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Rechtspopulisten drittstärkste Kraft - AfD-Chef Gauland: "Werden sie jagen"

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Die AfD zieht mit 13,2 Prozent als drittstärkste Kraft in den Bundestag ein. "Ein großer Tag", jubelte AfD-Spitzenkandidat Gauland - und kündigte einen harten Kurs gegen die künftige Bundesregierung an: "Wir werden sie jagen und uns unser Land zurückholen". 

Vor der Wahlparty der AfD in Berlin protestieren einige hundert Demonstranten gegen die rechtspopulistische Partei. Die Polizei ist mit einem Großaufgebot vertreten.

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Der rechtspopulistische Politiker bedankte sich bei den Wählern für das Vertrauen. "Wir werden uns dafür einsetzen, dass die Menschen auf der Straße denken, dass sie im Bundestag wieder eine Rolle spielen." Spitzenkandidatin Alice Weidel will mit Gauland zusammen die Fraktion anführen, wie sie ankündigte.

Nach Weidels Ansicht muss das Ergebnis bei den etablierten Parteien Anlass zur Selbstkritik sein. Mit der AfD erhalte der Bundestag wieder eine echte Opposition. "Das hat dieses Land auch verdient", sagte Weidel, die am Bodensee angetreten war. Als eine der ersten Aktionen im Bundestag strebe sie einen Untersuchungsausschuss an, der sich mit angeblichen Rechtsbrüchen der vergangenen Bundesregierung befassen müsse.

Stärkste Partei in Ostdeutschland

Vor allem in Ostdeutschland ist die AfD stark - dort erreichte sie 22,8 Prozent, im Westen 11,3 Prozent. Vor dem Gebäude in Berlin, in dem die AfD ihren Einzug in den Bundestag feiert, protestieren mehrere Hundert Menschen. Zugleich habe die Polizei mehrere Hundertschaften am Berliner Alexanderplatz zusammengezogen.

Merkel: "Große Aufgabe"

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat den Einzug der AfD in den Bundestag als "große Aufgabe" bezeichnet. Sie wolle die Wähler der AfD zurückgewinnen, sagte Merkel in der CDU-Parteizentrale in Berlin. Die Union habe auf ein besseres Ergebnis gehofft als die erzielten rund 33 Prozent, räumte Merkel ein, betonte aber gleichzeitig: "Wir haben einen Auftrag eine Regierung zu bilden." Man werde der AfD begegnen, in dem "wir die Ängste und Sorgen der Menschen ernstnehmen und eine entsprechende, gute Politik machen".

Wegen des starken AfD-Ergebnisses könnte der Unionsstreit über Merkels Flüchtlingspolitik wieder aufflammen, zumal die CSU in Bayern nach ersten Prognosen auf 38,5 Prozent gefallen ist (2013: 49,3). CSU-Chef Horst Seehofer hatte eine Obergrenze für den Zuzug einst als Bedingung für eine Koalitionsbeteiligung genannt.

Darauf dürfte er bei der ablehnenden Merkel pochen, um vor der bayerischen Landtagswahl 2018 weiteren Zuwachs für die AfD zu verhindern. Es komme nun darauf an, die offene Flanke auf der rechten Seite zu schließen, sagte Seehofer, "am besten durch eine Politik, die gewährleistet, dass Deutschland Deutschland bleibt."

Schulz: Bollwerk der Demokratie

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz bezeichnete das starke Abschneiden der AfD bei der Bundestagswahl als bedrückend. Mit ihr werde erstmals eine rechtsextreme Partei in Fraktionsstärke in den Bundestag einziehen. "Das ist eine Zäsur, und kein Demokrat
kann darüber einfach hinweggehen", sagte Schulz. Zentrale Aufgabe der SPD bleibe es, den sozialen Zusammenhalt in der Gesellschaft zu organisieren. Man werde den Kampf für Demokratie, Toleranz und Respekt weiterführen. "Wir sind das Bollwerk der Demokratie in diesem Land."

"Wir werden mit aller Kraft dagegenarbeiten, dass Deutschland verändert wird", betonte die schleswig-holsteinische Ministerpräsidentin Manuela Schwesig im ZDF. Man werde sich aber auch vor allem Gedanken machen müssen, was die Menschen zu dieser Wahl animiert habe. "Wenn rechtspopulistische Parteien einziehen, dann haben wir auch den Auftrag, uns damit auseinanderzusetzen".

Zentralrat der Juden: "Das wahre Gesicht enthüllen"

Der Zentralrat der Juden in Deutschland sieht nach der Bundestagswahl Deutschland vor der größten demokratischen Herausforderung seit 1949 - dem Jahr ihrer Gründung. "Erstmals ist eine rechtspopulistische Partei, mit starken Überschneidungen zur rechtsextremen Szene, in dieser Größenordnung in den Bundestag gewählt worden", teilte der Zentralrat am Sonntagabend mit.

Die anderen Parteien im Bundestag dürften sich von der AfD weder gegeneinander ausspielen noch provozieren lassen. "Ich erwarte von unseren demokratischen Kräften, dass sie das wahre Gesicht der AfD enthüllen und die leeren, populistischen Versprechen der Partei entlarven", sagte Zentralratspräsident Josef Schuster.

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