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Direkte Demokratie - Schweizer gegen Kuhhorn-Subventionen

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Brauchen glückliche Kühe Hörner? Ein Schweizer Bauer findet "ja" und hat eine Volksabstimmung auf den Weg gebracht. Ohne Erfolg.

Armin Capaul ist Bergbauer und Hornkuhrebell. Er will, dass Schweizer Bauern, die ihren Kühen die Hörner lassen, finanziell unterstützt werden. Die Kühe sollen ihre Würde behalten.

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"Ich habe schon manches Kalb gehört, das vor Schmerz geschrien hat", sagt Armin Capaul. Der Bergbauer aus dem Schweizer Kanton Bern kämpft dafür, dass Landwirte jungen Kälbern nicht mehr mit einem heißen Brennstab die Hornanlagen wegbrennen - wenn auch unter Narkose und mit Schmerzmittel. 100.000 Unterschriften hat er gesammelt und eine Volksabstimmung erzwungen - vergebens. Die Schweizer lehnten seine Initiative am Sonntag ab. Konkret ging es dabei nicht um ein Verbot, sondern um neue Subventionen für Bauern, die ihren Tieren - neben Kühen auch Ziegen - die Hörner lassen. Aber daraus wird nun nichts.

Realität versus Werbung

Um die Bedeutung der Hörner für das seelische Gleichgewicht der Kühe wird seit Jahren gestritten. "Das Horn gibt den Tieren Gelassenheit, innere Ruhe und Sicherheit", sagt Christian Müller vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau. Capaul sagt, Hörner seien für die Tiere wichtig für die Kommunikation untereinander und den Wärmeaustausch.

Hintergrund: Hörner werden oft entfernt, damit sie im Stall enger stehen können und sich dabei nicht verletzen. Hornkühe bräuchten also größere Ställe. "Wir befürchten, dass bei Annahme der Initiative mehr Kühe im Stall angebunden werden. Das würde dem Tierwohl nicht dienen", sagt Patrizia Andina von der Gesellschaft Schweizer Tierärztinnen und Tierärzte.

Bäuerinnen- und Landfrauenverband fürchten auch um die Sicherheit der Bauernfamilien. Ausgewachsene Kühe mit spitzen Hörnern könnten eine tödliche Gefahr sein. Auch die Regierung sprach sich gegen die Annahme der Initiative aus, weil sie hohe Kosten befürchtet. Außerdem, argumentiert sie, gebe es keine Studie, die belege, dass das Wohlergehen von Kühen oder Ziegen durch die Enthornung übermäßig beeinträchtigt werde. Landwirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann erklärte: Er habe Enthornungen bei Kälbern als Junge mit eigenen Augen gesehen und "nie den Eindruck gehabt, dass sie leiden".

Realität versus Alpenidyll

Das Thema scheidet die Geister. Hörner zieren Schokoladentafeln und Postkarten aus der Schweiz und sind ein nationales Symbol: braune Kühe mit großen dunklen Augen und ansehnlichen Hörnern. In der Realität werden bei den weitaus meisten Schweizer Rindern die Hörner entfernt. Nur noch zehn Prozent der rund 1,5 Millionen Rinder tragen welche. Bei manchen Rassen sind sie ganz weggezüchtet.

Seine Kühe brachten Bauer Capaul nach eigenen Angaben schon vor Jahren auf die Idee mit der Initiative: "Ich rede immer mit den Kühen so im Stall", sagt der Bergbauer mit dem stattlichen grauen Vollbart. "Und dann haben sie mir gesagt, ob ich nicht mal was für die Kühe machen könnte", damit sie ihre Hörner behalten können. "Ich habe mir gesagt, dass sie Recht haben und dass irgendjemand etwas tun muss."

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