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Agentur für Personensuche - Im Fundbüro für "vermisste Menschen"

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Susanne Panter hilft ihren Kunden, Menschen zu finden, die sie aus den Augen verloren oder noch nie im Leben getroffen haben. Ob Vater oder Mutter, Halbgeschwister, alte Freunde oder die Jugendliebe - die Personensucherin findet Menschen auf der ganzen Welt.

Über seinen Vater wusste Helmut Pätzold jahrzehntelang nur eines: Der Mann verschwand gegen Ende des Zweiten Weltkrieges von einem Tag auf den nächsten ohne ein Wort aus dem Leben der Mutter. Obwohl er wusste, dass sie ein Kind von ihm erwartete. Der Junge, Helmut, kam im Juni 1945 zur Welt. Seine Mutter, erinnert sich der heute 72-Jährige, sprach nur sehr selten vom Vater: "Sie wollte nach vorn schauen, nicht zurück."

"Weiße Flecken in der Biografie mit Farbe füllen"

Helmut Pätzold hat das akzeptiert und sich viel Zeit gelassen mit der Suche nach seinen Wurzeln - aus Rücksicht gegenüber beiden Elternteilen. "Ich wollte nichts kaputt machen in den Familien", sagt Pätzold, der selbst zwei erwachsene Töchter und mehrere Enkelkinder hat. Erst, als er den Vater tot glaubte, begann Pätzold die Recherche seines Lebens. "Meine Kinder haben doch auch ein Recht darauf, zu erfahren, von wem sie abstammen", sagt er.

Aber wo ansetzen? Im Fernsehen wird der pensionierte Bautechniker auf eine zierliche, blonde Frau aufmerksam, die als Personensucherin vorgestellt wird. Ihm gefällt ihre "sachliche Art", ihr Verzicht auf "drehbuchmäßige Gefühlsausbrüche". Der Name der Frau: Susanne Panter. Ihr Beruf ist es, Menschen zu finden. Eltern, Geschwister, Freunde oder die Jugendliebe. "Mein Ziel ist es, Menschen dabei zu helfen, weiße Flecken in ihrer Biografie mit Farbe zu füllen", sagt Panter im Gespräch mit heute.de.

Eine alte Adresse in Belgien, ein guter Ansatz

Als sie ihr "Fundbüro für vermisste Menschen" eröffnete, gab es noch keine bequeme Internetsuche. Aber auch heute ist Google keine echte Konkurrenz für sie. Ein paar Begriffe in die Tastatur eingeben genügt meist nicht. Als Pätzold Panters Agentur "Wiedersehen macht Freude" in Frankfurt betritt, hat er als Startinformation nicht viel mehr als eine alte Adresse in Belgien, die sein Vater seiner Mutter seltsamerweise hinterließ.

Ein guter Ansatz für Panter: Oft muss sie mit weniger Daten auskommen. Da sind Namen nur phonetisch bekannt und die bekannten Daten stammen aus Erinnerungen. Eine Suche kann in solchen Fällen viel länger dauern als die durchschnittlichen zwei bis drei Wochen.

Hohe Erfolgsquote

Panters Recherche verläuft im Prinzip immer gleich: Sie nutzt Online-Archive und -Suchdienste, Telefonbücher und spricht mit Standes- und Einwohnermeldeämtern. Viel Platz braucht sie nicht. Ihr Büro ist in einer Ecke ihres Wohnzimmers eingerichtet. Vor einer großen Weltkarte steht dort ein Schreibtisch, darauf ein Computer. Die Akten der aktuellen und archivierten Fälle sammelt sie in einem Schrank.

Mehr als 4.000 Menschen hat Panter bislang gesucht. Die Erfolgsquote liege bei mehr als 90 Prozent, sagt sie. "Wenn sich jemand nicht absichtlich versteckt, finden wir ihn fast überall." Die Karte hinter ihrem Rücken zeugt davon - in sehr vielen Ländern stecken bunte Nadeln. Suchtreffer!

Weltweite Suchen

Die 49-Jährige spricht von "wir", weil ihr eine Handvoll Mitarbeiterinnen außerhalb Deutschlands bei der Arbeit helfen. Eine spricht Spanisch, eine andere Französisch, eine Griechisch und eine weitere Serbokroatisch. Die Agentur sucht meist in Deutschland und Europa, aber auch immer wieder einmal in Nord- und Südamerika, Asien oder Australien.

In Pätzolds Fall führt die Spur direkt nach Brügge. "Es hat nicht lange gedauert, bis ich einen Anruf von Frau Panter bekommen habe", sagt er. Zeit, sich vorsichtig anzunähern. Wie immer konfrontiert Panter den oder die Gefundenen nicht direkt, sondern schreibt nach Rücksprache mit dem Klienten zunächst einen Brief, in dem steht, dass "im Rahmen einer Familienforschung" um persönliche Informationen gebeten werde.

Manchmal hilft nur sanfter Druck

Bleibt die Antwort einmal aus, schreibt Panter wieder. Diesmal, dass sie es akzeptiere, dass kein Kontakt gewünscht sei - sie werde dem Suchenden aber gleichzeitig empfehlen, einen persönlichen Brief zu schicken. "Darauf reagieren die meisten", sagt Panter mit einem Lächeln, das regelmäßigen Erfolg verrät. Kaum jemand wolle riskieren, dass plötzlich ein Brief des leiblichen Kindes ankommt, von dem die Familie nichts wusste.

In Pätzolds Fall kam die Antwort prompt: Der Vater war, wie der Sohn erwartet hatte, vor einigen Jahren verstorben. Aber die gefundenen Halbgeschwister reagierten "sehr herzlich", wie der Deutsche mit freudigem Klang in seiner Stimme sagt. Pätzold hatte versucht, wenig von der Suche zu erwarten. Umso schöner sei jetzt das Gefühl in ihm, meint er.

Emotional manchmal schwierig

Trotz guter Aussichten auf einen Erfolg bei der Suche warnt Susanne Panter ihre Klienten immer vor allzu großen Erwartungen. Das betrifft sowohl Suchen nach den Eltern als auch nach der Jugendliebe. Die können emotional ebenso schwierig sein, sagt sie.

So oder so, eines gelingt fast immer: quälende Fragen zu beantworten und damit Leerstellen auszufüllen. Auch Pätzold denkt so. "Ich konnte eine Lücke in meiner Vita schließen, worüber ich sehr glücklich bin." Gerade hat er Besuch von einer seiner "neuen" Schwestern aus Brügge. Die beiden haben sich viel zu erzählen.

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