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Debatte um Schwangerschaftsabbrüche - So sind Abtreibungen weltweit geregelt

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Ob Frauen eine Schwangerschaft abbrechen dürfen, ist eine der emotionalsten Debatten. Die Rechtslagen sind weltweit sehr verschieden. Ein Überblick.

Ultraschallbild, Nuckel und Informationsmaterial zum Schwangerschaftsabbruch
In Deutschland muss sich eine Frau beraten lassen bevor sie abtreiben darf.
Quelle: imago

Strenge Regeln in Südamerika und Afrika

Einige Länder in Südamerika haben besonders restriktive Gesetzte in Bezug auf Schwangerschaftsabbrüche. In El Salvador beispielsweise sind Abtreibungen verboten. Auch eine Fehlgeburt gilt dort als Mord. Frauen, die sich dem widersetzen, drohen hohe Haftstrafen. Auch eine Vergewaltigung ist kein Grund für eine legale Abtreibung.

In anderen Ländern, wie Venezuela, Ecuador oder Costa Rica sind Schwangerschaftsabbrüche legal, wenn zum Beispiel das Leben der Frau gefährdet ist. In Chile darf seit 2017 auch nach einer Vergewaltigung abgetrieben werden. Doch es gibt viele Ärzte, die sich weigern, den Eingriff durchzuführen. Oft sind es moralische Bedenken oder auch die Angst vor Abtreibungsgegnern, darauf verweist die amerikanische NGO "Guttmacher Institue".

Auf dem afrikanischen Kontinent gibt es einige Länder, die Abtreibungen generell verbieten. Dazu zählt zum Beispiel der Senegal. Hier ist diese nur erlaubt, wenn drei Ärzte bescheinigen, dass eine Abtreibung nötig sei, um das Leben der Frau zu sichern. In Malawi kann ein Schwangerschaftsabbruch mit zwischen sieben und 14 Jahren Gefängnis bestraft werden.

Individuelle Regeln in US-Bundesstaaten

Menschen stehen mit Plakaten vor dem Senat in Alabama und protestieren gegen das neue Gesetz zum fast vollständigen Verbot für Abtreibungen am 14.05.2019 in Montgomery.
Vor dem Senat in Alabama protestierten Gegener der restriktiveren Abtreibungssregeln.
Quelle: reuters

In den USA sind Abtreibungen grundsätzlich legal. Die einzelnen Bundesstaaten dürfen aber Zusatzregelungen erlassen und erschweren so zum Beispiel Zugang. Immer wieder wird über das Recht auf einen Schwangerschaftsabbruch gestritten. Erst kürzlich trat in Alabama die sogenannte Herzschlag-Regel in Kraft. Diese besagt, dass ein Schwangerschaftsabbruch nur bis etwa zur sechsten Schwangerschaftswoche möglich ist - solange, wie der Fötus noch keinen Herzschlag hat. Doch oft wissen Frauen zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass sie ein Kind erwarten.

In einigen Bundesstaaten ist ein Beratungsgespräch Pflicht und es gibt Vorschriften, dass zwischen Beratung und Abtreibung mindestens 24 Stunden liegen müssen. Außerdem gilt in fünf Bundesstaaten die Regel, dass Ärzte Frauen warnen müssen, es bestünde ein Zusammenhang zwischen Abtreibungen und Brustkrebs. Einen Beleg gibt es dafür nicht.

2018: Zwölf Prozent der Schwangerschaften in Deutschland abgebrochen

In Deutschland ist ein Schwangerschaftsabbruch bis zur zwölften Woche erlaubt - in Ausnahmefällen auch bis zur 22. Woche. Pflicht ist, dass sich die Frau mindestens drei Tage vorher beraten lässt und dem Arzt eine Bescheinigung dafür vorlegt.

In den vergangenen Jahren ist sowohl die Anzahl der ausgetragenen Schwangerschaften, als auch die der Abtreibungen konstant. Zwischen elf und zwölf Prozent der Schwangerschaften wurden abgetrieben, so Zahlen des Statistischen Bundesamt für den Zeitraum 2014 bis 2018.

Unterschiede in Europa

Die Regeln in den Niederlande gelten als besonders liberal. Bis zur 24. Woche dürfen Frauen hier eine Schwangerschaft abbrechen. Vorher ist ein Beratungsgespräch Pflicht, dann darf der Eingriff fünf Tage danach durchgeführt werden. Schon 1984 wurde das entsprechende Gesetz verabschiedet. Daraufhin gründeten sich viele Abtreibungskliniken, in denen auch viele Frauen aus den Nachbarländern den Eingriff durchführen ließen.

Polen: Marsch gegen Abtreibung "Yes for Life"
"Ja zum Leben": Im März protestierten in Warschau Polen für strengere Abtreibungsgesetze.
Quelle: picture alliance / NurPhoto

Im europäischen Vergleich hat Polen die strengsten Regeln. Eine Abtreibung ist legal, wenn die Frau vergewaltigt wurde, die in Lebensgefahr schwebt oder das Kind schwerbehindert sein wird. In den vergangenen Jahren forderten Aktivisten immer wieder eine weitere Verschärfung und forderten die Regierung auf, auch den Abbruch einer Schwangerschaft mit einem schwerbehinderten Kind zu verbieten.

In Irland waren Abtreibungen selbst bei Vergewaltigung, Inzest oder einer Missbildung des Fötus untersagt. Bei einer Abtreibung drohten Frauen bis zu 14 Jahre Haft. Bei einem Referendum vergangenes Jahr stimmten mehr als zwei Drittel der Iren für eine Lockerung des Abtreibungsgesetztes.

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