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Aufruf zum Sex-Streik - Radikaler Protest oder sexistisches Klischee?

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Mit einem Aufruf zum Sex-Streik will US-Schauspielerin Milano auf verschärfte Abtreibungsgesetze aufmerksam machen. Das gehe in die falsche Richtung, finden Frauenrechtlerinnen.

Alyssa Milano protestiert vor dem Weißen Haus. Archivbild
US-Schauspielerin Alyssa Milano setzt sich schon länger für Frauenrechte ein. Nun sorgt sie mit ihrem Twitter.Aufruf für viel Diskussion. (Archivbild).
Quelle: Andrew Harnik/AP/dpa

Es ist so provokant wie wirkungsvoll, wenn eine US-Schauspielerin zum Sex-Streik aufruft. Genau das hat Alyssa Milano getan. In einem Tweet schreibt sie: Solange Frauen nicht ihre körperliche Selbstbestimmung zurückbekämen, dürften Schwangerschaften nicht riskiert werden. Frauen sollen also aufhören, Sex mit Männern zu haben - und zwar auf unbestimmte Zeit.

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Der Protest richtet sich gegen verschärfte Abtreibungsgesetze in den USA. Nach Mississippi, Kentucky und Ohio unterzeichnete vor wenigen Tagen auch Georgia ein Gesetz, das unter dem Begriff "Herzschlag-Gesetz" firmiert. Es verbietet Abtreibungen, sobald der Herzschlag des Fötus zu hören ist. Das ist normalerweise schon vier Wochen nach der Befruchtung der Fall. Dann also, wenn manche Frauen noch nicht einmal wissen, dass sie schwanger sind.

Milano ist bekannt, hat Reichweite und nutzt sie. War sie es doch, die im Zuge der Weinstein-Affäre dazu aufrief, sexuelle Belästigung öffentlich zu machen. Unter dem Hashtag #metoo antworteten weltweit Millionen Frauen. Doch nun kritisieren User, Aktivistinnen, Feministinnen ihren Aufruf zum Sex-Streik. Das sei die falsche Methode. Der Tenor: Frauen würden so dargestellt, als hätten sie Sex nur als Gefälligkeit für Männer.

"Veraltetes, stereotypes Bild"

"Sie zeichnet natürlich ein veraltetes, stereotypes Bild, in dem Sex etwas ist, zu dem Frauen überredet und überzeugt werden müssen", meint Teresa Bücker. Sie ist Netz- und Frauenrechtsaktivisten und Chefredakteurin des feministischen Onlinemagazins "Edition F". "Man nimmt Frauen damit die Selbstbestimmung beim Sex, weil es quasi nahelegt, dass Frauen nicht genau so viel Spaß haben wie Männer und es ihnen nichts ausmacht, keinen Sex zu haben".

Teresa Bücker
Teresa Bücker, Chefredakteurin von "Edition F"
Quelle: Jennifer Fey

Im Netz springen Milano ausgerechnet Abtreibungsgegner bei. Ihre Argumentationslogik: Wenn Frauen keinen Sex mehr haben, wird auch weniger abgetrieben.

"Diese Idee, in Sex-Streik zu treten, knüpft an Werte an, die auch Abtreibungsgegner vertreten", sagt Bücker. Und zwar "enthaltsam zu leben, Sex nur in der Ehe zu haben und immer als etwas zu verstehen, was auf Kinder kriegen und Vermehrung ausgerichtet ist".

Mehr Aufmerksamkeit für Abtreibungsgesetze

Die Kritik an ihrem Aufruf sei ihr egal, so Milano. Ihr Tweet habe den gewünschten Effekt gehabt, "dass die Leute beginnen, über den Krieg gegen Frauen zu reden", sagte sagte sie der Nachrichtenagentur AP. "Wir müssen verstehen, wie entsetzlich die Situation im Land ist." Der Sex-Streik solle Leute daran erinnern, dass Frauen die Kontrolle über ihre eigenen Körper hätten.

Heiligt der Zweck also die Mittel? Mit Sex-Entzug Einfluss auf politische Entscheidungen nehmen - diese Idee gibt es schon länger. In Liberia streikten Frauen so bereits 2003 gegen den Bürgerkrieg. In Togo gegen den Präsidenten, in Kolumbien gegen den Bau einer Straße und in der Ukraine gegen russische Einflussnahme.

Schon in "Lysistrata", einer Komödie des griechischen Dichters Aristophanes von 411 vor Christus schließen sich die Frauen Athens und Spartas zusammen, um ein Ende des Peleponnesischen Kriegs zu erzwingen. Sie verweigerten sich so lange ihren Männern, bis diese endlich die Waffen niederlegten. Sex-Streiks sind also immer auch ein Zeichen von Machtlosigkeit.

Provokant - aber mit anderer Botschaft

Mit Blick auf die Abtreibungsgesetze in den USA sagt Feministin Bücker: "Die Menschen sehen, dass die Gesetze dort immer weiter verschärft werden, ohne dass man wirksam protestieren kann." Sie hätte es allerdings besser gefunden, Frauen dazu aufzurufen, sich zu organisieren, sich Abtreibungsmedikamente zu besorgen und zu lernen, wie sie selbst Schwangerschaftsabbrüche durchführen. "So würde man sehen, dass immer abgetrieben wird", meint Bücker. "Verschärfte Gesetze führen vielleicht dazu, dass mehr Frauen wieder daran sterben, dass sie gesundheitliche Risiken eingehen. Es reduziert aber die Zahl der Abtreibungen nicht." Auch das wäre provokant gewesen. Die Botschaft aber wäre eine ganz andere gewesen.

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