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Landwirtschaft in Afrika - Mit der Superbohne gegen den Hunger

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Eine ertragreiche und dürre-resistente Bohnenzüchtung überzeugt viele Landwirte in afrikanischen Hungergebieten. Nun hoffen die Forscher auf Gentechnologie zur Weiterentwicklung.

Uganda Super-Bohnen vom Bauer  Richard Opio, aufgenommen am 01.11.2017 in Nwoya (Uganda)
Uganda Super-Bohnen vom Bauer Richard Opio, aufgenommen am 01.11.2017 in Nwoya (Uganda) Quelle: ap

Begeistert zeigt Richard Opio die rosafarbenen Bohnen, die das Leben seiner Familie dramatisch veränderten: Früher erntete der 35-jährige Landwirt im Norden Ugandas zwei Säcke Bohnen, mit der neuen Sorte sind es sechs. Opio baut die sogenannte Superbohne an, eine schnell reifende, ertragreiche Sorte, die von der ugandischen Regierung und Landwirtschaftsexperten insbesondere in vom Hunger gefährdeten Gebieten gefördert wird.

Entwickelt wurde die dürre- und schädlingsresistente Züchtung bisher auf konventionelle Art ohne umstrittene Gentechnik, doch Wissenschaftler und Agrarverbände wollen möglicherweise durch genetische Modifizierung eine noch bessere Sorte entwickeln. Die Landwirte in diesem verarmten Gebiet im Norden Ugandas sind begeistert von den Superbohnen.

Mehr als eine Million Flüchtlinge zu versorgen

Die Region muss zusätzlich zur eigenen Bevölkerung mehr als eine Million Flüchtlinge versorgen, die in den vergangenen Jahren aus dem kriegszerrütteten Nachbarland Südsudan nach Uganda strömten. Nach Angaben des International Center for Tropical Agriculture wurden die Bohnen konventionell durch Selektion gezüchtet, speziell für die trockenen Bedingungen, die Hungersnöte auslösen können, wenn Ackerland verschwindet.

Die Organisation betreibt eine von nur zwei Gendatenbanken für Bohnen in Afrika. Obwohl der Kontinent nach Angaben des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen unter vier Prozent der weltweiten Treibhausgase produziert, dürfte er am stärksten vom Klimawandel betroffen sein. Eine Genbank befindet sich in einem Außenbezirk der ugandischen Hauptstadt Kampala - hier wurden die Bohnen gezüchtet, die Opio nun anbaut.

Die andere ist in Malawi im südlichen Afrika. Bohnen aus diesen beiden Genbanken werden zur Weiterentwicklung an Partner in 30 afrikanische Länder verschickt, um an die regionalen Bedingungen angepasst zu werden.

Flüchtlinge sollen selbst Nahrung anbauen

In der ugandischen Genbank lagern etwa 4.000 Bohnensorten, darunter einige aus dem benachbarten Ruanda aus der Zeit vor dem Völkermord 1994, als 800.000 Menschen starben und viele Bohnenarten ausgelöscht wurden. "Die Bohnen müssen vor der Freigabe strenge Tests durchlaufen, um sicherzustellen, dass sie tatsächlich alle Anforderungen erfüllen und unter verschiedenen klimatischen Bedingungen funktionieren", erklärt Stanley Nkalubo, Experte für Hülsenfrüchte bei der ugandischen Organisation für Landwirtschaftsforschung.

Die rot-gestreifte Superbohne heißt NABE15 und ist so beliebt, dass die Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) nun bei einem großen Produzenten 21 Tonnen als Saatgut zur Verteilung an südsudanesische Flüchtlinge bestellt hat.

Mitarbeiter von Hilfsorganisationen hoffen nun darauf, dass die Flüchtlinge damit selbst Nahrung anbauen, anstatt sich auf Hilfslieferungen zu verlassen, die in manchen Fällen wegen fehlender Finanzmittel gekürzt wurden. "Es ist wichtig, dass andere Nahrungsquellen zur Ergänzung der Nahrungsmittelhilfe gefunden werden", sagt FAO-Programmdirektorin Beatrice Okello in Uganda. Von 50 Kilogramm Saatgut erwarten die Experten einen Ertrag von bis zu 2.000 Kilogramm Bohnen.

Schnell gar und resistent

Die Superbohnen sind außerdem schnell gar und resistent gegen die meisten Krankheiten und Schädlinge. "Sie haben auch eine glänzend rote Farbe, die die örtlichen Verbraucher mögen, und sind süßer", sagt Robin Buruchara, Vorsitzender eines afrikaweiten Verbundes zur Bohnenforschung. Beim Abfüllen der Saatbohnen in Säcke für ein Flüchtlingscamp betont Bohnenproduzent Felix Otim, die Bohnen könnten viele Leben retten, wenn sie ausgesät und nicht für Mahlzeiten verwendet würden.

Doch auch die Superbohnen sind nicht perfekt, und Landwirtschaftsexperten setzen auf genetische Modifizierung bei der Weiterentwicklung. "Es ist sehr schwierig, eine Bohnensorte mit den besten aller Eigenschaften zu züchten - frühe Reifung, dürreresistent, schädlingsresistent, mit hohem Gehalt an Mikronährstoffen. Das wäre eine Super-Super-Bohne", sagt Debisi Araba, Regionaldirektor für Afrika beim Center for Tropical Agriculture. "Doch das ist es, worauf wir hinarbeiten."

Im Norden Ugandas verbreitet sich vorerst die Superbohne. Opios Nachbar kaufte sich inzwischen auch welche, nachdem er gesehen hatte, wie ertragreich die Pflanzen sind. Auch jenseits der Grenze im Südsudan, wo erneut eine Hungersnot droht, werden sie gehandelt. Araba ist zufrieden: "Obwohl wir Bauern und Organisationen in Uganda als Zielgruppe haben, gibt es auch Nutznießer jenseits der Grenzen."

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