Sie sind hier:

KZ-Gedenkstätte - AfD-Gruppe hetzt in Sachsenhausen

Datum:

Eine AfD-Gruppe stört eine Führung im KZ Sachsenhausen, die Polizei ermittelt wegen Volksverhetzung. Die Gedenkstätte beobachtet dieses Jahr eine Häufung solcher Provokationen.

Ehemaliges Konzentrationslager Sachsenhausen
KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen
Quelle: dpa

Eine AfD-Besuchergruppe aus dem Wahlkreis von Fraktionschefin Alice Weidel hat in der KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen bei Berlin mit rechten Äußerungen provoziert. Fünf bis sechs Personen aus der 17-köpfigen Gruppe hätten die Führung am 10. Juli "permanent unterbrochen und gestört", sagte Horst Seferens, Sprecher der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, dem ZDF. "Die Massivität der Störung und des Versuchs, die Gesprächsführung an sich zu reißen, das ist ungewöhnlich."

Dabei wurden auch "antisemitische und historisch unhaltbare Äußerungen" gemacht, sagte eine Sprecherin der Bundesregierung dem Berliner "Tagesspiegel", schreibt diese aber nur einem Teilnehmer zu. Die Fahrt der Gruppe vom Bodensee wurde dem Bericht zufolge vom Bundespresseamt finanziert. Weidels Büro äußerte sich überrascht. Ihr Sprecher sagte: "Beim Besuch der Gedenkstätte war Alice Weidel nicht zugegen."

Besucher juristisch "gut geschult"

Der Fall löst mit Verspätung Aufsehen aus. Aufgrund des Zeitungsberichts und der Anzeige eines Bürgers ermittelt die Polizei nun wegen des Verdachts der Volksverhetzung gegen Unbekannt, wie Sprecher Toralf Reinhardt dem ZDF bestätigte. Die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten selbst hatte keine Anzeige gegen die Besucher erstattet: "Offensichtlich waren sie gut geschult, denn sie haben justiziable Aussagen offenkundig bewusst vermieden", erklärte Seferens. Dennoch begrüßte er die Ermittlungen der Polizei.

Laut Seferens waren die Besucher vom Bodensee erst die zweite angemeldete AfD-Gruppe in der Gedenkstätte. Solche geschichtsrevisionistischen Provokationen gebe es "immer mal wieder, aber noch nie bei einer vom Bundestag organisierten Besuchergruppe". Seferens stellt diesem Jahr eine gewisse Häufung von Störungen in der Gedenkstätte "durch die populistische Welle in Deutschland" fest. Verlässliche Zahlen für diese Einschätzung gebe es aber noch nicht.

Brandanschlag machte 1992 weltweit Schlagzeilen

Rechtsextreme Hetze und Straftaten haben eine traurige Tradition in der KZ-Gedenkstätte. Vor allem in den 90er Jahren wurden fast jeden Monat Nazi-Parolen, Hakenkreuz-Darstellungen und antisemitische Sprüche in und außerhalb der Gedenkstätte gefunden, Rechtsradikale legten sogar Brände. Weltweit Schlagzeilen machte der Brandanschlag im September 1992, bei dem zwei ehemalige Baracken zerstört wurden. Sie wurden wiederaufgebaut und 2000 wiedereröffnet.

Im KZ Sachsenhausen waren zwischen 1936 und 1945 mehr als 200.000 Menschen inhaftiert. Zehntausende von ihnen wurden ermordet oder starben auf andere Weise. 1942 wurde in Sachsenhausen eine Vernichtungsanlage mit Krematorium, Genickschussanlage und später eingebauter Gaskammer errichtet, die von der SS als "Station Z" bezeichnet wurde.

In Deutschland ist die Meinungsfreiheit ein Grundrecht. Hetze und Stimmungsmache gegen Teile der Bevölkerung sind allerdings ausdrücklich verboten. Was steckt dahinter?

Beitragslänge:
1 min
Datum:
Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Die Website verwendet Cookies, um Ihnen ein bestmögliches Angebot zu präsentieren. Nähere Informationen und die Möglichkeit, die Verwendung von Cookies einzuschränken finden Sie hier.

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.