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Regierung und Nato töten mehr Zivilisten als die Taliban

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UN-Mission in Afghanistan - Regierung und Nato töten mehr Zivilisten als die Taliban

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Regierungstruppen und die Nato haben in Afghanistan dieses Jahr mehr Zivilisten getötet als die Taliban. Das geht aus einem Bericht der UN-Mission in Afghanistan hervor.

Tischler in Kabul, Afghanistan bauen Särge
Tischler in Kabul, Afghanistan bauen Särge
Quelle: reuters

Afghanische Truppen hätten von Januar bis Juni 403 Zivilisten getötet, die internationalen Kräfte 314, teilte die UN-Unterstützungsmission für Afghanistan (Unama) am Dienstag mit. Im gleichen Zeitraum hätten die Taliban, die Terrormiliz Islamischer Staat und andere Extremisten 531 Zivilisten getötet. Insgesamt seien 1.366 Zivilisten im ersten Halbjahr getötet und 2.446 weitere verletzt worden. Die Versuche der Konfliktparteien, die zivilen Opferzahlen zu reduzieren, kritisierte Unama als "unzureichend".

Zahl ziviler Todesopfer geht insgesamt zurück

Die 717 zivilen Opfer der Verbände von Regierung und Nato wurden offenbar meist bei Angriffen auf Aufständische getötet. Letztere verstecken sich oft unter Zivilisten. Dagegen nahmen die Aufständischen Zivilisten oft direkt ins Visier. Nach UN-Angaben wurden auf diese Weise 300 der 531 zivilen Opfer von Extremisten getötet. Die Taliban verüben fast täglich Angriffe auf Sicherheitskräfte.

Verglichen mit dem vergangenen Jahr ging die Zahl ziviler Todesopfer des Konflikts aber insgesamt um ein Viertel zurück. Bei Angriffen Aufständischer waren es sogar 43 Prozent weniger.

Unama appelliert an Konflikt-Parteien

Unama-Direktor Tadamichi Yamamoto äußerte sich auch kritisch über das ausbleibende Ergebnis der historischen innerafghanischen Gespräche Anfang Juli in Doha. Die Delegierten der Konfliktparteien hatten dort angekündigt, die Zahl der zivilen Todesopfer auf "null" zu reduzieren. Seither hat es jedoch mehrere Anschläge in Afghanistan gegeben, bei denen auch Zivilisten starben oder verletzt wurden.

"Jeder hat die Botschaft der afghanischen Delegierten bei den Gesprächen in Doha laut und deutlich gehört", erklärte Yamamoto. Er mahnte "alle Parteien" dazu an, ihr Versprechen einzuhalten und "sofortige Schritte" einzuleiten, um die Zahl der zivilen Opfer zu reduzieren. Nach UN-Angaben war 2018 das bislang tödlichste Jahr in Afghanistan. 3804 Zivilisten starben in dem seit 18 Jahren andauernden Konflikt, darunter 927 Kinder.

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