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Abstürze der 737 Max - Ging bei Boeing Profit vor Sicherheit?

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Die spritsparende 737 Max war ein Verkaufsschlager für Boeing. Doch bei zwei Flugzeugabstürzen starben mehr als 300 Menschen. Wie konnte es dazu kommen? Ein Insider klagt an.

Kein Flugzeug verkaufte Boeing schneller als die 737 Max. Doch ein automatisiertes Flugkontrollsystem, das einen Absturz verhindern soll, arbeitet nicht fehlerfrei.

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Am 29. Oktober 2018 hebt eine neue Boeing 737 Max mit 189 Menschen an Bord in der indonesischen Hauptstadt Jakarta ab. Elf Minuten nach dem Start stürzte Lion Air Flug 610 in die Java-See ab. Niemand überlebte, viele Familien sind bis heute traumatisiert. Innerhalb von einer Woche nach dem Absturz in Indonesien wusste Boeing: Ein Fehler im neuen automatisierten Flugkontrollsystem MCAS kann eine 737 Max nach unten zwingen. Doch Boeing änderte nichts am Flugzeug. Es gab lediglich einen neuen Leitfaden zum Selbstlernen auf dem iPad: Hinweise für Piloten, was zu tun ist, wenn das MCAS nicht funktioniert. Keine extra Schulung, denn das hätte Zeit und Geld gekostet.

Ging dem Unternehmen bei der Entwicklung der 737 Max der Profit vor Sicherheit? Die Boeing 737 ist das meistverkaufte Passagierflugzeug aller Zeiten. Im Jahr 2011 brauchte die Konzernleitung dringend einen Nachfolger, um mit der treibstoffeffizienteren Konkurrenz mithalten zu können. Wie dem Airbus A320neo. Boeing entschied sich gegen die Entwicklung eines völlig neuen Flugzeugs. Stattdessen hängte man an den alten Flugzeugrahmen größere, modernere Triebwerke. Die Geburtsstunde der 737 Max.

Insider: Boeing setzte Ingenieure unter Druck

Doch das Flugzeug hat einen Konstruktionsfehler: Die neuen größeren Triebwerke können das Flugzeug nach oben kippen lassen. Boeings Techniker hätten zunächst verschiedene Möglichkeit ausprobiert, um das Problem in den Griff zu kriegen, berichtet Dominic Gates von der Seattle Times. Schließlich entschied sich Boeing, eine Software einzuführen, die auf das Höhenruder einwirkt. Dieses automatisierte Flugkontrollsystem nutzt einen Sensor, um den Flugwinkel zu berechnen. Bei einem zu steilen Winkel bewegt das MCAS automatisch das Höhenruder, um das Flugzeug wieder auf Kurs zu bringen. Doch wenn der eine Sensor nicht richtig funktioniert, kann MCAS das Flugzeug nach unten drücken, selbst wenn es sich auf dem richtigen Kurs befindet.

Bei zwei Flugzeugabstürzen kamen mehr als 300 Menschen ums Leben. Boeings am schnellsten verkauftes Flugzeug hat einen erschreckenden Konstruktionsfehler - ein Computersystem, das die Maschine zu Boden drücken kann.

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Der ehemalige Boeing-Ingenieur Adam Dickson leitete damals ein Team, das an der 737 Max arbeitete. Nur sehr wenige Boeing-Insider haben sich bislang öffentlich geäußert. Dickson redet Klartext: Er sagt, er und seine Ingenieure seien unter Druck gesetzt worden, die Bedeutung neuer Funktionen herunterzuspielen - einschließlich der MCAS: Ziel sei es gewesen zu zeigen, dass die Unterschiede zu früheren Entwicklungen gering sind, damit eine Einstufung als wesentliche Änderung im Zulassungsprozess nicht notwendig wurde. "Es gab großes Interesse daran und Druck hinsichtlich des Zulassungsprozesses, insbesondere auf die zertifizierenden und die analysierenden Ingenieure, dass jede Änderung als geringfügig eingestuft wird", sagt Dickson. Boeing widerspricht: Die Aussagen ihrer ehemaligen Ingenieure seien unrichtig. Es "gab keine Einsparungen oder Druck, die 737 Max raus zu bringen, bevor sie bereit dazu war".

Boeing beurteilte Sicherheit selbst

Durch die Klassifizierung als geringfügige statt als wesentliche Änderungen entging Boeing einer genaueren Überprüfung durch die amerikanische Luftfahrtbehörde FAA. Bemerkenswert ist, dass die FAA Boeing selbst die Beurteilung der Sicherheit von einigen ihrer Entwicklungen überließ - einschließlich des MCAS. Der Journalist Dominic Gates beschreibt das Problem: "Boeing entwickelt das System und analysiert mögliche Fehlfunktionen. Boeing testet es und schickt die Unterlagen an die FAA, die dann von Ingenieuren überprüft werden sollen", so Gates. Viele dieser Ingenieure seien dabei ehemalige Boeing-Mitarbeiter, die jetzt für die FAA arbeiten.

Am 10. März 2019 stürzt der Ethiopian-Airlines-Flug 302 sechs Minuten nach dem Start in Addis Abeba ab. Alle 157 Insassen sterben. Seither gilt ein weltweites Flugverbot für die Boeing 737 Max 8 und Max 9. Hunderte Tote und die Frage nach der Verantwortung bleibt. Boeing-Firmenchef Dennis Muilenburg verweigerte ein Interview. In Zukunft will das Unternehmen einen zweiten Sensor bei der 737 Max einsetzen, um das Problem zu beheben.

So funktioniert das Flugkontrollsystem MCAS der Boeing 737 MAX 8.

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