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ADFC-Test - Radfahrer: Das mulmige Gefühl fährt mit

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Zu wenige, zu schmale oder blockierte Radwege: Immer mehr Radler fühlen sich unsicher, wenn sie auf deutschen Straßen unterwegs sind. Das ergibt eine aktuelle ADFC-Umfrage.

Eine Umfrage des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs zeigt: In Städten fühlen sich Radfahrer unsicher. Wiesbaden hat sich in seiner Kategorie zwar verbessert, bleibt aber Letzter.

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Radfahrer fühlen sich auf Deutschlands Straßen zunehmend unsicher. Dies ist ein Ergebnis aus dem ADFC-Fahrradklima-Test 2018, den der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club heute in Berlin vorgestellt hat.

Gesund, klimafreundlich, leise, gerade im Ballungsraum dem Auto oft überlegen: Es gibt so manche positive Attribute, mit denen man das Radfahren beschreiben kann. Dennoch haben immer mehr Menschen ein mulmiges Gefühl dabei, mit dem Fahrrad unterwegs zu sein. Schon im Jahr 2016 war das Sicherheitsgefühl mit einer Durchschnittsnote von 3,9 nicht gerade berauschend, im aktuellen Test sieht es mit 4,2 noch schlechter aus.

Große Zweifel an der Sicherheit

ADFC-Bundesvorstand Rebecca Peters sieht vor allem schlechte oder zu schmale Radwege sowie die Nähe zum schnellen Autoverkehr als Ursache für das mangelnde Sicherheitsgefühl von Radfahrern. Wie groß die Zweifel an der Sicherheit als Radfahrer sind, verdeutlicht eine weitere Zahl: Bis zu 85 Prozent (in Großstädten) der insgesamt 170.000 Teilnehmer der Umfrage sind der Meinung, dass man Kinder nur mit schlechtem Gefühl Rad fahren lassen kann. Lange Schlangen mit Mama-Taxis vor Schulen lassen grüßen.

Die hessische Landeshauptstadt Wiesbaden wird vom ADFC seit Jahren regelmäßig zur radfeindlichsten Großstadt Deutschlands gewählt. Doch es tut sich was.

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"Was Radfahrende auf deutschen Straßen erleben, macht nicht Lust, sondern Frust", so Rebecca Peters. Ungünstige Ampelschaltungen, Falschparker auf Radwegen, Radfahren an Baustellen und so mancher Punkt mehr verhageln vielen die Freude am Radeln. Und fast könnte man bei diesen Ergebnissen die Sensation dieses Tests übersehen: Münster ist im Ranking der Städte mit 200.000 bis 500.000 Einwohner nicht mehr auf Rang 1. Um Haaresbreite heißt der Sieger diesmal Karlsruhe mit einer Gesamtnote von 3,15 (und einem Vorsprung von 0,1).

Gute Noten nur bei kleineren Kommunen

Vielleicht ist es auch gar nicht so ausschlaggebend, wer die Nummer 1 ist, sondern mit welchen Noten man in Deutschland bereits einen Spitzenplatz belegen kann. 3,5 für Bremen (Städte über 500.000 Einwohner), 3,15 für Karlsruhe, 3,35 für Göttingen (100.000 bis 200.000): Ein "Gut" ist das laut Note ja längst nicht. Bessere Noten bei den Spitzenplätzen finden sich erst in kleineren Kommunen: Bocholt (50.000 bis 100.000) mit 2,39, Baunatal (20.000 bis 50.000) mit 2,67 und schließlich Reken (unter 20.000) mit 1,97 scheinen da eher im "guten Bereich" zu sein.

Gewinner des Städterankings zum Fahrradklima
> 500.000
Einwohner
200.000 bis
500.000
Einwohner
100.000 bis
200.000
Einwohner
50.000 bis
100.000
Einwohner
20.000 bis
50.000
Einwohner
bis 20.000
Einwohner
Platz 1 Bremen Karlsruhe Göttingen Bocholt Baunatal Reken
Platz 2 Hannover Münster Erlangen Nordhorn Ingelheim Wettringen
Platz 3 Leipzig Freiburg Oldenburg Konstanz Rees Heek

Quelle: ADFC

Aber haben Großstädte über 500.000 Einwohner überhaupt eine Chance, besser als gerade mal ein mehr oder weniger überzeugendes "Ausreichend" zu erreichen? Und wenn ja, wie? "Natürlich ist das auch eine Frage des Maßstabs", sagt Philine Gaffron vom Institut für Verkehrsplanung und Logistik der TU Hamburg. "Städte wie Köln oder Dortmund sind ganz anders in urbane Strukturen eingebettet, das macht bei der Sicherheit einen Unterschied. Viele Autos, Lieferwagen und Lkw lassen weniger Raum für Radfahrer."

"Städte sollten für die Menschen gemacht sein"

Nun ist es, wenn man den Wunsch nach einer fahrradfreundlichen Stadt hegt, natürlich nicht möglich, eine als autofreundlich gewachsene Kommune neu aufzubauen. Was nicht heißt, dass man tatenlos zusehen muss, so Philine Gaffron: "Tempo 30 oder auch 40 sowie eigene Radspuren lassen sich an vielen Stellen sicherlich schnell umsetzen. Und auch über viele bislang kostenlose Parkraum-Flächen könnte man neu nachdenken, diskutieren und es dann anders machen." Dass ein Umdenken noch nicht häufig genug geschehe, liege oft auch an wirtschaftlichen Interessen, die von der Politik meist eher gehört werden.

Ein Punkt, weshalb Themen wie Tempo 30 in Städten so kontrovers gesehen werden, liege auch in der prinzipiellen Sichtweise aller Beteiligten: "Autofahrer bezeichnen Radfahrer als rüpelhaft, die wiederum klagen die Rücksichtslosigkeit von Autofahrern an." Dabei falle der eigentliche Kern unter den Tisch: "Städte sollten für die Menschen gemacht sein. Und dazu zählen auch übergreifende Gesamtkonzepte für den Verkehr, die das Leben dort angenehmer machen." Da zähle auch das Argument nicht, dass alle ein Auto haben. "In Hamburg haben 40 Prozent gar kein Auto. Da darf man schon mal fragen, für wen da Politik gemacht wird."

Kommt eine Novelle der Straßenverkehrsordnung?

Aktuelle Signale aus der Politik kommen insofern gerade zur rechten Zeit: Erst am Wochenende hatten die Verkehrsminister der Länder den Bund zu einer fahrradfreundlichen Novelle der Straßenverkehrsordnung aufgefordert. Häufiger Tempo 30 an Radfahr-Strecken? Das kommt beim ADFC gut an - ebenso wie die Forderung nach Schrittgeschwindigkeit für Lkw, wenn sie rechts abbiegen.

Und eine mögliche Regelung, nach der Radfahrer künftig nur noch mit einem Mindestabstand von 1,5 Metern mit dem Auto überholt werden dürfen? "Der Überholabstand lässt sich selbstverständlich einhalten, aber die meisten Auto- und Lkw-Fahrer tun es nicht, weil das bedeutet, dass man auch mal hinter einer Radfahrerin oder einem Radfahrer zurückbleiben muss, bis genug Platz zum weiträumigen Überholen ist", sagt ADFC-Sprecherin Stephanie Krone. "An kritischen Stellen brauchen wir physisch geschützte Radwege oder ganz vom Durchgangsverkehr getrennte Fahrradstraßen." Denn Radfahrer haben kein Fahrgestell wie Autos, um ihren Platz auf der Straße zu behaupten. Bleibt also noch eine Menge Arbeit, um Radfahren sicherer zu gestalten.

Welche Stadt hat welche Note?

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