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AfD und die Spendenaffäre - Alice im Gau-Land

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Während heute in Magdeburg der Europawahlparteitag der AfD beginnt, gerät Alice Weidel in der Spendenaffäre weiter unter Druck. Am Ende könnte Alexander Gauland entscheidend sein.

Alice Weidel (r.) und Alexander Gauland (AfD), aufgenommen am 23.03.2018 in Berlin
Alice Weidel (r.) und Alexander Gauland
Quelle: imago/photothek

Alexander Gauland macht kehrt. Er muss nochmal zurück ans Rednerpult, weil er den wichtigsten Teil seiner Botschaft vergessen hat: "Wir stehen aber nur zusammen zur Verfügung. Man kann nicht getrennt abstimmen!" Köln im April 2017: Die AfD steht kurz davor, ihre Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl zu wählen. Gauland weiß: Tritt Alice Weidel alleine an, hat sie wohl wenig Chancen - keine Hausmacht, viele parteiinterne Kritiker, Gegenkandidaten bringen sich in Stellung. Also breitet der AfD-Übervater seine schützende Hand über ihr aus: "Wenn Ihr mich wollt, müsst Ihr auch sie nehmen, denn uns gibt es nur im Doppel", so die Botschaft. Es ist der Beginn eines Abhängigkeitsverhältnisses. Auch bei der Wahl zum Fraktionsvorsitz im Bundestag einige Monate später wird das Duo Gauland/Weidel mit demselben Trick schließlich gemeinsam gewählt.

Gauland brauchte Weidel, um Frauke Petry ins Abseits zu stellen und zu ersetzen. Er weiß: Weidel ist sowas wie das komplementäre Puzzleteil zu ihm an der AfD-Fraktionsspitze - jung, Frau, Westen, modern. Sie wiederum verdankt ihm ihre rasante Parteikarriere. Jetzt wird Weidel für Gauland zunehmend zum Problem.

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Gauland hat genaues Gespür für Stimmungslage

"Gauland hat ein genaues Gespür für die Stimmungslage in der Partei. Wenn er merkt, dass sich diese gegen Weidel richtet, wird er Konsequenzen ziehen", sagt ein Parteifreund, der nah am Fraktionschef dran ist.

Der Druck steigt. "Jetzt darf nichts mehr kommen!" hieß es eigentlich schon zu Beginn der Woche aus der Parteispitze, nachdem die verschleierte Großspende von umgerechnet rund 130.000 Euro aus der Schweiz öffentlich bekannt wurde. Mittwochnacht laufen wieder die Newsticker heiß. Diesmal geht es um 150.000 Euro, diesmal wohl aus den Niederlanden, wiederum gespendet an das Konto des Kreisverbandes Bodensee, dem Kreisverband von Alice Weidel. Anders als die Spende aus dem nicht-EU Ausland Schweiz wäre diese zwar erstmal legal, wurde aber als Großspende über 50.000 Euro nicht unmittelbar der Bundestagsverwaltung gemeldet und erst nach drei Monaten zurücküberwiesen.

Gauland verteidigt Weidel öffentlich

Am Mittwoch hatten Gauland und Weidel lange zusammen gesessen, um über die Spende aus der Schweiz zu sprechen. Stunden später erfuhr der Partei- und Fraktionschef von der zweiten Großspende. Gauland war stinksauer und soll laut geworden sein.

In der ZDF-Sendung maybrit illner verteidigte Gauland zwar seine Co-Fraktionschefin öffentlich: "Die Frau ist ganz jung in der Politik und hat sich nicht gleich mit dem Parteiengesetz befasst." Die Fehler sieht er eher im Kreis- und Landesverband. Und doch scheint durch, dass es mit der Kommunikation zwischen Weidel und Gauland nicht allzu gut lief zuletzt: "Ich kannte die Sache nicht, ich habe sie genauso erfahren aus der Presse wie wir alle."

Bundesvorstand berät

Am Freitagvormittag kommt nun der AfD-Bundesvorstand zusammen. Weidel soll sich erklären, Fakten liefern. Es wird mit einer heftigen Auseinandersetzung gerechnet. Wie weiter mit Weidel? Eine Frage, die die Partei nun in Atem hält.

Dabei sollte es bei der AfD-Europawahlversammlung in Magdeburg an diesem Wochenende doch um etwas ganz anderes gehen. Rund 40 Listenplätze aus Hunderten Bewerbern sollen in den nächsten vier Tagen gewählt werden. Etwa 20 Abgeordnetenmandate hält die AfD bei der Wahl des EU-Parlaments im kommenden Jahr für realistisch. Der Rest soll Puffer sein für Nachrücker.

Meuthen soll Europawahl-Spitzenkandidat werden

Spitzenkandidat will Parteichef Jörg Meuthen werden. Auch Guido Reil aus NRW möchte auf einen der vorderen Listenplätze. Beide hatten selbst schon Ärger wegen dubioser Parteispenden. Im Fall Meuthen prüft derzeit noch die Bundestagsverwaltung. Beiden hat es in der Partei kaum geschadet.

Alice Weidel hofft, dass auch sie irgendwie davon kommt. Innerparteiliche Solidarisierungseffekte greifen. Doch diesmal geht es um andere Summen, um andere Folgen. Wenn es ganz dicke kommt, drohen der Bundespartei - laut Parteiengesetz - Hunderttausende Euro Strafzahlungen an die Bundestagsverwaltung. Das Wahlkampfbudget für die Europawahl könnte so zu großen Teilen aufgefressen werden. Weidel wäre wohl nicht rechtlich zu belangen, aber politisch schwer angeschlagen: "Dann wird Weidel dafür verantwortlich gemacht. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie das politisch überleben würde", sagt einer aus der AfD-Spitze.

Am Ende hängt vieles an Gauland. Er entscheidet, ob seine schützende Hand zur schubsenden Hand wird.

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