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Afghanistan - Präsident will Waffenruhe - Taliban entführen Busse

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In Afghanistan soll ab heute eine vorübergehende Waffenruhe mit den radikalislamischen Taliban gelten. Doch am Morgen entführen die Taliban prompt mehr als 100 Buspassagiere.

Präsident von Afghanistan Aschraf Ghani am 15.7.2018
Afghanische Regierung bewegt sich auf Taliban zu: Präsident Aschraf Ghani bietet dreimonatige Waffenruhe an (Archivbild vom 15.7.2018). Quelle: reuters

Radikalislamische Taliban haben in der nordafghanischen Provinz Kundus drei Reisebusse mit mehr als 100 Passagieren entführt. Die Busse seien um 7:30 Uhr morgens (Ortszeit) im Bezirk Chanabad auf einer Überlandstraße zum Anhalten gezwungen und von dort in ein Dorf in der Nähe gebracht worden, sagte Said Asadullah Sadat, ein Mitglied des Provinzrates.

Mittlerweile wurden laut der Polizei in der Provinz Kundus 144 der Busreisenden von den Taliban wieder freigelassen. 21 Reisende sind laut Polizei weiter in den Händen der Taliban. Ein Dutzend davon seien wohl Sicherheitskräfte, die anderen hätten sich nicht ausweisen können. Es gab widersprüchliche Angaben darüber, wie die Geiseln freikamen - und wie viele es waren: Laut Innenministerium hat ein Suchtrupp der afghanischen Streitkräfte 149 Geiseln befreit.

Präsident Ghani bietet dreimonatige Waffenruhe an

Die Entführung fand einen Tag nach einem erneuten Waffenstillstandsangebot von Präsident Aschraf Ghani an die Taliban statt. Ghani hatte den Aufständischen am Sonntag eine dreimonatige Waffenruhe angeboten. Die Regierung würde diese ab dem heutigen Montag einhalten, wenn sich auch die Aufständischen daran hielten.

"Der vorbehaltliche Waffenstillstand beginnt morgen und wird so lange dauern, wie ihn die Taliban bewahren und respektieren", sagte Ghani am Sonntag in Kabul. Einem hochrangigen Mitarbeiter des Präsidenten zufolge soll die Waffenruhe für drei Monate bis zum Geburtstag des Propheten Mohammed gelten, den Afghanistan am 21. November feiert. Er gelte nur für die Taliban und nicht für andere Extremisten-Gruppen wie den Islamischen Staat.

Pompeo und Stoltenberg begrüßen Vorstoß

US-Außenminister Mike Pompeo und NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg begrüßten den Vorstoß. Die USA und ihre internationalen Partner unterstützten die Initiative des afghanischen Volkes und der afghanischen Regierung und forderten die Taliban auf, sich zu beteiligen, erklärte Pompeo weiter. Die internationale Gemeinschaft hoffe, dass die afghanische Bevölkerung das Eid-al-Adha-Fest "in diesem Jahr in Frieden, frei von Furcht" feiern könne. Die USA seien bereit, direkte Friedensgespräche zwischen den Taliban und der afghanischen Regierung zu unterstützen. "Es gibt kein Hindernis für Gespräche", sagte Pompeo weiter.

In Afghanistan vergeht kaum ein Tag ohne einen Anschlag. Trotzdem verlassen die Einwohner Kabuls tagtäglich ihr Heim und riskieren ihr Leben, um einzukaufen oder zur Arbeit zu fahren.

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In Taliban-Kreisen hieß es, mehrere Anführer hätten einem viertägigen Waffenstillstand während des islamischen Opferfestes, das offiziell am Dienstag beginnt, zugestimmt. Allerdings stehe die Genehmigung von oberster Stelle noch aus. Dem afghanischen Innenministerium zufolge hatten die Taliban erst vor einigen Tagen in der nördlichen Provinz Farjab Teile eines Bezirks unter ihre Kontrolle gebracht. Mehr als 50 Soldaten würden vermisst. Zudem haben sich die Taliban in diesem Monat heftige Kämpfe mit Regierungstruppen um die Kontrolle der Stadt Ghasni geliefert, bevor die Soldaten mit US-Unterstützung die schwer bewaffneten Extremisten zurückdrängen konnten. Dabei kamen mindestens 150 Soldaten und 95 Zivilisten ums Leben.

UN: Seit Jahresbeginn mehr als 1.600 Zivilisten getötet

Bei Selbstmordanschlägen sowie Kämpfen zwischen Extremisten und afghanischen Soldaten sind im ersten Halbjahr mehr als 1.600 Zivilisten getötet worden, wie die Vereinten Nationen am Sonntag mitteilten. Seit dem Rückzug des Großteils der ausländischen Streitkräfte im Jahr 2014 haben die Taliban stetig an Boden gewonnen. Die afghanische Regierung stand zuletzt in der Kritik, weil sie die strategisch gelegene Stadt Ghasni zwischen Kabul und dem Süden des Landes nicht vor den Islamisten schützen konnte.

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