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Ratlosigkeit beim "Tiger" - Airbus' Warnung vor dem eigenen Hubschrauber

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Der Absturz eines "Tiger"-Hubschraubers in Mali stellt Hersteller Airbus vor massive Probleme. Seit einigen Tagen warnen die Europäer sogar vor der Unsicherheit ihres Produkts - ein Zeichen der Ratlosigkeit. Was läuft da aus dem Ruder?

Nach dem Absturz eines Tiger-Kampfhubschraubers der Bundeswehr im Norden Malis hat der Hersteller Airbus eine Warnmeldung an die Kunden gesandt.

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Nach dem Absturz des "Tiger"-Militärhubschraubers in Mali, bei dem zwei Bundeswehroffiziere ums Leben kamen, droht Airbus der Super-GAU für ein ehrgeiziges Hightech-Unternehmen: Der Konzern selbst kann die Ursachenforschung nicht oder nicht allein betreiben und steht vor einem Rätsel. Die Folge: Alle "Tiger"-Modelle sollen am Boden bleiben.

Warum der Bundeswehr-Helikopter plötzlich nach einem Abkippen um neunzig Grad aus 550 Meter Höhe senkrecht zu Boden fiel und sämtliche Rotorblätter verlor, ermittelt die Flugsicherheit der Bundeswehr, und das kann dauern. Airbus selbst etwa könnte kaum etwas dafür, sollten sich Fehler bei der Wartung herausstellen - aber das ist ebenso ungewiss wie alles andere. Solange das nicht ermittelt ist, leidet der Ruf von Airbus weiter.

Airbus' Raubkatzen im Pech

Schon im Frühjahr 2016 verlor ein ziviler Großhubschrauber "Super Puma" in Norwegen plötzlich den kompletten Rotor - monatelang waren die 800 in Europa zugelassenen Hubschrauber von einem Flugverbot betroffen. Die Militärversion des Modells fliegt unter dem Namen "Cougar" - oder fliegt eben nicht. Die drei Exemplare im Besitz der Flugbereitschaft des Bundes stehen zur Zeit auch herum, nachdem die notwendige Inspektionsfrequenz so stark gesenkt worden war, dass ein Betrieb nicht mehr lohnte.

Damals, in Norwegen, ermittelte man Materialermüdung als Ursache, die Wartungsintervalle mussten schon danach verdichtet werden. Das Konzept für "Super Puma" und "Cougar" stammt noch von einer der Vorläuferfirmen von Airbus, der französischen Aerospatiale. Und zwar aus dem Jahr 1978. Vertrauenschaffend ist das nicht.

Dementsprechend gibt es momentan offenbar keine Neubestellungen für die "Tiger"-Serie. Im Helikopterwerk Donauwörth richtet man sich dem Vernehmen nach auf ein Ende der Produktion ein. Wenn man bedenkt, dass allein bei der Bundeswehr in den letzten Jahren stets eine beträchtliche Anzahl der 24 "Tiger"-Hubschrauber nicht flugfähig war, spricht das Bände. Kurz: Die Raubkatzenserie bringt Airbus kein Glück mehr - vielleicht sollte man es mal mit flugfähigen Raubvögeln als Namensgebern versuchen. Zumindest könnte es dann einmal heißen: "Der Adler ist gelandet." Immer noch besser als: "Der Tiger liegt am Boden."

Helikopter-Geschäft unter Druck

In den Geschäftszahlen spiegelt sich das alles natürlich auch. Zwar legten die Neubestellungen für Helikopter insgesamt im ersten Halbjahr 2017 noch zu - von 127 im ersten Halbjahr 2016 auf nun 151. Aber ohne eine Order aus Kuwait für 30 Exemplare aus der "Cougar"-Familie mit der Typenbezeichnung "H225" wäre die Entwicklung negativ. Das Vorsteuerergebnis der Sparte sank im ersten Halbjahr von 144 Millionen Euro (1. Halbjahr 2016) auf nun 93 Millionen Euro - mehr als ein Drittel Einbuße im Vergleich.

Die Trendwende dürfte auf sich warten lassen. In Zukunft versucht Airbus mit hoch luxuriösen Geschäftsreise-Helikoptern zu punkten. Die Modelle werden von der eigens gegründeten Tochter Airbus Corporate Helicopters (ACH) gebaut, unter Zuhilfenahme solcher Ausstatter wie Hermès oder Mercedes-Benz.

Letzterer, also der Daimler-Konzern, setzt bei seinen Luftfahrt-Aktivitäten allerdings lieber auf ein Startup. Den neuen und wachstumsstarken Markt der Lufttaxis und E-Helikopter will ein junges Unternehmen namens Volocopter erobern. Im badischen Bruchsal hängt man dem Traum an, dass künftig der Punkt-zu-Punkt-Luftverkehr in Ballungsräumen durch solche flexiblen Fluggeräte geleistet wird. Der Prototyp besitzt immerhin 18 Rotoren - ein Sicherheitsmerkmal, sagt Volocopter.

Privatleute sollen das Modell bereits Ende 2018 erwerben dürfen. Wenn man in Erinnerung hat, dass Daimler einst zu den Gründervätern von Airbus (damals EADS) gehörte und sich nach und nach von seiner Beteiligung zurückzog, dann ist der elfprozentige Anteil an Volocopter schon etwas provokativ. Schließlich plant man auch bei Airbus den Einstieg in den Markt der Lufttaxis. Ganz so schnell geht es bei Airbus Helicopters in Donauwörth, wie man sehen kann, allerdings nicht. Wer zuerst in die Luft geht, hat hier gewonnen.

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