Absturz in Äthiopien: Boeing gerät unter Druck

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Absturz in Äthiopien - Absturz in Äthiopien: Boeing gerät unter Druck

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Erste Maschinen des Typs 737 Max 8 sind aus dem Verkehr gezogen worden. Unterdessen bestätigt das Auswärtige Amt: Beim Absturz der Boeing kamen auch fünf Deutsche ums Leben.

Nach dem Absturz einer Passagiermaschine haben die Fluggesellschaften Ethiopian Airlines und Cayman Airlines ein Startverbot für alle baugleichen Maschinen verhängt - es handelt sich um den Typ Boeing 737 Max 8. "Auch wenn wir die Unglücksursache nicht genau kennen, haben wir uns entschlossen, diese Maschinen als zusätzliche Sicherheitsmaßnahme am Boden zu belassen", heißt es in einer Mitteilung der Ethiopian Airlines. Ähnlich äußerte sich Cayman Airways. Ethiopian hatte noch 25 weitere 737 Max 8 bestellt. Auch Indonesien hat unterdessen angekündigt, die Maschinen am Boden zu lassen.

Zuvor hatte China alle Fluggesellschaften des Landes angewiesen, Maschinen dieses Typs vorerst nicht einzusetzen. Die Flüge seien einzustellen, bis Sicherheitsrisiken ausgeschlossen werden können, teilte die Luftfahrtbehörde mit. Es sei bereits das zweite Unglück mit dem Maschinentyp in kurzer Zeit gewesen, so die Begründung. Bei dem Absturz einer Boeing 737 Max 8 der Fluglinie Lion-Air im Oktober waren in Indonesien 189 Menschen ums Leben gekommen. Bei beiden Unglücken habe es "gewisse Ähnlichkeiten" gegeben, teilte die chinesische Luftfahrtbehörde mit.

Tui: "Zuverlässiger als sein Vorgänger"

Unter den deutschen Gesellschaften verfügt die Tui-Group über die Boeing 737 Max 8. Bisher habe man die Erfahrung gemacht, dass das Flugzeug "zuverlässiger als sein Vorgänger" und ein "sicheres Fluggerät" sei, sagte Tuifly-Sprecher Aage Dünhaupt dem ZDF. Nun prüfe man das weitere Vorgehen. Man stehe "in engem Kontakt mit Boeing" und werde mit dem Hersteller "die Situation bewerten". Zur Flotte des weltgrößten Reisekonzerns gehören 15 Jets dieses Typs - sie sind seit Januar 2018 in Großbritannien und den Benelux-Staaten im Einsatz. In Deutschland soll die erste Maschine des Typs für Tui am 13. April abheben.

Dünhaupt verwies darauf, dass sich die Airline Norwegian als einer der größten europäischen Betreiber gerade gegen ein Flugverbot entschieden habe. Die Tui-Piloten hätten bisher keine Probleme mit der Software gehabt, die beim Lion-Air-Unglück als ursächlich gilt. Auch FlyDubai teilte mit, Vertrauen in die Flugfähigkeit des Boeing-Typs zu haben. Ein Sprecher erklärte, die Fluggesellschaft sei mit dem Hersteller Boeing in Kontakt und beobachte die Situation bezüglich seiner 737 Max 8. FlyDubai betreibt elf dieser Flugzeugtypen.

Der Hersteller Boeing gab den Kunden zunächst keine neuen Anweisungen für das Flugzeug. "Derzeit haben wir auf der Basis der zur Verfügung stehenden Informationen keinerlei Grundlage, den Betreibern neue Anleitungen zu geben", teilte der US-Flugzeugbauer mit. Er verwies Fragen zu Startverboten für Maschinen des Typs an Fluggesellschaften und Luftfahrtbehörden.

Mögliches "Kontrollproblem"?

Die äthiopische Unglücksmaschine war zuletzt am 4. Februar gewartet worden. Ein Routine-Check unmittelbar vor dem Start am Sonntag habe keine Probleme aufgezeigt, sagte Airline-Chef Tewolde GebreMariam. Seit dem Kauf des Flugzeugs Ende vergangenen Jahres sei es rund 1.200 Stunden im Einsatz gewesen. Auch bei dem Unglück in Indonesien im Oktober hatte es sich um eine fast nagelneue Maschine gehandelt - sie stürzte nur elf Minuten nach dem Start ins Meer.

Sicherheitsexperten warnen indes vor vorschnellen Schlüssen: Beide Besatzungen stießen kurz nach dem Start auf ein Problem, und in beiden Fällen gebe es Berichte über große Schwankungen der vertikalen Geschwindigkeit während des Aufstiegs, sagte Alan Diehl, ehemaliger Ermittler der US-Verkehrsbehörden. Das deute "eindeutig auf ein mögliches Kontrollproblem" hin. Trotzdem gebe es auch viele andere mögliche Erklärungen: Motorprobleme, Pilotenfehler, Gewichtsbelastung, Sabotage oder Vogelschlag. Ethiopian Airlines habe einen guten Ruf, Ermittler werden die Wartung der Maschine untersuchen, insbesondere weil das bei den Ermittlungen des Lion-Air-Absturzes eine Rolle spielen könnte.

"Schwer, Parallelen zu ziehen"

Harro Ranter, Gründer des Aviation Safety Network, sagte: Ethiopian Air habe erklärt, dass es vor dem Flug keine Mängel gegeben habe. Es sei daher schwer, Parallelen zum Lion-Air-Crash zu ziehen. "Ich hoffe, dass die Leute auf die Ergebnisse der Untersuchungen warten, anstatt voreilige Schlüsse zu ziehen, die auf wenigen Fakten basieren." Das Aviation Safety Network ist eine Datenbank, die Informationen über Flugunfälle weltweit sammelt.

Ort der abgestürzten Maschine der Ethiopian Airlines
Ort der abgestürzten Maschine der Ethiopian Airlines
Quelle: Reuters

Bei dem Absturz der Maschine waren am Sonntag alle 149 Passagiere und acht Besatzungsmitglieder ums Leben gekommen. Die Unglücksmaschine, die von der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba in die kenianische Hauptstadt Nairobi fliegen sollte, war am Sonntagmorgen kurz nach dem Start abgestürzt. Kurz nach Abflug habe der erfahrene Pilot einen Notruf abgesetzt und daraufhin die Freigabe zur Rückkehr erhalten, sagte der Chef der Fluggesellschaft, Tewolde GebreMariam.

Nach Angaben der Airline waren Passagiere aus 35 Ländern an Bord, darunter auch die nun bestätigten fünf Deutschen. "Das Auswärtige Amt muss leider bestätigen, dass nach gegenwärtigem Kenntnisstand fünf deutsche Staatsangehörige unter den Opfern des Flugzeugabsturzes in Äthiopien sind", hatte eine Sprecherin mitgeteilt. Unter den Opfern sind nach Angaben der UN auch Mitarbeiter der Vereinten Nationen.

Neue Version der Boeing 737

Die Boeing 737 ist das meistverkaufte Flugzeug der Geschichte. Die Max ist die neueste Version, mit treibstoffeffizienteren Motoren. Sie ist ein zentraler Teil der Boeing-Strategie, mit dem europäischen Rivalen Airbus mithalten zu können. Boeing hat etwa 350 derartige Maschinen verkauft und Bestellungen von über 5.000 laufen. Viele Fluggesellschaften nutzen sie bereits. Durch den Unfall der indonesischen Lion-Air-Maschine scheint die Verkaufszahl nicht gesunken zu sein.

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