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Rennen um Merkel-Nachfolge - Kuscheln und Kämpfen: "Da bin ich ganz bei Dir"

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Acht Veranstaltungen, acht Bundesländer: Zum Abschluss ihrer Werbetour haben die drei Kandidaten für den CDU-Vorsitz nochmal alles versucht. Applaus-Meister wird Friedrich Merz.

In Berlin stellten sich die drei aussichtsreichsten Kandidaten Merz, Kramp-Karrenbauer und Spahn den Mitgliedern. Es ist die letzte von insgesamt acht Regionalkonferenzen. Konnten sie vor dem Parteipublikum punkten?

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Vermutlich kennt jeder der Drei die fluffigen Sprüche der anderen Beiden schon auswendig. Friedrich Merz fragt seit zwei Wochen das Publikum gerne: "Was machen wir eigentlich, wenn die Party vorbei ist?" Merz, der Wirtschaftsauskenner, hat die Antwort, soll die rhetorische Frage suggerieren. "Als der Soli eingeführt wurde, war ich neun", sagt Jens Spahn. Jetzt könne dieser auch mal endgültig weg, und damit will er klar machen: Ich bin jung und trotzdem erfahren. Und Annegret Kramp-Karrenbauer: "Wir sind kein Gemischtwarenladen, wir haben Visionen!" Und das soll heissen: Ich kenne meine Partei, ich gebe ihr wieder Profil.

Mal konkret, mal ausweichend, mal nichts

Die gut 2.000 Zuhörer in einem Hotel im Berliner Osten hören diese Sätze vermutlich zum ersten Mal. Es ist die letzte Station bei den CDU-Regionalkonferenzen. Seit zwei Wochen sind die drei Kandidaten in acht Bundesländern unterwegs, um sich bei den Parteimitgliedern vorzustellen. Alle drei wollen Angela Merkel beerben, die nächste Woche auf dem Parteitag in Hamburg nicht mehr als Vorsitzende zur Wahl steht. Nach 18 Jahren Merkel hat ihre Partei Lust offensichtlich auf etwas Neues. Kampfkandidaturen gab es seit mehr als 40 Jahren nicht. Und so viel Lust auf Diskussion auch nicht.

Zwei Stunden sind für Fragen der Parteimitglieder eingeplant. Es geht um Digitalisierung, Personalmangel auf dem Land, Abschaffung des Soli, Bundeswehr, Rente. Die Antworten sind manchmal konkret, manchmal ausweichend, manchmal kommt nichts. Alle Drei wissen, dass in Berlin viele Menschen die Fragen der Sicherheit bewegt. Das Stichwort "arabische Clans" fällt in allen drei Anfangsreden. Kramp-Karrenbauer ist gegen neue Gesetze, aber für "konsequentes Handeln". Organisierte Kriminalität müsse wie organisierte Kriminalität behandelt werden. Schnelle Antworten gebe es da nicht. Statt einen Feiertag für Frauen am 8. März, den Berlin gerade eingeführt hat, wären es Frauen lieber, "wenn sie abends sicher durch die Straßen gehen können".

Spahn verteidigt die Regierungspolitik, die mit dem Koalitionsvertrag für Tausende neue Stellen bei Bundeswehr und Justiz gesorgt haben. Merz wiederum weitet elegant das Thema aus. "Es fängt an den Schule an." Die Aggression dort sei die Kriminalität morgen auf der Straße. Lehrer müssten besser unterstützt werden, Polizisten besser bezahlt werden, die Türsteherszene "vor den Discos", was heute Clubs heißt, ausgehoben werden. "Null Toleranz, zero", sagt Merz.

Applaus für die Bundeswehr

Dafür bekommt er von den Parteimitgliedern viel Applaus. Punkten kann jeder mal auch bei anderen Themen. Merz will die berufliche Ausbildung und den Mittelstand stärken. "Der Mensch fängt nicht erst beim Abiturienten an", sagt er. Die Rentenbeschlüsse der Koalition seien "an der Grenze dessen, was wir der jungen Generation zumuten können".

Spahn bekommt Unterstützung für seine Einstellung zur Bundeswehr. Kein öffentliches Gelöbnis vor dem Reichstag seit 2013, keine Werbung der Bundeswehr in den Schulen und die schlechte Flugbereitschaft: "Das kann sich ein Land unserer Größe nicht leisten", kritisiert Spahn. Kramp-Karrenbauer ist stärker bei den gesellschaftlichen Themen. Sie ist gegen die Ehe für alle, auch wenn sie sich an die demokratische Entscheidung gebunden fühlt. Sie ist - wie die anderen beiden - gegen die Abschaffung des Paragrafen 219a, der Ärzten die Information über Schwangerschaftsabbrüchen verbietet. Wenn man ihn abschaffe, werde ein Abbruch "ein normaler medizinischer Eingriff. Ein Abbruch ist kein Blinddarm", sagt sie.

Flüchtlinge? Diesmal kein Thema

Um das Thema Integration und Flüchtlinge geht es in Berlin höchstens am Rande. Noch zu Beginn der Regionalkonferenzen hatten die Kandidaten die Aufarbeitung der Ereignisse von 2015 noch als zentrales Thema ausgemacht, das aufgearbeitet werden müsse. Über das Asylgrundrecht, über Muslime wird diesmal nicht diskutiert, auch wenn das vielleicht nicht nur in Kreuzberg interessiert hätte.

Überhaupt sind die Kandidaten nicht auf große Konfrontation aus, jedenfalls nicht untereinander. Man ist freundlich: "Da bin ich ganz bei Dir" - meistens jedenfalls. Die Seitenhiebe sind sparsam. Spahn rempelt ein bisschen, wenn er immer auf seine Jugend und seine 38 Jahre hinweist. Kramp-Karrenbauer gegen Merz, wenn sie sagt, Personen an der Spitze der Partei seien zwar wichtig, aber Inhalt und Programme seien es auch. Und Merz? Rempelt sowieso, wenn er die schlechten Wahlergebnisse und Umfragewerte anspricht und Defizite der derzeit Verantwortlichen, also auch die der anderen beiden, aufzeigt. "Die Bevölkerung vermisst die ruhige und klare Analyse der Lage."

Eine Woche noch - auch für Fehler

Acht Großveranstaltung liegen hinter den Kandidaten. 13.000 Mitglieder, sagt die CDU, waren vor Ort, mehr als 100.000 habe die Livestreams der Veranstaltungen angeklickt. Von einer neuen Debattenkultur in der CDU ist die Rede, von einer Wiederbelebung. Mehr Veranstaltungen solcher Art, auch zu konkreten Themen wünschen sich viele am Ende der Veranstaltung. "Da könnte man Themen mal ausdiskutieren", sagt CDU-Mitglied Armin Burger. Marc Wohlrabe sagt, er sei ein Anfang einer neuen demokratischen Kultur. Für wen beide nun sind? Wohlrabe mag sich nicht entscheiden. Burger schwankte vorher zwischen Spahn und Kramp-Karrenbauer - und danach immer noch.

Eine Woche noch, kommenden Freitag, wird in Hamburg gewählt. Dann werden zum Großteil aber nicht die Besucher der Regionalkonferenzen den neuen Vorsitz wählen. Die 1.001 Delegierten sind Minister, Abgeordnete, Bürgermeister, Angestellte der Parteivereinigungen. Mit wem kann man auch künftig Wählen gewinnen und regieren? Das wird eine ihrer wichtigsten Fragen bei der Wahlentscheidung sein. Eine Woche noch für die Kandidaten, um zu punkten. Und Fehler zu machen.

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