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Opfer des Anschlags - Wer sind die Sufis?

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Der Anschlag auf dem Sinai traf vor allem Anhänger des Sufismus. Radikale Muslime wie die Terroristen des IS sehen sie als Ketzer an.

Archiv: Ägyptische Sufi Muslime am 22.09.2017 in Kairo
Archiv: Ägyptische Sufi Muslime am 22.09.2017 in Kairo Quelle: picture alliance/ZUMA Press

Der Sufismus ist eine mystische Strömung im Islam, die wegen ihrer Rituale und Bräuche in der islamischen Welt oft mit Skepsis betrachtet wird. Der Name leitete sich vermutlich einst vom arabischen Wort für Wolle ab (Suf), da die asketischen Anhänger dieser Glaubensrichtung im 10. Jahrhundert begannen, Gewänder aus grober Wolle zu tragen. Damit drückten sie ihre Ablehnung gegen den Prunk in den Schlössern der abbasidischen Kalifen aus.

In ihren Traditionen beziehen sich die Sufis auf die Lehren des Propheten Mohammed. Die Liebe zu Gott steht für sie im Mittelpunkt. Sie sind davon überzeugt, dass sie schon zu Lebzeiten eine besonders enge Freundschaft zu Gott aufbauen können. Das geschieht stufenweise bei einem langwierigen Lernprozess, der unter Anleitung eines ausgebildeten Sufi-Meisters durchlaufen wird.

Orden ähneln Klöstern

Sufis leben ein asketisches Leben, meditieren viel, errichten für ihre Heiligen Schreine. Die verschiedenen Orden haben ihre eigenen Riten und Rituale. Große Bedeutung hat in den Orden die enge Bindung zwischen den Schülern und ihren spirituellen Meistern (Scheich oder Pir), die ihnen den Weg zur göttlichen Erkenntnis weisen. Die Ordenszentren ähneln zwar in gewisser Weise den abendländischen Klöstern, allerdings gibt es auch erhebliche Unterschiede zum christlichen Mönchtum. So war der Zölibat unter Sufis nie weit verbreitet.

Am bekanntesten sind wohl die tanzenden Derwische des Mevlevi-Ordens. Weltweit gibt es Schätzungen zufolge 15 Millionen Sufis, die zwischen Indien und Westafrika verstreut sind. Nach anderen Angaben sollen allein in Ägypten 15 Millionen Sufis leben.

Konflikte mit den Normen der Scharia

Der Sufismus ist beinahe so alt wie der Islam selbst. Bedeutende Vertreter sind der Perser al-Halladsch, der 922 als Ketzer auf dem Scheiterhaufen starb, sowie die Araber Al-Ghazali (1058-1111), Ibn Arabi (1165-1240) und der mystische Dichter Dschalal ad-Din ar-Rumi (1207-1273). Seit dem 12. Jahrhundert entstanden in der ganzen islamischen Welt auch Sufi-Orden, die sich jeweils auf einen geistlichen Gründer berufen. Bekannte, international verbreitete Bruderschaften sind etwa die Mevleviya, Naqschbandiya oder Qadiriya.

Der pakistanische Politikwissenschaftler Syed Qamar Afzal Rizvian sieht in den Sufis wegen ihrer Ablehnung jeglicher Gewalt einen Gegenpol zum religiösen Extremismus. Allerdings sieht sich der Sufismus auch heftiger Kritik vonseiten der sunnitischen Orthodoxie und radikaler Kräfte ausgesetzt. Sie werfen den Sufi-Bruderschaften Häresie und Verstöße gegen die religiösen Regeln vor. Denn die sufistische Überzeugung von einer mystischen "inneren" Bedeutung des Koran führte immer wieder zu Konflikten mit den Normen der Scharia. In besonders streng-islamischen Ländern, wie im Iran, in Saudi-Arabien oder in Pakistan werden Sufis verfolgt oder regelmäßig zum Ziel von Anschlägen.

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