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Darstellungen von Afrin - Ein Krieg um Bilder und Informationen

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Das türkische Militär steht in Afrin. Doch Ruhe herrscht nicht: Es gibt weiter Kämpfe, das Leid der Bevölkerung setzt sich fort - und die Propaganda läuft weiter auf Hochtouren.

Die humanitäre Lage zehntausender Flüchtlinge in der Region Afrin verschärft sich. Vor Ort mangelt es an Hilfe. Pro-türkische Kämpfer plündern Häuser und Geschäfte.

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3.400 Terroristen seien bislang "neutralisiert" worden, hatte Präsident Erdogan verkündet. Keinem einzigen Zivilisten sei bislang ein Haar gekrümmt worden. Die in London ansässige "Beobachtungsstelle für Menschenrechte" spricht dagegen von mindestens 245 zivilen Opfern im Bezirk Afrin, darunter 41 Kinder.

Zahlen sind zweifelhaft

Dass Artillerie- und Luftangriffe auf Dörfer und Städte mit derart chirurgischer Präzision durchgeführt werden, dass - wie es im sachlich-zynischen Militärsprech heißt - keine "Kollateralschäden" zu verzeichnen sind, ist auszuschließen. Ob die Zahlen der anderen Seite stimmen, ist dagegen ebenso wenig zu überprüfen.

Die Quellen der "Beobachtungsstelle für Menschenrechte" in London sind kurdische Aktivisten aus Afrin. Die wiederum gehören zumeist der syrisch-kurdischen Partei der Demokratischen Union PYD an, eine Schwesterpartei der türkisch-kurdischen PKK. In Afrin selbst sorgt ein sogenanntes "Medienzentrum" dafür, das Geschehen aus kurdischer Sicht darzustellen. Es ist ein Krieg um Bilder und Informationen zwischen der türkischen und der kurdischen Kriegspropaganda.

Beweise für Falschinformationen

Beide Seiten unterhalten einen professionellen Kommunikationsapparat, der Fotos, Videos und Presseerklärungen an internationale Medien verteilt. Am 26. Januar verschickte das türkische Presse- und Informationsamt eine Broschüre in vier Sprachen an alle in der Türkei akkreditierten Journalisten. Darin werden Meldungen der kurdischen Propaganda vor allem in den sozialen Netzwerken widerlegt. Zahlreiche Belege für Falschinformationen werden präsentiert.

Das Bild eines blutüberströmten Kindes im Krankenhaus von Afrin, präsentiert als Beleg für türkische Gräueltaten an unschuldigen Zivilisten, stamme angeblich aus dem August 2016 und zeige einen Jungen aus Aleppo. Das Bild eines von den kurdischen Widerstandskämpfern vernichteten, brennenden türkischen Panzers, angeblich auf Facebook veröffentlicht, sei tatsächlich Mitte Juli 2014 im Gaza-Streifen aufgenommen worden. Solche Desinformationskampagnen kennt man aus fast allen Kriegen. Für Journalisten ist es oft schwer, den Wahrheitsgehalt von Meldungen der einen wie der anderen Seite zweifelsfrei zu überprüfen. 

Gegenstimmen gehen unter

Die türkische Öffentlichkeit erfährt von zivilen Opfern des türkischen Einmarsches in Nord-Syrien nichts. Im Gegenteil. Jeder, der das Vorgehen der türkischen Truppen im Kampf gegen die Terroristen der YPG-Miliz kritisiert, läuft Gefahr, wegen des Vorwurfs der Terrorpropaganda festgenommen und verurteilt zu werden. Hunderte solche Fälle gab es bereits.

Unterdessen sendet das türkische Fernsehen Sondersendungen aus dem militärischen Hauptquartier der türkischen Einsatzkräfte an der Grenze zu Syrien. Dort stehen die Reporter von TRT oder CNN Türk und verlautbaren die Erfolgsmeldungen über den türkischen Vormarsch. Zweifel an dem Einsatz gibt es keine. Auftritte von Regierungsmitgliedern bei den Begräbnissen gefallener Kriegshelden werden live übertragen. Martialische Bilder vorrückender türkischer Streitkräfte und der verbündeten islamischen Milizen laufen in einer Dauerschleife auf Musik. Die Kampfgebiete selbst sind Sperrgebiet für Journalisten. Die Hoheit über Bilder und Informationen aus Afrin behalten die Medienzentren der beiden Konfliktparteien.

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