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Afrika-Reise der Kanzlerin - Merkel besucht Krisenstaaten in der Sahelzone

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Burkina Faso, Mali und Niger: Das sind die Ziele der Kanzlerin auf ihrer dreitägigen Afrika-Reise. Die Lage in den Staaten ist katastrophal - und verschlechtert sich zusehends.

Angela Merkel Empfang in Burkina Faso
Merkel wird in Burkina Faso mit militärischen Ehren empfangen.
Quelle: dpa

Angesichts der enormen Pannenserie bei der Flugbereitschaft mag sich mancher fragen, ob bei der aktuellen Kanzlerinnenreise in die Sahelzone das Ziel oder doch die Reise das Gefährlichere ist. Für den Risikoanteil der Flugbereitschaft ist die Antwort noch offen - für die drei Zielländer gilt in jedem Fall: Der Sahel ist gefährlich, hat sich in eine der großen Krisengegenden der Welt verwandelt.

Dschihadistische Bewegungen haben sich in der Zone unterhalb der Sahara quecksilbergleich verhalten: Unter Druck haben sie sich in viele kleine, aber allesamt giftige Bestandteile aufgespalten. Die Terrorgruppen werden militärisch bekämpft, von regionalen Truppen und Franzosen, aber die Gewalt steigt nur noch weiter. Die Krise in dieser so wichtigen Region spitzt sich zu. Erst am Montag haben Islamisten im Norden von Burkina Faso bei einem Angriff auf eine protestantische Kirche sechs Menschen getötet.

Zahl der zivilen Opfer im Sahel drastisch gestiegen

Es kann uns nicht gleichgültig sein, wenn sich terroristische Netzwerke in strukturschwachen Regionen Afrikas festsetzen und von dort aus die Bevölkerung terrorisieren.
Wolfgang Huber, Präsident des Missionswerks missio

In diese sich seit Monaten verschlechternde Sicherheitslage hinein reist nun die Bundeskanzlerin in drei der zentralen Sahelstaaten: Burkina Faso, Mali und Niger. "Es kann uns nicht gleichgültig sein, wenn sich terroristische Netzwerke in strukturschwachen Regionen Afrikas festsetzen und von dort aus die Bevölkerung terrorisieren", kommentiert der Präsident des Missionswerks missio und frühere Bischof Wolfgang Huber.

Die Zahl der zivilen Opfer hat sich nach Angaben einer amerikanischen NGO im Vergleich zum Vorjahr versiebzigfacht. Allein zwischen November 2018 und März 2019 seien mindestens 5.000 Menschen in einer sich immer schneller drehenden Spirale der Gewalt ums Leben gekommen. Vielerorts ist der Staat nicht mehr präsent, es vergeht keine Woche ohne Opfer, zu den terroristischen Angriffen kommen immer häufiger auch ethnische Auseinandersetzungen hinzu.

Karte: Mali - Burkina Faso - Niger
Karte: Die Reisestationen von Bundeskanzlerin Angela Merkel sind Burkina Faso, Mali und Niger.
Quelle: ZDF

Burkina Faso, die erste Station der Reise, galt lange als das stabilste Land der Region. Das ist eindeutig vorbei. Norden und Osten des 20-Millionen-Einwohner-Landes sind vom Zerfall bedroht, vielerorts herrscht Ausnahmezustand. Im einstigen Hort der Toleranz mit rund 60 verschiedenen Ethnien und multireligiösem Miteinander stehen sich jetzt regelmäßig verfeindete Volksgruppen gegenüber. Nicht selten kämpfen dann die Milizen von Bauern und Hirten um dieselben Territorien. Die Peulh sind mehrheitlich Viehzüchter und Hirten, die Dogon Landwirte - und allzu oft kollidieren die unterschiedlichen wirtschaftlichen Boden-Bedürfnisse und damit dann verschiedene Kulturen und Ethnien.

Merkel besucht Bundeswehr in Mali

Burkina Faso wird zudem vom zweiten Land der Reise, dem schon länger instabilen Nachbarn Mali, negativ beeinflusst. 2012 hatten Islamisten weite Teile des Nordens eingenommen. Zwar wurde, insbesondere durch den Einsatz französischer Kampfverbände, der Vormarsch auf die Hauptstadt gestoppt und die Region zurückerobert. Aber die Lage bleibt extrem angespannt. War die Gewalt anfangs auf den Norden begrenzt, ist die Sicherheitslage mittlerweile im Zentrum des Landes noch verheerender. Die Zahl der Attentate in Zentralmali, oft durch improvisierte Sprengfallen, hat sich vervielfacht.

Hinzu kommt gezielte Gewalt gegen Lehrer und andere staatliche Vertreter - die staatliche Präsenz soll damit immer weiter zurückgedrängt werden. In der Region Mopti beispielsweise sind schon mehr als 500 Schulen geschlossen, nur rund ein Drittel des Territoriums steht noch unter staatlicher Verwaltung. Mali, wie auch die anderen Staaten in der Sahelzone, gelingt es immer weniger, das staatliche Gewaltmonopol durchzusetzen.

Für die Bundeswehr, die sich mit bis zu 1.100 Soldaten am Blauhelmeinsatz in Mali beteiligt, gilt ihr Gastland als der "weltweit gefährlichste Einsatzort". Die Kanzlerin wird am zweiten Tag ihrer Reise dort Station machen und die - im Rahmen der UN-Mission "Minusma" - im sogenannten Camp Castor eingesetzten Soldaten besuchen. Deutsche Ausbilder schulen die Unteroffiziere der malischen Armee, von Gao aus betreibt die Bundeswehr zudem Lage-Aufklärung.

Niger wartet mit traurigen Rekorden auf

Die dritte Station der Reise, Niger, kann gleich mit mehreren überwiegend traurigen Rekorden aufwarten: Es ist der Staat mit der höchsten Rate an europäischen Entwicklungsgeldern - und zugleich weiterhin eines der ärmsten Länder der Welt. Niger hält mit durchschnittlich sechs bis sieben Kindern je Frau den Weltrekord im höchsten Bevölkerungszuwachs. Und hat in der Folge mit einem Durchschnittsalter von 14,8 Jahren das jüngste Medianalter aller Staaten.

Auch in Niger operieren zahlreiche Terrorgruppen, die gemeinsame Grenze mit Libyen destabilisiert die Lage noch zusätzlich. Die Flugbereitschaft muss sich also schon erhebliche Mühe geben, um auf dieser Reise als Problem aufzufallen.

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