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Bundesärztekammer - Ärztepräsident Montgomery tritt ab

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Nach acht Jahren als Präsident der Bundesärztekammer ist Schluss: Frank Ulrich Montgomery hat das Gesundheitswesen stark mitgeprägt. Vier Nachfolge-Kandidaten stehen bereit.

Archiv: Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer, aufgenommen am 22.02.2017 in Berlin
Frank Ulrich Montgomery war acht Jahre lang Präsident der Bundesärztekammer. (Archiv)
Quelle: imago images / photothek

Er ist drahtig und durchsetzungsfähig: Frank Ulrich Montgomery (66) ist als Präsident der Bundesärztekammer (BÄK) eine zentrale Figur im Gesundheitswesen. Doch nach achtjähriger Amtszeit tritt der Hamburger Radiologe auf dem Deutschen Ärztetag in Münster nicht erneut für dieses Amt an.

Um seine Nachfolge bewerben sich vier Kandidaten: die Chefin der niedersächsischen Landesärztekammer und Fachärztin für Innere Medizin, Martina Wenker (60), der Berliner Kammerchef und Chirurg Günther Jonitz (60), der Präsident der bayerischen Landesärztekammer und Hausarzt Gerald Quitterer (63) und der Chef des Ärzteverbandes Hartmannbund und Allgemeinmediziner, Klaus Reinhardt (59).

Spott, Kritik und Respekt für Spahn

In der Auseinandersetzung mit der Politik werde er wohl eher "von dem leichten Florett ein kleines bisschen zum Degen übergehen. Aber vom Säbel bin ich weit entfernt", so hatte der Sohn eines britischen Offiziers und einer deutschen Hausärztin bei seinem Amtsantritt erklärt. Zuvor stand er von 1989 bis 2007 an der Spitze des Marburger Bundes und schaffte es, ihn zu einer schlagkräftigen Ärztegewerkschaft auszubauen. Die Ärzte seien selbstbewusster geworden, sagt er.

Für Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat er leichten Spott, Kritik und Respekt übrig. "Spahn prescht vor und hat die Folgen nicht immer vor Augen." Das empfinde mancher als Aktionismus. Zugleich bescheinigt er dem CDU-Politiker, dass er Themen anpackt und auch zurückrudert, wenn ihn Argumente überzeugen.

Am Wochenende warf der Ärztepräsident Spahn vor, mit mehreren geplanten Reformen die Sicherheit der Patienten zu gefährden. "Ärztliche Kernaufgaben sollen schrittweise an Berufe ausgelagert werden, die dafür nur unzureichend ausgebildet sind", sagte Montgomery. Und wandte sich gegen Pläne, Apothekern künftig Grippe-Schutzimpfungen zu erlauben.

Montgomery zieht positive Bilanz

Mit Blick auf seine Amtszeit zieht Montgomery eine positive Bilanz. "Wir erreichen heute mehr, und das an den für die Versorgung entscheidenden Stellen", sagte er kürzlich. Und verwies auf die Debatten über ethische Themen - von der Sterbehilfe bis zu pränatalen Tests. "Wir haben die Skandale der Transplantationsmedizin bewältigt, das Organspendegesetz intensiv beeinflusst. Und wir sind gefragter Gesprächspartner der Politik, ob zum Umgang mit Cannabis oder zur Digitalisierung."

Nicht erreicht habe er, eine neue Gebührenordnung für Ärzte zu verhandeln, räumt der Ärztepräsident ein. Der Status Quo sei eine Zumutung: "Wir arbeiten noch immer mit der gleichen Gebührenordnung wie vor 35 Jahren. Zahlreiche Leistungen sind darin nicht mehr abgebildet."

Montgomery zeigt sich sicher: Das wirtschaftliche Denken in der Medizin hat zugenommen. Das gelte für private Klinikkonzerne ebenso wie für Krankenkassen. "Natürlich brauchen wir auch ökonomisches Handeln. Nichts wäre unsozialer und unsolidarischer, als das Geld der Versicherten zu verschwenden." Klar sei aber auch: "Die Ökonomie muss den Zielen der Medizin dienen, und nicht umgekehrt."

Zum Vorsitzenden des Weltärztebundes gewählt

Bei manchen ethischen Themen hat der mit einer Ärztin verheiratete Vater von zwei Kindern klar Stellung bezogen - etwa bei der gerade vor dem Bundesverfassungsgericht verhandelten Frage der Beihilfe zum Suizid. Ärztliche Beihilfe führe direkt zur Tötung auf Verlangen, warnt er. "Wenn wir Sterbehilfe als Ärzte betreiben sollten, müssten wir es qualitätsgesichert und nach allen Prinzipien der guten medizinischen Praxis machen. Das würde bedeuten: Sterbewilligen würde das Gift über einen Venenzugang injiziert. Wo ist da dann noch der Unterschied zur Euthanasie?"

Langeweile wird auch in Zukunft nicht aufkommen. Die Digitalisierung und die Gesundheitsversorgung der alternden Gesellschaft sind Megathemen. Die Politik müsse aufwachen und die Zahl der Studienplätze für Mediziner erhöhen, fordert er. Ganz zurückziehen aus der ärztlichen Berufspolitik will er sich nicht. Er bleibt Präsident des Ständigen Ausschusses der Ärzte der Europäischen Union und ist gerade zum Vorsitzenden des Weltärztebundes gewählt worden. Langer Atem ist nötig. Den hat sich Montgomery bei seinen möglichst täglichen sieben Kilometer langen Joggingrunden am Elbstrand antrainiert.

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