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Ärztin warnt vor Keimen - "Die Wartung von Klimaanlagen ist ein Problem"

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Laut Studien sind Mitarbeiter in klimatisierten Büros häufiger krank. Dies könne mit der Keimbelastung durch schlecht gewartete Anlagen zusammenhängen, sagt die Medizinerin Joos.

Klimaanlage im Büro
Eine Frau steuert die Fernbedienung einer Klimaanlage im Büro.
Quelle: imago

heute.de: Tun Klimaanlagen uns gut oder sind sie aus ärztlicher Sicht problematisch?

Stefanie Joos: Klimaanlagen können durch ein verbessertes Raumklima die kognitive Leistungsfähigkeit und Kreislauffunktion trotz heißer Außentemperaturen unterstützen und sogar dazu beitragen, gesundheitliche Probleme aufgrund hoher Temperaturen zu reduzieren. Problematisch wird es, wenn der Temperaturunterschied zwischen Innen- und Außenluft zu groß wird, Zugluft aufkommt oder die Luftfeuchtigkeit zu stark abnimmt. Dadurch können Kreislaufbeschwerden, Kopfschmerzen, Nackenverspannungen oder Erkältungen auftreten.

heute.de: Manche Mitarbeiter behaupten, Klimaanlagen würden Keime durchs Großraumbüro pusten.

Joos: Die Wartung von Klimaanlagen ist ein Problem. Sie wird oft nicht vorschriftsmäßig durchgeführt und kann dadurch zu vermehrter Keimdichte führen. Hier kann durch vorschriftsmäßige Wartung vorgebeugt werden. Das hat auch eine Studie bei Büroangestellten in den USA gezeigt, in deren Büros die Klimaanlagen mit speziellen UV-Bestrahlungselementen versehen wurden. Das konnte die mikrobielle Belastung verringern.

heute.de: Warum erkälten sich so viele Menschen, wenn sie im Flieger sitzen oder in einem Büro mit Klimaanlagen arbeiten?

Joos: Laut Studien leiden Büroangestellte, die in einem klimatisierten Büro arbeiten, häufiger an Atemwegserkrankungen. Hier stellt sich die Frage, warum das so ist. Einerseits können nicht oder nur unregelmäßig gewartete Klimaanlagen mit Filterfunktion zu Infektionen durch Mikroorganismen führen. Andererseits kühlen und vermindern Klimaanlagen die Luftfeuchtigkeit. Dadurch können die Schleimhäute austrocknen oder weniger durchblutet werden. Oder die Aktivität der Flimmerhärchen wird reduziert.

heute.de: Und das macht uns krank?

Joos: All das kann zu einer verminderten lokalen Immunabwehr führen. Dadurch wird die Schutzbarriere der Schleimhäute angegriffen und insbesondere Viren können durch das Immunsystem häufig nicht ausreichend abgewehrt werden. Im Flugzeug kommt noch dazu, dass viele Menschen auf engem Raum zusammensitzen und dadurch die Wahrscheinlichkeit von Tröpfcheninfektionen steigt.

heute.de: Haben wir Menschen eine Idealtemperatur?

Joos: Die eine Idealtemperatur gibt es nicht. Die subjektive Wahrnehmung wird neben der Temperatur auch durch andere Faktoren wie beispielsweise die Luftfeuchtigkeit und den Luftstrom beeinflusst und hängt auch von der momentanen körperlichen Aktivität ab.

heute.de: Aber wann fühlen wir uns besonders wohl?

Joos: Eine Wohlfühltemperatur liegt dann vor, wenn die Wärmebilanz des Körpers ausgeglichen ist: also die innere Wärmeerzeugung und die äußere Wärmezufuhr sowie die Wärmeabgabe. Oder, anders gesagt: Wenn wir also weder schwitzen noch frieren. Die äußere Wohlfühltemperatur ist individuell unterschiedlich, liegt jedoch für Frauen meist etwas höher als bei Männern. So hat eine kürzlich durchgeführte Studie gezeigt, dass bei Frauen die kognitive Leistungsfähigkeit bei höheren Temperaturen bis hin zu 30 Grad ansteigt, während sie bei Männern abfällt und das Maximum bei circa 20 Grad liegt. Bei schwerer körperlicher Arbeit oder nachts liegt die Wohlfühltemperatur niedriger.

heute.de: Was ist aus medizinischer Sicht schlimmer: Schwitzen oder Frieren?

Joos: Weder noch. Schwitzen und Frieren sind beides physiologische, das heißt ganz natürliche Anpassungsvorgänge des Körpers zur Wärmeregulation und um die Körpertemperatur auch bei wechselnden Umgebungstemperaturen konstant zu halten. Riskant wird es erst, wenn die eigene Thermoregulation nicht mehr ausreicht, um eine Überhitzung oder Unterkühlung mit den möglichen Folgeschäden wie Erfrierung von Körperteilen oder Hitzeschlag zu verhindern.

Das Interview führte Raphael Rauch. Dem Autor auf Twitter folgen: @raphael_rauch

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