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Land im Porträt - Äthiopien - Vielvölkerstaat am Horn von Afrika

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Der äthiopische Ministerpräsident Abiy Ahmed gilt als Hoffnungsträger in seinem Land. Er beendete einen blutigen Grenzkrieg mit dem Nachbarn Eritrea. Äthiopien im Porträt.

Karte von Eritrea und Äthiopien
Im Juli 2018 unterzeichneten Äthiopien und Eritrea einen Friedensvertrag, der den 20 Jahre dauernden Streit zwischen den Ländern offiziell beendete.
Quelle: ZDF

Äthiopien liegt in Ostafrika und ist mit rund 110 Millionen Einwohnern der bevölkerungsreichste Binnenstaat der Welt. Mehr als 100 verschiedenen Ethnien machen Äthiopien außerdem zum Vielvölkerstaat. Neben der Landessprache Amharisch gibt es mehr als 70 anerkannte Regionalsprachen. Die Hauptstadt Addis Abeba gehört zu den größten Metropolen Afrikas.

Drei Millionen Binnenvertriebene

Beim Index der menschlichen Entwicklung rangiert Äthiopien auf Platz 174 von 188 Ländern (Stand 2016). Mehr als 70 Prozent der Bevölkerung sind jünger als 30, fast die Hälfte jünger als 15 Jahre alt. Rund ein Drittel der Bevölkerung lebt unterhalb der Armutsgrenze. Als ein großes Entwicklungshindernis gilt das schnelle Bevölkerungswachstum. Mit etwa einer Million Menschen hat Äthiopien in Afrika die zweitmeisten Flüchtlinge aufgenommen und ist zudem mit rund drei Millionen Binnenvertriebenen konfrontiert, nachdem es zuletzt verstärkt zu ethnischen Konflikten innerhalb des Landes kam.

Nach dem Ende der italienischen Besetzung 1941 bemühte sich der damalige Kaiser Haile Selassie um eine Modernisierung des Landes, ohne jedoch seinen absolutistischen Herrschaftsstil und die feudalistische Gesellschaftsordnung aufzugeben. Heute ist Äthiopien ein föderaler Staat, es gibt eine Bundesregierung und Landesregierungen.

Frieden mit Nachbarland Eritrea

Regierungschef ist der Ministerpräsident, seit April 2018 Abiy Ahmed (43). Ihm sprach das Nobelpreiskomitee in Oslo am Freitag den Friedensnobelpreis 2019 für seinen Einsatz zur Lösung des Grenzkonflikts zwischen Eritrea und Äthiopien zu.

Die beiden Staaten führten von 1998 bis 2000 einen blutigen Grenzkrieg und blieben danach verfeindet. Das repressiv geführte
Eritrea schottete sich von der Außenwelt ab. Aus dem "Nordkorea Afrikas" flohen Hunderttausende Menschen, viele auch nach Deutschland.

Aus heiterem Himmel verkündete Abiy dann im Sommer 2018, er würde mit Eritrea bedingungslos Frieden schließen. Seitdem haben die Staaten zwar wenig Fortschritt gemacht: Kaum Gespräche wurden geführt, große Streitpunkte sind noch immer offen. Doch die Symbolkraft des Friedensschlusses in den Ländern und der Region war enorm. Das Nobelkomitee wies besonders auf diese Initiative Abiys hin, die ihm die Auszeichnung einbringe.

Viele Welterbestätten

Anders als die meisten afrikanischen Länder ist Äthiopien seit alters her christlich geprägt. Etwa 43 Prozent der Bevölkerung sind äthiopisch-orthodoxe Christen, 33 Prozent Muslime, etwa 18 Prozent Protestanten. Die katholische Kirche ist mit 0,7 Prozent eine kleine Minderheit.

In seiner rund 3.000-jährigen Geschichte wurde Äthiopien nur einmal besetzt: während des Zweiten Weltkriegs durch Italien. Die fast ungestörten Kultur- und Zivilisationsentwicklung sorgte dafür, dass das Land heute die höchste Zahl an Unesco-Welterbestätten in Afrika aufweist.

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