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Affäre um Entlassung des FBI-Chefs - Trump: Habe keine Comey-Aufzeichnungen

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Ein klassischer Trump: Eine wüste Behauptung in die Welt setzen, Nachfragen abblocken und irgendwann das Gegenteil behaupten. In diesem Fall will Trump nun doch keine Tonbänder von Gesprächen mit Ex-FBI-Chef Comey angefertigt haben. Er lässt aber offen, ob sie nicht doch existieren.

Ex-FBI-Chef Comey hat in einer Anhörung vor dem Geheimdienstausschuss des Senats US-Präsident Donald Trump belastet und der Lüge bezichtigt. Er habe ihn, Comey, und das FBI „diffamiert“ und versucht, Ermittlungen zu seinem Wahlkampfteam zu beeinflussen.

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Nach wochenlangem Rätselraten hat US-Präsident Donald Trump eingeräumt, dass er keine Aufnahmen von Gesprächen mit dem damaligen FBI-Chef James Comey im Weißen Haus hat. Trump selbst hatte dieses Thema vor mehr als 40 Tagen in die Welt gesetzt. Nun schrieb der Präsident auf Twitter, weder habe er Aufnahmen gemacht, noch sei er in deren Besitz.

Trump fügte aber hinzu, angesichts des vielen Abhörens der letzten Zeit, einer breiten elektronischen Überwachung und des illegalen Weitergebens von Informationen wisse er nicht, ob von den Gesprächen mit Comey Aufzeichnungen existierten. Mit dieser Formulierung schloss Trump nicht aus, dass das Weiße Haus möglicherweise verwanzt sei.

Trump hatte die Aufzeichnungen selbst zum Thema gemacht

Trump hatte Comey am 9. Mai überraschend entlassen. Drei Tage später twitterte der Präsident, Comey solle besser darauf hoffen, dass es keine Bänder der Gespräche gebe, bevor er Informationen an Medien durchsteche.

Der Präsident dürfte damit auf einen Bericht der "New York Times" reagiert haben, wonach er Comey bei einem Abendessen im Weißen Haus ein Loyalitätsversprechen abgenommen habe. Die Äußerungen des Präsidenten wurden allgemein als kaum verhüllte Drohung an Comey verstanden. Seither wird über etwaige Aufnahmen spekuliert. Senatsmitglieder und Medien forderten Trump auf, sie zu veröffentlichen. Nun versucht Trump, das Thema selber wieder abzuräumen.

Beispiel von Trumps Selbstbeschädigungen

Dieses Verhalten kann als klassisches Beispiel einer der selbst zugefügten Beschädigungen Trumps gelten. Letztlich könnte es dazu geführt haben, dass Comey seine schriftlichen Aufzeichnungen über das Gespräch mit Trump an die "New York Times" weitergab - was schließlich die Einsetzung des FBI-Sonderermittlers Robert Mueller nach sich zog, der nun auch Trump selbst im Fokus hat. Ein Vertrauter des US-Präsidenten sagte CNN, der "Aufzeichnungen"-Ausrutscher sei einer der ärgeren Fehler Trumps.

In einer Senatsanhörung hatte der entlassene FBI-Chef mehrere irritierende Details aus den Gesprächen mit Trump genannt, unter anderem von dem Abendessen im Weißen Haus. Trump und seine Anwälte hatten dem widersprochen. Wörtlich sagte Comey vor dem Senat: "Herrgott, ich hoffe, es gibt Aufzeichnungen."

Weißes Haus: "Die Tweets des Präsidenten sprechen für sich selbst"

Trump hatte am 9. Juni ein Statement zu diesem Thema für diese Woche angekündigt und hinzugefügt, es werde wohl enttäuschend sein. Eine Sprecherin sagte am Donnerstag, Trumps Tweets seien dermaßen klar, dass sie ihnen nichts hinzuzufügen habe. Gefragt, warum Trump für die Klarstellung so lange gebraucht habe, sagte sie: "Sie haben nach einer Antwort gefragt, jetzt haben sie eine."

Die Aufzeichnungen oder "Bänder" (tapes) spielten in der Diskussion über Comey und die dahinter liegende Russland-Affäre um eine Wahlbeeinflussung auch deswegen eine so große Rolle, weil sie für viele eine mögliche Parallele der aktuellen Vorgänge zur Watergate-Affäre darstellten. Anfang der 70er Jahre waren Aufzeichnungen von Gesprächen von Präsident Richard Nixon im Weißen Haus aufgetaucht. Infolge der Affäre trat Nixon zurück.

"Diese Regierung hört nie damit auf, mich zum Staunen zu bringen"

Der Top-Demokrat im Geheimdienstausschuss des Senats, Mark Warner, sah in dem Tweet einen Beweis für Trumps Bereitwilligkeit, "Dinge einfach zu erfinden". "Diese Regierung hört nie damit auf, mich zum Staunen zu bringen", sagte Warner. Es sei bemerkenswert, dass Trump erst gedankenlos den Tweet abgesetzt habe, um später die Medien und das ganze Land wochenlang abzublocken, kritisierte der Demokrat.

Der frühere republikanische Vorsitzende im Repräsentantenhaus, Newt Gingrich, verteidigte den Präsidenten. "Er ist kein professioneller Politiker", sagte Gingrich. Er denke nicht über Dinge wie Nixon und die Watergate-Affäre nach.

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