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Angst vor Abschiebung - Nirgendwo sicher - Illegale in den USA

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In New York geht die Angst um: Seit der Wahl Donald Trumps ist die Zahl der Abschiebungen illegaler Einwanderer rasant gestiegen. Selbst in den so genannten "sanctuary cities".

Migranten auf einem Güterzug in den USA am 12.7.2014
Migranten auf einem Güterzug in den USA am 12.7.2014 Quelle: ap

Die Tickets für die Silvesterfeier in Mar-a-Lago, dem Luxus Golf Resort von Präsident Trump in Florida, sind längst ausverkauft. Wer mit der First Family ins Neue Jahr tanzen will, muss zwischen 600 und 750 Dollar hinblättern. Im Preis enthalten: ein mehrgängiges Abendessen und live Musik.

Amanda Morales wird die Silvesternacht in diesem Jahr in der Holyrood Episcopal Church verbringen. Seit vier Monaten wohnt sie mit ihren drei Kindern in der Kirche im Norden Manhattans. Amanda stammt aus Guatemala. 2004 floh sie vor der Gewalt in ihrem Heimatland in die USA. Ihre Kinder sind hier geboren und damit amerikanische Staatsbürger. Im August bekam Amanda plötzlich von der Einwanderungsbehörde eine Vorladung. Sie solle ein One Way Ticket nach Guatemala mitbringen. Aus Angst abgeschoben zu werden, suchte die 33-Jährige in der Holyrood Kirche Zuflucht. Seitdem unterstützen Pfarrer Luis Barrios und viele Gemeindemitglieder Amandas Familie. Inzwischen ist ein ganzes Netzwerk aus Freiwilligen entstanden. Der Rabbi der benachbarten Synagoge mobilisierte zusätzliche Hilfe.

Keine Zuflucht für kriminelle Ausländer


Die Botschaft für Amanda aus dem Weißen Haus klingt dagegen wenig hoffnungsvoll: "Unsere Städte sollten Zufluchtsorte für Amerikaner sein, nicht für kriminelle Ausländer", twitterte der Präsident vor ein paar Wochen. Anfang des Jahres, gleich nach seinem Amtsantritt, hatte Trump per Dekret verkündet, hart gegen illegale Einwanderer vorzugehen. Seitdem geht die Angst um in New York City. Schätzungsweise 500.000 Immigranten ohne gültige Aufenthaltsgenehmigung leben in der Stadt. Viele haben Jobs und zahlen Steuern. Solange sie nicht straffällig werden, dürfen sie bleiben. "Wir werden weiterhin alle unsere Bürger beschützen, egal woher sie kommen und wie ihr Aufenthaltsstatus ist", hat Bürgermeister Bill de Blasio versprochen.

"Das ist eine schöne Theorie", sagt Sara Gonzalo von der Hilfsorganisation "New Sanctuary Coalition". "Seit der Wahl Trumps herrscht Panik. Viele Einwanderer trauen sich nicht mehr zur Polizei zu gehen, ein Krankenhaus oder ein Gerichtsgebäude zu betreten, aus Angst verhaftet zu werden."

Abschiebungen im Schnellverfahren

Und die Furcht ist nicht unbegründet. Nach Angaben des "Immigrant Defense Project" ist die Zahl der Verhaftungen in New York drastisch gestiegen, von 21 Fällen im Jahr 2016 auf 112 im Jahr 2017. Es sind nicht New Yorker Polizisten, sondern Beamte der Bundeseinwanderungsbehörde ICE, die unangekündigt in Gerichtsgebäuden auftauchen und Einwanderer festnehmen. "Nach der Verhaftung geht alles sehr schnell. Wir haben es schon erlebt, dass Menschen innerhalb weniger Tage nach ihrer Verhaftung ausgewiesen und abgeschoben wurden", sagt Lee Wang, einer der Anwälte beim "Immigrant Defense Project".

"Wir versuchen, das zu verhindern, indem wir Einwanderer und ihre Familien begleiten", erklärt Sara Gonzalo. "Wenn Immigranten Behördengänge nicht alleine machen müssen, fühlen sie sich sicherer. Gleichzeitig sind unsere Begleiter Watchdogs und humanitäre Beobachter. Wenn ein Zeuge da ist, der zusieht, kann man nicht mehr so einfach gegen die Rechte von jemandem verstoßen."

Die freiwilligen Begleiter sind keine Rechtsexperten, sondern normale New Yorker, Rentner und Studenten, Christen und Juden, Weiße und Schwarze. In Kirchen und Sozialstationen finden mehrmals wöchentlich zweistündige Trainings-Einheiten statt. Dort lernen sie, was entscheidend ist im Umgang mit den Behörden: "Respekt, keine Vorurteile, richte keinen Schaden an."

Wer hier reingeht, kommt vielleicht nicht wieder raus

Besonders wichtig ist Begleitung für Immigranten, die eine Vorladung bei der Einwanderungsbehörde ICE haben, erklärt Sara Gonzalo. Im 9. Stock eines Hochhauses in Lower Manhattan sitzen die Beamten, die für "Vollstreckung und Abschiebung" zuständig sind. "Wer hier reingeht, weiß nicht, ob er wieder rauskommt", fasst Gonzalo nüchtern zusammen. Das gilt vor allem für diejenigen, die keinen Anwalt haben.

"Im Juli wurde hier eine haitianische Krankenpflegerin verhört und festgenommen. Vier Monate lang saß sie im Abschiebeknast." Mithilfe von Spenden gelang es der "New Sanctuary Coalition" schließlich genügend Geld zu sammeln, um die festgesetzte Kaution zu zahlen.

"Ein Mann hat uns vor kurzem folgende Nachricht geschickt. Er sei zutiefst dankbar, dass er bei seiner Anhörung Begleiter hatte", so Gonzalo. "Wir hätten ihm nicht nur Menschen geschickt, die ihn unterstützt haben, sondern sieben Engel."

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