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Afrikanische Whistleblower - AfriLeaks – das afrikanische Darknet-WikiLeaks

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AfriLeaks ist ein Postfach für Whistleblower - im Darknet. Die Anonymität der digitalen Unterwelt schützt potenzielle Geheimnisverräter weltweit vor Überwachung.

Im Darknet können Whistleblower unerkannt unterwegs sein.
Im Darknet können Whistleblower unerkannt unterwegs sein.
Quelle: dpa

"Egal, was passiert. Das muss die Welt wissen." Whistleblower haben Zugang zu brisanten, internen Informationen und entscheiden sich, diese an die Öffentlichkeit zu bringen. Das erfordert Mut, denn für den ethisch motivierten Geheimnisverrat riskieren sie ihren Job oder gar ihre Freiheit. Immer mehr Medien schaffen deshalb Schutzräume im Darknet, einem digitalen Ort, dem viele Menschen nichts Gutes zutrauen.

Präsenz im Darknet

Hinter AfriLeaks, einem Postfach im Darknet, stehen 14 Medien und Medienorganisationen aus verschiedenen afrikanischen Ländern. Unter den Medien ist etwa die südafrikanische Tageszeitung "Business Day", die nigerianische Zeitung "The Nation" und das Onlineportal "Africauncensored.net". Wer die Webseite AfriLeaks.org besucht, wird schnell gebeten, auf eine seltsam anmutende Adresse zu wechseln: wcnueib4qrsm544n.onion – eine Darknet-Adresse. Die lässt sich nur mit dem anonymen Tor-Browser aufrufen, der die Identität der Whistleblower schützt.

Geheimnisse verraten ohne Angst

Auf dem Postfach geben die Whistleblower an, welche der beteiligten Medien den Leak erhalten sollen. Sie laden ihr Dokument mit wenigen Klicks hoch und sehen dann einen 16-stelligen Geheimcode. Den schreiben sie sich auf. Später können sie zum Postfach zurückkehren und nach Eingabe des Geheimcodes nachschauen, ob die Redaktion geantwortet hat. AfriLeaks selbst veröffentlicht keine Leaks, anders als die bekannte Plattform WikiLeaks. Die eingereichten Dokumente gehen über sichere Kanäle direkt in die Posteingänge der jeweiligen Redaktionen.

AfriLeaks gibt es seit 2015. Koordiniert hat das Projekt das afrikanische Netzwerk für investigativen Journalismus ANCIR. Das Postfach erlaube es Whistleblowern, Informationen an Medien zu schicken, "ohne Angst, dass sie dabei ihre Identität offenbaren oder sich selbst schaden", wie die Journalistin Khadija Sharife dem britischen "Guardian" zum Start von AfriLeaks sagte.

Das Darknet als Schutzraum

Medien berichten oft reißerisch über das Darknet, in zunehmendem Maße nutzen sie es aber auch aktiv als Werkzeug, um Whistleblowern Schutz auf höchstem technischen Niveau zu bieten. Eine Darknet-Adresse ist für normale Internet-Browser nicht zugänglich, sie lässt sich nur mit dem Anonymisierungsbrowser Tor betreten. Der verbirgt die sogenannte IP-Adresse. Über diese digitale Postadresse lassen sich Nutzerinnen und Nutzer normalerweise leicht identifizieren. Ein Darknet-Postfach macht Überwachung nahezu unmöglich.

Etwa 60 Darknet-Postfächer für Medien gibt es: die "New York Times" beispielsweise hat ein solches Postfach, der britische "Guardian" und die Tageszeitung "taz". Neben Einzelpostfächern von Medien gibt es auch Gemeinschaftspostfächer. Für AfriLeaks haben sich Medien aus mehreren afrikanischen Ländern zusammengeschlossen, hinter Sourcesûre stehen französischsprachige Medien aus Frankreich, Belgien und der Schweiz. Hinter SportsLeaks wiederum steht ein Team um den bekannten Doping-Journalisten Hajo Seppelt.

Einladung zum Geheimnisverrat

Der Gang ins Darknet macht für sie alle Sinn: die Anonymität der digitalen Unterwelt schützt Whistleblower vor Enttarnung, auch wenn diese selbst kaum über IT-Kenntnisse verfügen. Nun müssen sie nur noch kommen und ihre Geheimnisse mutig mit der Welt teilen, sei es in Nigeria, Norwegen, Großbritannien, Deutschland oder Südafrika.

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