran?

Rosin: Auf jeden Fall. Wer in diesem Jahr noch eine Ausbildung beginnen möchte, ist ohne bisherige Bewerbungen schon sehr spät dran. Und auch wer studieren möchte, aber noch nicht weiß welche Richtung, sollte sich dringend Gedanken machen. Da geht es dann in der Berufsberatung oft einfach darum, einen Anfang zu finden. Aber auch ein Übergangsjahr muss man planen - also zum Beispiel ein Freiwilliges Soziales Jahr, Freiwilligen Wehrdienst oder einen Auslandsaufenthalt. Ein paar Wochen nach dem Abitur ausschlafen ist sicherlich erfrischend, aber das kann schon recht bald belastend werden. Zu viel Leerlauf ist frustrierend.

heute.de: Stichwort Überbrückungsjahr. Freiwilligenjahr oder Work & Travel im Ausland - macht sich so etwas überhaupt gut im Lebenslauf?

Rosin: Der Meinung bin ich. Wer nach dem Abi weiß, wie er direkt in die Ausbildung starten möchte, soll das tun. Wer Orientierung benötigt, darf das natürlich mit einem Überbrückungsjahr. Das sind geplante, vorzeigbare Schritte in der Biografie. Das Einzige, was zweifelhaft ist, ist nichts zu machen.

heute.de: Beim Abi denkt man ja oft zuerst an ein Studium. Ist ein klassischer Ausbildungsberuf für Abiturienten überhaupt eine Option?

Rosin: Es ist sogar ein beträchtlicher Anteil an Abiturienten, der eine Ausbildung anstrebt, vor allem in Wirtschaft und Verwaltung. Bei den kaufmännischen Berufen oder in der IT gibt es ja mittlerweile Ausbildungsbereiche, die so anspruchsvoll sind, dass man ohne Abi kaum Chancen hat. Und viele Abiturienten gehen den Einstieg in den Beruf einfach pragmatisch an und bauen lieber im praktischen Bereich ihre Fähigkeiten auf als im theoretischen Studium an einer Hochschule.

heute.de: Wer buhlt von Ausbilderseite um Abiturienten?

Rosin: Natürlich die mit besonders hohen Anforderungen. Aber auch der gewerbliche Bereich, die Industrie und das Handwerk versuchen, Abiturienten eine Ausbildung schmackhaft zu machen. Sicherlich mit unterschiedlichem Erfolg und auch mit unterschiedlicher Berechtigung. Wenn ein Betrieb konkret Abiturienten sucht, dann sollte er sie auch entsprechend fördern und einsetzen können. Das wird für manchen Arbeitgeber in Zukunft noch eine große Herausforderung.

heute.de: Spielen Verdienstaussichten für Abiturienten bei der Berufswahl eine große Rolle?

Rosin: Geld spielt eine Rolle, aber die Frage steht meist nicht an erster Stelle. Besonders wichtig ist es für diejenigen, die mit einer Ausbildung auch zu Hause ausziehen und ein eigenes Leben starten möchten. Da bremsen geringe Bezüge in der Ausbildung dann doch oft die Euphorie bei Berufen, an denen man eigentlich Interesse hätte.

heute.de: Hat sich in Sachen Berufs- und Studieneinstieg für Abiturienten in den vergangenen 20 Jahren eigentlich viel geändert?

Rosin: Im Kern ist der Entscheidungsprozess schon gleich geblieben. Aber wir sehen auch Neues, die dualen Studiengänge zum Beispiel, bei denen in Unternehmen und an der Fachhochschule parallel gelernt wird. Da gibt es auch eine große Nachfrage. Ebenfalls stark geändert hat sich der Zugang zu Informationen durch das Internet. Diese Informationsflut überfordert manchen aber auch. Und schließlich hat sich die Lebensplanung geändert: Früher ist man davon ausgegangen, dass man einen erlernten Beruf bis zum Ruhestand ausübt. Heute muss man Schritt für Schritt planen, weil sich die Bedingungen in der Arbeitswelt sehr geändert haben.

Das Interview führte Christian Thomann-Busse.

Auszeit nach dem Abi gefällig?

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