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Kritik an Evangelischer Kirche - AfD: Kirche legt sich mit Mächtigen ins Bett

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Keine Einladung auf Podien des Kirchentags, Kollekten für Klimaschutz, irgendwie zu politisch - die AfD beklagt sich über die Evangelische Kirche. Die spricht von einem "Zerrbild".

Björn Höcke stellt kirchenpolitisches Papier vor
Björn Höcke stellt kirchenpolitisches Papier vor
Quelle: dpa

"Die Funktionäre der Evangelischen Kirche legen sich mit den Mächtigen ins Bett", glaubt Björn Höcke, AfD-Fraktionschef im Thüringer Landtag. Gemeinsam mit den Fraktionsvorsitzenden aus Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern hat er jetzt ein Positionspapier mit dem Titel "Unheilige Allianz" veröffentlicht. Darin beklagen sie, die Evangelische Kirche Deutschlands (EKD) und ihre Landeskirchen seien einseitig parteipolitisch, verbreiteten einen "rot-grünen Zeitgeist" und grenzten die AfD aus.

Das Papier ist, das betonen die Initiatoren, nicht die Position der gesamten AfD. Die EKD nimmt es daher "zur Kenntnis", wie ein Sprecher heute sagte. "Auch wenn unklar bleibt, inwieweit dieses Zerrbild von Kirche und Staat eine maßgebliche Position innerhalb der AfD beschreibt."

Kollekte für den Klimaschutz?

Bei der Vorstellung des Papiers forderte Höcke, die Kirchen sollten das Evangelium verbreiten und sich nicht zur Tagespolitik äußern. Die Kirche sei aber "mehr und mehr" politische Organisation, wie es in dem Papier heißt. In historischer Kontinuität des Nationalsozialismus und der DDR "schmiege" sich die Kirche an den "Zeitgeist und die Mächtigen", heißt es da. Jüngste Beispiele nach Auffassung der AfD: der Besuch des EKD-Ratsvorsitzenden bei der zivilen Seenotrettung in Italien und die Klimapolitik. Kirche solle nicht auf die "Klimahysterie"-Zug aufspringen, sagte Nikolaus Kramer, AfD-Fraktionschef in Mecklenburg-Vorpommern. Zwar sei auch er für die Bewahrung der Schöpfung. Eine Kollekte für Klimaschutzprojekte, die am Sonntag bei der Einführung der neuen Landesbischöfin der Nordkirche eingesammelt wurde, lehnt er jedoch ab.

Die AfD und die Rechtsextremen in ihren Reihen: Seit Jahren versucht der Flügel, eine Rechtsaußen-Gruppierung um Thüringens Landeschef Björn Höcke, die Partei immer weiter nach rechts zu rücken.

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Das Papier entstand, nachdem vor zwei Jahren die Partei beim Kirchentag in Berlin keine Einladung für Podiumsdiskussionen bekommen hatte. Auch dieses Jahr wird die AfD beim Laientreffen der Protestanten, das am 19. Juni in Dortmund beginnt, nicht bei Veranstaltungen mitdiskutieren. "Bedauerlich" ist das laut Markus Wagner, Fraktionschef im Düsseldorfer Landtag. Das sei ein "großer Fehler".

Dortmunder Kirchentag bleibt bei Beschluss

Hans Leyendecker, Präsident des Kirchentages in Dortmund, findet den Präsidiumsbeschluss des Kirchentages nach wie vor richtig, keinen Repräsentanten der AfD auf ein Podium einzuladen. "Die AfD hat sich weiter radikalisiert", sagt Leyendecker. "Wir müssen verhindern, dass eine Veranstaltung des Kirchentags ein Podium für Propaganda, für Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Islamophobie bietet." Außerdem sei ein Kirchentag keine Veranstaltung nach Proporz. "Wir laden keine Repräsentanten von Parteien ein, das ist ein Missverständnis. Wir laden Menschen ein, die zu Themen etwas Wichtiges zu sagen haben." Zu den Veranstaltungen könnten die Mitglieder der AfD durchaus kommen.

Der Kirchentag ist als Diskussionsveranstaltung vor 70 Jahren als Reaktion auf das Versagen der Kirchen im Kampf gegen den Nationalsozialismus gegründet worden. "Mit Blick auf die Gründungsidee", heißt es im Beschluss des Präsidiums, "ist in der Frage der AfD Deutlichkeit geboten. Es gibt mittlerweile in der AfD einen fließenden Übergang zum Rechtsextremismus und Verbindungen zu verfassungsfeindlichen Netzwerken."

Kritik gilt auch den Katholiken

Die protestantischen Bischöfe hatten erst zu Pfingsten zu einer klaren Haltung gegen Demokratiefeindlichkeit und Populismus aufgerufen. Auch die katholische Kirche schloss sich dem an. "Wir wollen aufeinander hören mit Respekt und die Sorgen des anderen hören", hatte Kardinal Reinhard Marx, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, in seiner Pfingstpredigt gefordert. Die Kritik der AfD gilt indes auch der katholischen Kirche. "Selbstverständlich", sagte Sachsens Fraktionschef und Spitzenkandidat bei den Landtagswahlen im Herbst, Jörg Urban. In Dresden werde die AfD beispielsweise auch dort nicht zu Diskussionsveranstaltungen eingeladen.

Nur einer der fünf AfD-Fraktionsvorsitzenden ist derzeit Mitglied in einer christlichen Kirche – in der katholischen.

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