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Ägypten trauert - Kairo fordert Unterstützung im Terrorkampf

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Nach dem verheerenden Anschlag in Ägypten mit über 300 Toten reagiert Kairo mit einer militärischen Offensive. Und verlangt von den mächtigen Staaten mehr als nur moralische Hilfe.

Trauernde Angehörige nach dem Anschlag in Ägypten am 25.11.2017
Trauernde Angehörige nach dem Anschlag in Ägypten am 25.11.2017 Quelle: ap

Der Anschlag wurde weltweit scharf verurteilt, darunter von den USA, Deutschland, Russland, Frankreich, Großbritannien sowie von den politischen Rivalen Iran und Saudi-Arabien. Papst Franziskus erklärte am Sonntag, er bete für die "vielen Opfer". Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu rief zum gemeinsamen Kampf gegen den Terror auf.

Der Sprecher des ägyptischen Außenministeriums, Ahmed Abu Seid, begrüßte die vielen Mitleidsbekundungen aus dem Ausland. Ägypten brauche aber mehr als nur "moralische Unterstützung", sagte er dem Fernsehsender DMC: "Wir wollen, dass die politisch und finanziell mächtigen Länder allen Ländern, die vom Terrorismus bedroht sind, mit echter Unterstützung beistehen".

Neue Allianz "starkes Signal" gegen Terror

Fast schon wie eine Antwort auf Kairos Appell wirkte da die Gründung einer islamischen Antiterror-Koalition, deren Start am Sonntag bei einem Verteidigungsministertreffen der Mitgliedstaaten in Riad verkündet wurde. Das Militärbündnis sei ein "starkes Signal" an terroristische Organisationen, die in den vergangenen Jahren "in unseren Ländern" aktiv gewesen seien, sagte Saudi-Arabiens Kronprinz Mohammed bin Salman als Initiator der Allianz.

Künftig würden alle Mitglieder ihre "militärischen, finanziellen und politischen Bemühungen" sowie ihre Geheimdienst-Aktivitäten bündeln, um "Terrorismus und Extremismus" wirkungsvoller zu bekämpfen, sagte Salman weiter. Die Militärkoalition hat offiziell 41 Mitglieder, zumeist Länder mit sunnitischer Führung. Riads schiitischer Rivale Teheran sowie dessen Verbündete Irak und Syrien sind ausgeschlossen.

Die Angreifer schossen auf Flüchtende

Ägypten gedachte unterdessen der Opfer des verheerenden Anschlags. Bei der Attacke auf die vorwiegend von Sufis besuchte Moschee wurden mindestens 305 Menschen, darunter 27 Kinder, getötet und 128 weitere verletzt. Bis Sonntag bekannte sich niemand zu der Bluttat, doch trägt sie nach Angaben der ägyptischen Staatsanwaltschaft die Handschrift der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS).

Laut Staatsanwaltschaft hatten bis zu 30 bärtige Angreifer in Kampfmontur während des Freitagsgebets die Moschee al-Rauda im Dorf Bir al-Abed im Norden der Sinai-Halbinsel angegriffen. Sie fuhren mit insgesamt fünf Geländewagen vor, warfen eine Bombe und schossen dann auf die flüchtenden Gläubigen. Dabei ließen sie die typischen schwarzen IS-Fahnen wehen. "Niemand in der Moschee entkam unverletzt", sagte der Bruder des Imam der Moschee der Nachrichtenagentur AFP. Der Imam erlitt demnach Schussverletzungen am Fuß und steht unter starkem Schock.

Brutales Vorgehen gegen Sufismus -Anhänger

In der Region kämpft ein ägyptischer Zweig des IS seit Jahren gegen Sicherheitskräfte und gegen Zivilisten, denen er Zusammenarbeit mit den Behörden vorwirft. Ebenfalls im Visier des IS sind immer wieder christliche Kopten sowie Anhänger des Sufismus, einer in Ägypten stark verwurzelten mystischen Strömung des Islam, die von radikalen Muslimen als "Ketzer" angesehen werden. Erst im vergangenen Jahr hatten IS-Kämpfer einen älteren Sufi-Anführer geköpft, den sie der "Hexerei" bezichtigten.

Die Moschee von Bir al-Abed war als Versammlungsort der Sufis bekannt. Eine der bei dem Anschlag verletzten Gläubigen, Magdi Risk, berichtete der Nachrichtenagentur AFP, dass Sufis in der Gegend schon vorher von Extremisten bedroht worden seien.

Trotz ihrer Trauer zeigten sich führende Vertreter des Sufismus entschlossen, sich nicht einschüchtern zu lassen. Die beliebten Feiern zum Geburtstag des Propheten Mohammed, die den Radikalen ein Dorn im Auge sind, würden wie geplant am kommenden Freitag abgehalten, kündigten sie am Samstagabend an.

Militär flog Luftangriffe im Anschlagsgebiet

Präsident Abdel Fattah al-Sisi hatte kurz nach dem blutigsten Anschlag in der Geschichte das Landes rasche Vergeltung angekündigt. Armee und Polizei würden "binnen kurzer Zeit Sicherheit und Stabilität" wiederherstellen, erklärte der ehemalige Armeechef. Wenige Stunden später flog die Luftwaffe Angriffe in dem Anschlags-Gebiet. Dabei wurden nach Angaben eines Militärsprechers Waffen- und Munitionslager der "Terroristen" sowie bei dem Anschlag eingesetzte Geländefahrzeuge getroffen und deren Insassen getötet.

Der erste Anschlag von Islamisten auf eine Moschee in Ägypten überhaupt ist eine Verzweiflungstat, wie ZDF Korrespondent Uli Gack berichtet.

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