ZDFheute

Warum Afrika eine Chance für deutsche Firmen sein kann

Sie sind hier:

Investitions-Konferenz in Berlin - Warum Afrika eine Chance für deutsche Firmen sein kann

Datum:

Mehr Unternehmen sollen in Afrika investieren - insbesondere kleinere und mittlere. Wie Deutschland in Afrika investiert und warum die Wirtschaft trotz Milliarden-Förderung zögert.

Luftaufnahme der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba
Im Zeitraum von 2000 bis 2017 ist die afrikanische Wirtschaft jährlich um 4,7 Prozent gewachsen. Eine aufstrebende Metropole ist etwa Äthiopiens Hauptstadt Addis Abeba.
Quelle: Reuters

Bio-Schokolade made in Westafrika. Produziert von einem Unternehmen aus Europa, das von der Kakaoernte bis hin zur Verpackung in die gesamte Produktionskette investiert. Davon hat im besten Fall nicht nur das Unternehmen etwas, sondern auch die Menschen vor Ort profitieren - durch Arbeitsplätze, die das Unternehmen schafft. 

Kakaofarm in der Nähe des Nationalparks Tai in der Elfenbeinküste
In Westafrika sollen deutsche Investitionen in Bio-Schokolade Arbeitsplätze schaffen.
Quelle: imago

Diese Initiative ist eine von 20, die am Investitionsprogramm "AfricaConnect" der Bundesregierung teilnehmen möchten. Seit Juni läuft das Investitionsprogramm, das deutschen und europäischen Unternehmen Darlehen gewährt, die private Banken aufgrund hoher Risiken nicht geben würden. Bisher haben sich 100 Firmen interessiert gezeigt. Die ersten Verträge sollen diese Woche unterschrieben werden. 

Prestigeprojekt "Compact with Africa"

Die Bundesregierung hofft, mit Initiativen wie dieser mehr Unternehmen auf den afrikanischen Markt zu holen. "Compact with Africa" (CwA), das Prestigeprojekt der deutschen G20-Präsidentschaft, soll es ermöglichen. Ein ambitioniertes Projekt, denn bisher investieren deutsche Firmen lieber woanders. 

Von den weltweiten Direktinvestitionen Deutschlands fließt lediglich ein Prozent nach Afrika: 8,4 Milliarden Euro (Deutsche Bundesbank). Sogar in Malta investiert Deutschland dreihundert Millionen Euro mehr. Im Vergleich dazu: Frankreich als größter Afrika-Investor investiert rund 58 Milliarden Euro, gefolgt von den Niederlanden und den USA. China liegt mit rund 39 Milliarden Euro auf Platz fünf (UNCTAD).

Initiativen der Bundesregierung

Rund 850 deutsche Unternehmen sind laut Zahlen der Deutschen Bundesbank derzeit auf dem afrikanischen Kontinent aktiv. Mehr als die Hälfte davon in Südafrika. Neben Autobauern wie BMW, Daimler und VW produzieren dort auch Unternehmen wie Bayer und Siemens. In Ägypten sind es rund 70 Unternehmen mit einer Milliarde Euro. Zwischen Kairo und Kapstadt investieren deutsche Unternehmen hingegen kaum.

Die deutsche Wirtschaft investiert zögerlich

Die Zurückhaltung der Unternehmen hat verschiedene Gründe. Dem Institut für Demoskopie Allensbach nannten sie politische Instabilität, Korruption und Rechtsunsicherheit. Diese Risiken schrecken vor allem kleine und mittlere Unternehmen ab. "Hier in Deutschland neigen wir dazu, den Kontinent zu pauschalisieren", warnt Stefan Liebing, Vorsitzender des "Afrika Vereins der Deutschen Wirtschaft".

"Je nach Land und Branche ergeben sich unterschiedliche Chancen und Risiken." Der Verein berät Unternehmen, die in Afrika investieren, und organisiert den "G20 Investment Summit" in Berlin, auf dem heute auch Bundeskanzlerin Angela Merkel sprechen wird.

Kritik an "Compact with Africa"

Für die Wirtschaft ist der Kontinent aufgrund seines Wachstumspotentials interessant. Etwa die Hälfte der 20 am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften liegt in Afrika. Dazu kommen eine junge, wachsende Bevölkerung, neue Absatzmärkte und reiche Rohstoffvorkommen. 

Trotz "Compact with Africa" sind deutsche Investitionen aber nur leicht gestiegen. Außerdem zählen auch Autokraten wie Ägyptens Staatschef Abdel Fattah el-Sisi und Ruandas Langzeitherrscher Paul Kagame zu den Mitgliedern der Initiative. Dass die Bundesregierung mit ihren Förderungen auch korrupte und undemokratische Regierungen unterstützt, wird von Beginn an kritisiert.

Afrikanische Bevölkerung wird nicht einbezogen

Porträt von Richard Palm, Abteilungsleiter Afrika von "Brot für die Welt"
Reinhard Palm fordert eine Neuausrichtung von "Compact with Africa"
Quelle: Privat

Reinhard Palm von "Brot für die Welt" spricht sich grundsätzlich für Investitionen privater Unternehmen aus, warnt jedoch vor allem vor Großprojekten. "Zu oft wurde und wird angenommen, dass jede Investition gut ist. Je größer, desto besser, scheint oft die Devise zu sein." Es müsse enger mit den Menschen vor Ort zusammengearbeitet werden und auf die Einhaltung von Umwelt- und Menschenrechtsstandards geachtet werden, so Palm. Zusammen mit afrikanischen gemeinnützigen Organisationen hat "Brot für die Welt" eine Resolution veröffentlicht, in der sie eine Neuausrichtung für "Compact with Africa" fordern. 

Nach dem Milliarden-Versprechen von Angela Merkel vor einem Jahr sind die Erwartungen für den Afrika-Gipfel heute in Berlin also hoch. Ob die Initiativen der Bundesregierung und der G20 erfolgreich sein werden, wird maßgeblich von zwei Punkten abhängen:

  • Die Ängste von Unternehmern müssen abgebaut werden.
  • Und: Investitionen, wie die in Bio-Schokolade, dürfen nicht nur für europäische Firmen schmackhaft, sondern vor allem für die Wirtschaft und die Menschen vor Ort verträglich sein.  
Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.