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Vorhersehbarer plötzlicher Tod? - Ägyptens Ex-Präsident Mohammed Mursi ist tot

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Der frühere ägyptische Präsident Mohammed Mursi ist bei einer Gerichtsverhandlung zusammengebrochen und verstorben. Menschenrechtler sprechen von vorhersehbarem Tod.

Archiv: Mohammed Mursi am 13.07.2012 in Kairo
Mohammed Mursi (Archivbild)
Quelle: ap

Der frühere ägyptische Präsident Mohammed Mursi ist tot. Der ehemalige Staatschef sei am Montag während eines Prozesses gegen ihn ohnmächtig geworden und gestorben, berichtete das ägyptische Staatsfernsehen. Mursi wurde 67 Jahre alt. Die genaue Todesursache war zunächst unbekannt. Aus Angst vor Protesten von Anhängern Mursis erhöhte das ägyptische Innenministerium die Alarmbereitschaft.

Menschenrechtler: Plötzlicher Tod Mursis war vorhersehbar

Der plötzliche Tod Mursis ist nach Ansicht von Menschenrechtlern vorhersehbar gewesen. Die ägyptische Regierung habe es unterlassen, ihm eine angemessene medizinische Versorgung zu gewähren, erklärte die Nahost-Direktorin der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW), Sarah Leah Whitson, am Montag über Twitter.

2017 hatte HRW bereits in einem Bericht beklagt, Mursis Haftbedingungen könnten zu einer Verschlechterung seiner Gesundheit beigetragen haben. So seien ihm unter anderem über mehrere Jahre Besuche seiner Familie und seiner Anwälte untersagt worden.

Amnesty International fordert umfassende Untersuchung

Auch Amnesty International verlangt eine umfassende Untersuchung zum Tod des früheren ägyptischen Präsidenten. Die ägyptischen Behörden müssten den Umständen seines Todes "unvoreingenommen, gründlich und transparent" nachgehen, sagte die stellvertretende Nahost-Direktorin der Menschenrechtsgruppe, Magdalena Mughrabi. Gleiches gelte für das Überprüfen seiner Haftbedingungen und seines Zugangs zu medizinischer Versorgung. Sein Ableben "werfe ernste Fragen zu seiner Behandlung in Gewahrsam" auf.

Staatsanwaltschaft ermittelt

Ägyptens Staatsanwaltschaft leitete nach Mursis plötzlichem Tod eine Untersuchung ein. Die Behörde ordnete am Montagabend nach eigenen Angaben eine Obduktion an, um die Todesursache festzustellen. Auch die Überwachungsbilder aus dem Gerichtssaal wurden beschlagnahmt und sollten ausgewertet werden, teilte die Staatsanwaltschaft weiter mit.

Mursi habe am Nachmittag während eines Berufungsprozesses gegen ihn noch etwa fünf Minuten lang vor Gericht gesprochen, erklärte die Staatsanwaltschaft. Danach sei er zusammengebrochen und ins Krankenhaus gebracht worden, wo die Ärzte seinen Tod festgestellt hätten. Beim Eintreffen in der Klinik habe er keinen Puls mehr gehabt und nicht mehr geatmet. Am Leichnam seien keine neueren äußeren Verletzungen zu erkennen gewesen.

Erster demokratisch gewählter Präsident

Der Islamist war im Juni 2012 als erster frei gewählter Präsident des nordafrikanischen Landes an die Macht gekommen. Er wurde damals Nachfolger von Langzeitherrscher Husni Mubarak, der im Februar 2011 nach Massenprotesten vor allem auf dem Kairoer Tahrir-Platz abtreten musste. Mursis Amtsübernahme verband sich mit der Hoffnung, dass Ägypten nach Jahrzehnten der autoritären Herrschaft der Übergang in die Demokratie gelingen könnte. Diese Hoffnungen wurden jedoch - wie auch in anderen Ländern der arabischen Welt - bitter enttäuscht.

Mursi gehörte lange den islamistischen Muslimbrüdern an, die von vielen in Ägypten misstrauisch beobachtet werden. Während seiner Herrschaft kam es immer wieder zu Demonstrationen, aus denen im Sommer 2013 Massenproteste gegen den damaligen Präsidenten wurden. Seine Kritiker warfen ihm vor, die Interessen der Muslimbrüder an die erste Stelle zu setzen und eine religiöse Herrschaft errichten zu wollen. Am 3. Juli 2013 griff das Militär unter Führung des heutigen Präsidenten Abdel Fattah al-Sisi ein. Nach einem Ultimatum setzte es Mursi bei einem Putsch ab und übernahm selbst die Macht am Nil. Proteste gegen den Sturz des islamistischen Staatsoberhauptes ließ die Armeeführung blutig niederschlagen.

Viele gesellschaftliche Gruppen arbeiteten gegen den Präsidenten

Mursis Präsidentschaft war geprägt von Konflikten mit dem Militär, mit der Justiz und mit der Revolutionsjugend, die die Revolte gegen Mubarak getragen hatte. Er selbst strahlte wenig Charisma aus und galt als treuer Bürokrat der Muslimbrüder. Mursi schaffte es vor allem nicht, Vertrauen zu nicht-islamistischen Gruppen aufzubauen.

Diese lehnten eine Zusammenarbeit mit ihm ab, obwohl ihn viele 2012 in der Stichwahl um das Präsidentenamt unterstützt hatten. Gleichzeitig arbeiteten aber auch viele Staatsorgane gegen ihn und versuchten, seine Herrschaft zu untergraben. Vor allem in der Justiz traf er auf starken Widerstand. Die Richter legten aus Protest zeitweise ihre Arbeit nieder. Anhänger der Islamisten sprachen von alten Seilschaften aus Zeiten der Mubarak-Herrschaft. Mursi entließ zwar im August den Armeechef und Verteidigungsminister Mohammed Hussein Tantawi sowie den Generalstabschef Sami Anan, konnte aber das Militär, den eigentlichen Herrscher Ägyptens, nicht entmachten.

Mursis Karriere war typisch für die eines Muslimbruders. Er wurde 1951 in einem Dorf der Provinz Scharkija als Sohn eines Bauern geboren. Einen Teil seiner akademischen Laufbahn absolvierte er in den USA. Als Maschinenbau-Ingenieur gelang ihm ein sozialer Aufstieg. 2012 trat er für die Muslimbrüder jedoch nur als Ersatzkandidat an, weil die Wahlkommission den eigentlichen Favoriten der Organisation aus formalen Gründen von der Wahl ausgeschlossen hatte.

Seit dem Sturz inhaftiert

Seine Anhänger sahen in ihm bis zu seinem Tod den rechtmäßigen Präsidenten des Landes. Sein Sturz nach dem Putsch symbolisiert auch den Niedergang der Muslimbrüder. Mursi wurde Dauergast als Angeklagter vor Gericht und mehrfach zu langen Haftstrafen verurteilt. Vorgeworfen wurde ihm unter anderem die Tötung von Demonstranten bei Protesten gegen seine Herrschaft und angebliche Spionage für Katar. Wegen eines Gefängnisausbruchs erhielt er zunächst sogar die Todesstrafe, die später jedoch in eine langjährige Haftstrafe umgewandelt wurde. Bis zu seinem Tod saß Mursi im Gefängnis.

Wie ihm erging es vielen Muslimbrüdern. Unter Führung des autoritären Herrschers Al-Sisi stufte die Regierung die Muslimbrüder als Terrororganisation ein und verfolgt sie bis heute mit harter Hand. Tausende Anhänger der Islamisten sitzen im Gefängnis, viele wurden trotz internationalen Protests zum Tode verurteilt.

Als einer der ersten internationalen Staatsführer kondolierte der Emir von Katar, Tamim bin Hamad Al Thani - ein Verbündeter der Muslimbrüder und Erzfeind der jetzigen ägyptischen Führung.

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